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Ankommen als kommunale Aufgabe

Die Ergebnisse des Forschungs- und Praxisprojekts „Teilhabe in ‚neuen‘ Ankunftsquartieren stärken“, an dem die Technische Universität Berlin beteiligt war sind nun in der Publikation „Was Ankunftsquartiere stark macht“ gebündelt.  Quelle: Daniel Sadrowski
Die Ergebnisse des Forschungs- und Praxisprojekts „Teilhabe in ‚neuen‘ Ankunftsquartieren stärken“, an dem die Technische Universität Berlin beteiligt war sind nun in der Publikation „Was Ankunftsquartiere stark macht“ gebündelt. Quelle: Daniel Sadrowski
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Forschungsprojekt zeigt, wie „neue“ Ankunftsquartiere Teilhabe und
Zusammenhalt stärken können / TU-Team begleitete Fallstudien in Saalfeld
und Marzahn-Hellersdorf
Migration prägt längst nicht mehr nur große Städte oder klassische
innerstädtische Ankunftsquartiere. Auch kleinere und mittlere Städte sowie
Stadtteile, die bislang wenig Erfahrung mit internationaler Zuwanderung
hatten, werden zunehmend zu Orten des Ankommens.

Wie Kommunen diese
Entwicklung gestalten und Teilhabe vor Ort stärken können, zeigt das
Forschungs- und Praxisprojekt „Teilhabe in ‚neuen‘ Ankunftsquartieren
stärken“, an dem die Technische Universität Berlin beteiligt war. Das
Projekt ging der Frage nach, wie Menschen, die neu in einem Quartier
ankommen, Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen und Zusammenhalt finden
können. Die Ergebnisse sind nun in der Publikation „Was Ankunftsquartiere
stark macht“ gebündelt. Das Booklet richtet sich an Akteur*innen aus
Forschung, Verwaltung, Zivilgesellschaft und Kommunen, die sich mit der
Frage „Wie gelingt Ankommen“ beschäftigen und zeigt konkrete
Handlungsmöglichkeiten für eine zukunftsfähige kommunale Migrations- und
Stadtentwicklungspolitik.

Zwischen 2023 und 2026 begleitete ein Konsortium aus ILS Research,
Technischer Universität Berlin, Deutschem Institut für Urbanistik und
STADTRAUMKONZEPT bundesweit elf Kommunen. Gefördert wurde das Projekt von
der Stiftung Mercator. Gemeinsam mit lokalen Akteur*innen wurden Bedarfe
in Ankunftsquartieren analysiert, neue Ansätze erprobt und Strategien
entwickelt, um gesellschaftliche Teilhabe, Zugänge zu sozialen
Infrastrukturen und den Zusammenhalt im Quartier zu stärken. „Ankommen und
Nachbarschaft funktionieren häufig viel unaufgeregter, als wir denken“,
sagt Prof. Dr. Heike Hanhörster von der TU Berlin. „Es braucht Orte, an
denen sich Nachbar*innen auf Augenhöhe begegnen können und an denen sie
gemeinsame Anliegen verfolgen.“

Ankommen als geteilte Erfahrung: Die Fallstudie Marzahn-Hellersdorf

Das Team der TU Berlin begleitete im Projekt die Fallstudien Saalfeld in
Thüringen und Marzahn-Hellersdorf in Berlin. In beiden Fallstudien stand
im Mittelpunkt, wie Zugewanderte und bereits länger ansässige
Bewohner*innen Zugang zu lokalen Angeboten, Netzwerken und
Mitgestaltungsmöglichkeiten finden. Die Forschung macht deutlich:
Ankunftsquartiere sind weit mehr als Orte des ersten Wohnens. Sie bieten
Orientierung, lokales Wissen, Beratungsangebote, soziale Beziehungen und
niedrigschwellige Zugänge zu Bildung, Arbeit, Wohnen und
gesellschaftlicher Teilhabe.

Die Fallstudie Hellersdorf zeigt, wie Gemeinsamkeiten von Bewohner*innen
über soziale, biografische und kulturelle Grenzen hinweg gestärkt werden
können. In einem Stadtteil, der selbst durch kontinuierliches Ankommen
geprägt ist, wird deutlich: Ankommen ist ein dauerhafter sozialräumlicher
Aushandlungsprozess, der alle betrifft. Im Trickfilmprojekt „Über den
frischen Wind“, das gemeinsam mit lokalen Künstler*innen und
Bewohner*innen entwickelt wurde, standen unterschiedliche und geteilte
Erfahrungen des Ankommens im Bezirk im Mittelpunkt. Der Film zeigt, wie
kreative Formate durch gemeinsames Erzählen, Zuhören und Gestalten Räume
für Austausch schaffen. Biografische Vielfalt wird als Ressource erlebbar
und geteilte Alltagserfahrungen schaffen lokale Vertrautheit, die
Nachbarschaft über Herkunfts- und Erfahrungslinien hinweg stärken.
Wohnen und Teilhabe kooperativ angehen: Die Fallstudie Saalfeld

Die Fallstudienarbeit in Saalfeld verdeutlicht, dass sichere Wohn- und
Lebensbedingungen sowohl auf der Ebene des alltäglichen Zusammenlebens als
auch auf der Ebene kommunalpolitischer Rahmenbedingungen gestaltet werden
müssen. Niedrigschwellige Angebote, Beteiligungsformate und
gemeinschaftliche Bau- und Gestaltungsprozesse im Quartier stärken soziale
Netzwerke, fördern Selbstwirksamkeit und ermöglichen die Beteiligung an
der Gestaltung des Wohnumfeldes. Sie tragen dazu bei, Problemlagen
frühzeitig sichtbar zu machen und gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln.
Gleichzeitig trägt der Abstimmungsprozess in Saalfeld und im Landkreis
Saalfeld-Rudolstadt zwischen Verwaltungen, Wohnungsunternehmen und
sozialen Trägern dazu bei, dass strukturelle Herausforderungen im Bereich
Wohnen durch institutionelle Kooperation, klare Zuständigkeiten und
Maßnahmen angegangen werden.

Zentrale Empfehlungen

Gleichzeitig stehen viele dieser Quartiere unter Druck. Hohe Fluktuation,
knappe kommunale Ressourcen, Diskriminierungserfahrungen und
stigmatisierende öffentliche Debatten erschweren Teilhabe und
Zusammenleben. Besonders in „neuen“ Ankunftsquartieren fehlen häufig
gewachsene Unterstützungsnetzwerke und etablierte Andockstellen, wie sie
in traditionellen Ankunftsquartieren über Jahrzehnte entstanden sind.

Aus den Erfahrungen der beteiligten Kommunen leitet das Projektteam
zentrale Empfehlungen ab:

•       Ankunftsräume treten in unterschiedlichen städtischen Lagen und
räumlichen Maßstabsebenen auf. Oft trifft dort Migration auf bestehende
strukturelle Ungleichheiten.
•       Es gilt die Dynamik und Logiken von Ankunftsquartieren besser zu
verstehen, um strategisch und perspektivisch handeln zu können.
Realistische Ziele sind dabei zentral – gleichbleibende Sozialdaten sind
zunächst kein Grund zur Sorge.
•       Zugänge zu gesellschaftlichen Ressourcen können durch passgenaue
Infrastrukturen erleichtert werden. Soziale Infrastrukturen müssen
sichtbar und niedrigschwellig zugänglich sein – etwa Beratungsstellen,
Bildungsangebote, Begegnungsorte und Unterstützungsangebote im Quartier.
•       Zugewanderte und bereits länger ansässige Bewohner*innen sollten
stärker an kommunalen Entscheidungsprozessen beteiligt werden, damit ihre
Erfahrungen und Bedarfe in Planungen einfließen.
•       Quartiersbezogene Ansätze müssen besser mit gesamtstädtischen
Strategien der Stadtentwicklung, Integrationspolitik, Wohnungspolitik und
Sozialplanung verzahnt werden. Denn: Ankommen und Teilhabe enden nicht an
der Quartiersgrenze.
•       Kommunen brauchen ein kontinuierliches Monitoring, um
Veränderungen in Ankunftsquartieren frühzeitig zu erkennen,
Zuwanderungsprozesse besser zu verstehen und passgenau reagieren zu
können.
•       Ressortübergreifende Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltung sowie
Kooperationen mit Wohnungswirtschaft, Zivilgesellschaft,
Bildungseinrichtungen und lokalen Initiativen sollten systematisch
gestärkt werden.
•       Teilhabe und Zusammenhalt benötigen verlässliches Personal und
Strukturen sowie eine langfristige Finanzierung, damit erfolgreiche
Ansätze nicht nur projektförmig bestehen bleiben.

„Ankunftsquartiere betreffen nicht nur Integrationspolitik“, so Prof. Dr.
Hanhörster. „Sie berühren Fragen der Stadtentwicklung, der
Wohnungspolitik, der sozialen Infrastruktur, der Bildungsgerechtigkeit und
des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Deshalb braucht es
ressortübergreifende Zusammenarbeit, verlässliche Strukturen und eine
stärkere Einbindung der Menschen vor Ort.“

Die Publikation „Was Ankunftsquartiere stark macht“ steht kostenlos zum
Download bereit.´: <https://www.ils-
forschung.de/files_publikationen/pdfs/BROSCH%C3%9CRE_Projekt%20Ankunftsquartiere_ONLINE.pdf>

Der Trickfilm „Über den frischen Wind“ wird an jedem Freitag im August als
Vorfilm des Balkonkinos der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ‚STADT UND
LAND‘ am Cecilienplatz in Hellersdorf gezeigt:
<https://stadtundland.de/unternehmen/veranstaltungen/balkonkino-
hellersdorf>

Weitere Informationen finden Sie auf der Projektwebsite: <https://www
.ankunftsquartiere-staerken.de/>

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:
Prof. Dr. Heike Hanhörster
Fachgebietsleitung Soziale Kohäsion, Diversität und Migration in der
räumlichen Planung
Fakultät VI Planen Bauen Umwelt
E-Mail: <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.>