Zum Hauptinhalt springen

Ganz genau: Präzision für die Energiewende

Forschungslabor auf dem Dach: Prof. Dr. Bernd Hüttl leitet das Labor für Photovoltaik und Solare Energiewandlung der Hochschule Coburg. Foto: Simon Geistlinger / Hochschule Coburg  Simon Geistlinger  Hochschule Coburg
Forschungslabor auf dem Dach: Prof. Dr. Bernd Hüttl leitet das Labor für Photovoltaik und Solare Energiewandlung der Hochschule Coburg. Foto: Simon Geistlinger / Hochschule Coburg Simon Geistlinger Hochschule Coburg

Wie die Forschungsgruppe Photovoltaik der Hochschule Coburg erneuerbare
Energien mit genauer Messtechnik unterstützt.

Minimale Abweichungen sind ok. „Aber wenn wir einen Liter Milch kaufen“,
sagt Prof. Dr. Bernd Hüttl, „erwarten wir auch einen Liter.“ Nicht ein
Tässchen mehr oder weniger. Der Professor für erneuerbare Energien der
Hochschule Coburg versteht, dass die Kundschaft es genau nimmt. „Und bei
der Photovoltaik wollen die Kunden eben genau wissen, wieviel Strom eine
Anlage produziert. Die Banken als Geldgeber wollen es wissen.“ Die
Hersteller würden es also gern exakt angeben, aber das ist nicht ganz
einfach: Elektrische Parameter können zwar im Labor präzise gemessen
werden, aber draußen verändern Wind und Wetter ständig die Bedingungen. Um
solche Einflüsse wissenschaftlich zu untersuchen, betreibt die Hochschule
Coburg ein Freiluftlabor auf dem Dach. Das Bundesforschungsministerium
fördert das Projekt PV-FeldLab unter anderem mit dem Ziel, eine neue
Messtechnik zu entwickeln.

Diffuse Strahlung

Das Leistungsverhalten und der Ertrag der Photovoltaik-Anlagen im so
genannten Freifeld sollen damit genauso gut analysiert werden können wie
im Labor. An dem Projekt arbeiten auch Studierende wie Tamara Beck mit:
„Die natürliche Sonnenstrahlung besteht aus direkter, aber auch aus
diffuser Strahlung“, erklärt sie. Diffuse Strahlung entsteht durch
Streuung an Dunst oder Wolken. Sie dringt schlechter in die Solarmodule
ein und reduziert etwas deren Wirkungsgrad, also die Effektivität. „Das
muss bei Außenmessungen im Vergleich zu Laborbedingungen berücksichtigt
werden.“ In ihrer Bachelorarbeit im Studiengang Energietechnik und
Erneuerbare Energien hat Beck analysiert, wie stark die Reduktion der
Effizienz bei natürlicher Solarstrahlung  tatsächlich ist. „Das wurde
erstmals untersucht.“ Hüttl freut sich, dass die Studentin mit den
Messergebnissen auf dem Hochschuldach einen mathematischen Faktor bestimmt
hat: Er zeigt, wie sich bei klarem Himmel die Energieausbeute einer
Photovoltaikanlage durch die diffuse Strahlung reduziert – im Vergleich
zur direkten Strahlung unter Laborbedingungen.

Coburg bei der europäischen Photovoltaikkonferenz

Becks Arbeit trägt zur exakten Kalibrierung der Photovoltaikmodule bei und
fließt in eine größere Arbeit der Hochschule Coburg ein: Darwin Daume baut
das Gesamtsystem zur Messung der elektrischen Leistung von
Photovoltaikkraftwerken auf. Der Student hat bereits seinen Bachelor hier
absolviert und schreibt nun seine Masterarbeit in Elektro- und
Informationstechnik. Daume fügt verschiedene Methoden der
Photovoltaikanalyse zu einem neuen Gesamtkonzept zusammen. Gemeinsam mit
ihrem Professor präsentieren die Studierenden ihre Ergebnisse bei der
EUPVSEC, der größten internationalen Photovoltaik-Konferenz Europas, die
jedes Jahr im Herbst  stattfindet. „In diesem Jahr leider nicht in
Lissabon sondern nur online“, bedauert Hüttl. Er legt auch als Dekan der
Fakultät Elektrotechnik und Informatik Wert darauf, dass die Studierenden
möglichst viele, spannende Aspekte der Praxis kennen lernen. Im Oktober
startet das neue Semester, und wie in den vielen anderen Studiengängen
können sich Interessenten für Elektro- und Informationstechnik und für
Energietechnik und Erneuerbare Energien im September noch bei der
Hochschule Coburg bewerben. Tamara Beck fängt jetzt als Masterandin an.
Darwin Daume arbeitet weiter am Messsystem.

Exakte Messung – weniger Ausfälle

„Die Genauigkeit der elektrischen Leistungsbestimmungen hat sich ja schon
deutlich verbessert“, sagt Hüttl. Als er 2008 anfing, sich mit
Photovoltaik zu beschäftigen, wurde die Leistung mit plus/minus fünf
Prozent angegeben. Beim Liter Milch wären das 50 Milliliter mögliche
Abweichung. Bei der Photovoltaik konnte die Messunsicherheit inzwischen
auf etwa 1,5 Prozent gesenkt werden. „Unser neues Messverfahren wird auch
helfen, die Standardisierung von Freifeldmessungen weiterzuentwickeln.“
Kommendes Jahr werde die neue Messmethode gemeinsam mit den Firmen IBC
Solar und smart blue im Feld getestet. Alterungen und Fehler der
Solarmodule sollen damit in Photovoltaik-Kraftwerken lokalisiert und
Fehlertypen identifiziert werden, so dass die Betreiber eventuelle
Ausfälle schnell erkennen oder sogar vorher vermeiden können.

  • Aufrufe: 19

Die stille Revolution in der Verwaltung

Wieder eine Mappe leer: Daniela Kreissl-Jakob packt sie zu den anderen. Foto: Julian Uebe / Hochschule Coburg  Julian Uebe / Hochschule Coburg
Wieder eine Mappe leer: Daniela Kreissl-Jakob packt sie zu den anderen. Foto: Julian Uebe / Hochschule Coburg Julian Uebe / Hochschule Coburg

Auch wenn jeder weiß, wie wichtig sie sind: Wer hat schon Lust darauf,
sich mit Formalien zu beschäftigen? Die Digitalisierung bietet hier enorme
Chancen, den Nutzerinnen und Nutzern das Leben zu erleichtern. Wie
bürokratische Prozesse revolutioniert werden, zeigt das Beispiel der
Studierendenverwaltung der Hochschule Coburg.

Acht Semester im Bachelor Architektur, sieben bei Zukunftstechnologien
oder Versicherungswirtschaft: Für junge Menschen eine wundervolle Zeit, in
der sie Wissen sammeln, im Praktikum üben, Freunde treffen und mit dem
Abschluss dann einen Einstieg in erfolgreiche Karrieren haben. Das ist das
reale Leben der Studierenden. Gleichzeitig existiert jedes
Studierendenleben auch in der Welt der Dokumente, Daten und Fakten.
Bescheinigungen. Bescheide. Es braucht Krankenversicherungsnachweise,
Praktikumsnachweise, Zeugnisse. Urlaubsanträge, Anträge auf Anrechnung
fremder Leistungen, Noten, Prüfungen, Genehmigungen undundund. Wieviel
Papier sich in so einem Studierendenleben wohl ansammelt? Zwei, drei, vier
Ordner voll? Horst Hauguth lacht. „Mit den Unterlagen, die für die Lehre
zur Verfügung gestellt werden: eher ein ganzer Schrank voll!“ Zumindest
früher.

Online-Dienste statt Papierberge

Heute sei‘s etwa ein Terabyte Daten, berichtet der Informatiker aus dem
IT-Zentrum (ITZ) der Hochschule Coburg. Er ist hier für das Team des
Campus-Managementsystems PRIMUSS zuständig, das außer Coburg noch zehn
weitere Hochschulen für die Studierendenverwaltung nutzen. Für alle stellt
das Coburger PRIMUSS-Kernteam die Online-Module bereit – immer in enger
Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen . „Die Papier-Akten haben in den
vergangenen Jahren rapide abgenommen“, sagt Daniela Kreissl-Jakob, die das
Studienbüro der Hochschule leitet. Bewerbung, Zulassung und Einschreibung
laufen elektronisch, alle Dokumente können online hochgeladen, alle
Bescheide heruntergeladen werden. Dafür reicht ein Smartphone.

Während des digitalen Einschreibungsprozesses werden die Studierenden
automatisch Nutzerinnen und Nutzer in den Plattformen der Hochschule
mycampus und Moodle. Hier bekommen sie online beispielsweise
Lehrmaterialien zum Lesen oder können an Video-Vorlesungen teilnehmen.
„Verwaltung und Lehre hängen eng zusammen“, erklärt Frank Heublein vom
Referat für Digitalisierung. Diese Abteilung hat Vizepräsidentin Prof. Dr.
Jutta Michel vor zwei Jahren initialisiert, damit das Zusammenspiel in der
elektronischen Welt funktioniert. „Für die Studierenden ist die
Digitalisierung ein wichtiges Kriterium. Deshalb ist das für uns ein
strategisch wichtiges Thema“, betont Michel. Das Referat ist ein
Bindeglied. „Ob Fakultäten, Studien- oder Prüfungsbüro,
Praktikumsbeauftragte oder IT“, sagt Frank Heublein, „wir arbeiten alle
zusammen an dieser Geschichte, nur so können wir es packen.
Digitalisierung ist ein Teamsport.“

Die kleine Krankenkassen-Revolution

Die Struktur der Prozesse wird nicht durch einzelne Fachabteilungen und
ihre Grenzen vorgegeben, sondern durch den „studentlife cycle“, also das
Studierendenleben vom ersten Kontakt mit der Hochschule bis zum Ende des
Studiums. Dabei wird auch die Digitalisierung mit externen Partnern
vorangetrieben. Die Hochschule Coburg gehört deutschlandweit
beispielsweise zu den ersten fünf Unis und Hochschulen, die mit den
Krankenkassen elektronische Nachweise austauschen. Kein Papier mehr.
Daniela Kreissl-Jakob aus dem Studienbüro benutzt ganz oft das Wort
„kein“: keine Scanner, kein großer Aufwand, kein Lärm. Die Prozesse sollen
einfach und schnell funktionieren. Smart eben. Es ist eine stille
Revolution.

Hochschul-Kanzler Dr. Matthias J. Kaiser ist überzeugt: „Dass unsere
Services so weit digitalisiert und automatisiert sind, hat uns auch
geholfen, mit unseren Studierenden gut durch die Corona-Zeit zu kommen.“
Er ist stolz auf die Kolleginnen und Kollegen, die da in kurzer Zeit
„etwas Herausragendes“ geschafft haben, wie er sagt: „Dass man von der
ganzen Welt aus in Coburg andocken kann, dass man sich bei uns
einschreiben kann, ohne persönlich aufzutauchen – da gehören wir im
Hochschulbereich absolut zu den Vorreitern.“ Die Digitalisierung
entschlackt Verwaltungsprozesse, die juristisch fürs Examen zwar sehr
wichtig sind – aber eben auch sehr lästig. „Es bedeutet Freiheit, wenn man
das von überall aus ganz einfach erledigen kann.“

  • Aufrufe: 103

Woher stammt der Name Ratatouille? fragt sich nicht nur Herbert Huber

Klassisches Ratatouille
Klassisches Ratatouille

 

Was kann ich mit diesem Gemüse kunterbunt alles zubereiten? Kann man ein Ratatouille auch im Ofen garen? Welch eine Wonne mitten in der Frischgemüse Saison, bei einem Marktrundgang  von Stand zu Stand zu schlendern um sich mit den schönsten Gemüse Variationen für ein Ratatouille à la Niçoise einzudecken. Zucchetti, Fleischtomaten, 3 – farbige Peperoni und Auberginen. Eschalotten und Knoblauch, Thymian, Rosmarin und Oregano (Wilder Majoran).

Etwas Geschichte

Ein Ratatouille Provençale
Ein Ratatouille Provençale

Ratatouille war bis Anfang des 20. Jahrhunderts das Regionalgericht aus der Gegend von Nizza. Der Name Ratatouille wurde allgemein für einfache Eintopfgerichte verwendet und ist ein dialektisches Wortspiel, setzt sich zusammen aus „rat“ (Frass) und „à touiller „ (rühren, umrühren). Ein Ratatouille war ursprünglich ein Arme-Leute-Essen aus dem „Abfall“ von Gemüse gekocht.

 

 

 

 

Verschiedenste Zubereitungsarten:

Ratatouille wie man es kennt
Ratatouille wie man es kennt

Ratatouille nach Grossmutter Art: Eine bodenständige Wirtin in Südfrankreich hat mir einmal zugeflüstert, dass ein aufgewärmtes Ratatouille am besten schmecke. Mag sein, mir ist diese Version eindeutig zu schlabberig. Nun es gibt ja nicht nur frisch oder aufgewärmt, es gibt viele Ratatouille-Variationen auch für Vegetarier und Veganer als Hauptspeise. Und eine flotte Abwechslung für Fleischeslustige. Eine farbenfrohe wie herrlich duftende Beilage.

Mit einem Ratatouille können Sie einen würzigen Salat zubereiten. Das  Ratatouille-Gemüse einfach knackig blanchieren und dann mit Olivenöl und mildem Rotweinessig, Salz und Pfeffer abschmecken. Tomaten roh am Schluss dazu geben.

Aus allfälligen Ratatouille Resten kann man eine sämige Suppe köcheln. Einfach im Mixer pürieren abseihen (Haarsieb) hinein in eine Pfanne, aufkochen, mit etwas Sauerrahm abschmecken und mit dem Stabmixer aufrühren. Ein Basilikumblatt drauf.

Ratatouille auf einer gebratenen Maisschnitte anrichten, mit geriebenem Sbrinz bestreuen und 3 bis 4 Minuten überbacken. Der Käse sollte nur zerfliessen, nicht braun werden.

Ratatouille, ein Hauch von Provence daheim
Ratatouille, ein Hauch von Provence daheim

Das Ofen-Ratatouille kommt  bei unseren Geladenen sehr gut an. Und das geht ganz einfach. Sämtliche Ratatouille – Zutaten roh auf ein mit Backpapier belegtes Blech verteilen, mit Olivenöl grosszügig beträufeln. Zirka 10 Minuten auf mittlerer Rille bei rund 200 Grad und dann bei 150 Grad weitere 15 Minuten garen. Da kann man von Anfang an auch fein geschnittene Kartoffelscheiben (kurz blanchiert) dazugeben. Und 10 Minuten vor Schluss je einen Rosmarin-, Thymian- oder Oreganozweig drauflegen.

Das Ratatouille-Fine, wie es heute bei vielen Edelgastronomen aufgetischt wird: Ratatouille-Gemüse in kleine Würfelchen (ca. 0,5 cm) schneiden, und alle Originalzutaten miteinander kurz im  Olivenöl sautieren (nur die Tomaten zuletzt beigeben), abschmecken und als Gemüsebeilage servieren.

Das Original aus der damaligen Hotel Palace Luzern Küche

Ratatouille  einfach und lecker
Ratatouille einfach und lecker

Rezept Vorweg: Für die Zubereitung eines Ratatouilles braucht es die perfekte Mise en Place. Alles muss säuberlich bereitgestellt sein, damit es mit der Zubereitung rassig läuft, sobald es ernst gilt.

Zutaten für sechs Personen:

400 g kleine feste Auberginen

400 g Zucchetti

500 g knackige Tomaten

Je 1 halbe rote und gelbe Peperoni

2 mittelgrosse Zwiebeln

3 Knoblauchzehen

7 EL Olivenöl

2 EL Rotwein

1 Prise gehackter Thymian oder Rosmarin

2 EL fein geschnittene Basilikumblätter.

Hähnchenfilet Röllchen mit Ratatouille
Hähnchenfilet Röllchen mit Ratatouille

Auberginen schälen und mit den ungeschälten Zucchetti in zirka 2 cm grosse Würfel schneiden. Die Tomaten schälen (geht bei festen Tomaten mit dem Sparschäler), halbieren, etwas ausdrücken und ebenfalls würfeln. Alle Gemüse getrennt parat stellen. Zwiebeln schälen, halbieren, in 2 cm breite Streifen schneiden und diese quer halbieren. Peperoni und Zwiebeln in 2 EL Olivenöl etwa 10 Minuten in Pfanne leicht anbraten und rausnehmen. Tomatenwürfel separat in 1 EL Olivenöl kurz dünsten und rausnehmen. 2 EL Olivenöl nachgeben, und die Auberginen leicht anbraten. Fleissig wenden, rausnehmen und mit weiteren 2 EL Olivenöl die Zucchetti ebenfalls leicht anbraten.

Den «Bratfond» der verschiedenen Gemüse mit dem Rotwein ablöschen. Nun alle Gemüse in einen Topf geben, den «Ablöschfond» dazugeben.

Salz, Pfeffer, Thymian oder Rosmarin, durchgepressten Knoblauch und die Basilikumblätter beigeben und das Ratatouille  etwa 5 Minuten ziehen lassen. Die Gemüse sollen weich sein, aber nicht verkocht.

Und auch das schmeckt himmlisch: Ratatouille auf Risotto oder frisch gekochten Teigwaren anrichten. Dazu rosa gebratene Lamm Koteletten oder eine saftig gedünstete Maispoulardenbrust.

Kleine Fotodiashow zur Kolumne:

fotodiashows.wordpress.com/2021/09/04/woher-stammt-der-name-ratatouille-fragt-sich-nicht-nur-herbert-huber/

Text www.herberthuber.ch

Fotos: www.pixelio.de

Homepages der andern Kolumnisten:   www.noemiefelber.ch

www.gabrielabucher.ch    www.leonardwuest.ch

  • Aufrufe: 41

E-VITA – Mit beschleunigten Elektronen zu gesundem Saatgut

E-VITA® Anlagentechnik zur effizienten Behandlung von Saatgut vor Ort  © E-VITA GmbH; Bildquelle in Druckqualität: www.fep.fraunhofer.de/presse
E-VITA® Anlagentechnik zur effizienten Behandlung von Saatgut vor Ort © E-VITA GmbH; Bildquelle in Druckqualität: www.fep.fraunhofer.de/presse

Am 1. Juli 2021 gründeten die Ceravis AG und das Fraunhofer-Institut für
Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP ein
gemeinsames Joint Venture, die »E-VITA« GmbH. Die Fraunhofer-Ausgründung
widmet sich der chemiefreien, nachhaltigen Behandlung von Saatgut und
Futtermitteln, um es von krankheitserregenden Pilzen, Bakterien und Viren
zu befreien.

Die neu gegründete E-VITA GmbH bietet die Behandlung von organischem
Schüttgut – wie vor allem Saatgut, aber auch Futtermitteln und Kräutern –
mit beschleunigten Elektronen zur schonenden und nachhaltigen Desinfektion
an: eine nachhaltige, erprobte und wirtschaftliche Alternative zur
chemischen Beizung mit Fungiziden.

»Dabei stehen bei uns nicht nur die Desinfektion des Korns selbst, sondern
auch die umfassende Behandlung des Saatgutes mit biologischen Stimulanzien
zur nachhaltigen Erhöhung der Erträge und Verbesserung der
Widerstandsfähigkeit im Mittelpunkt«, erklärt André Weidauer,
Geschäftsführer des Spin-offs E-VITA GmbH.

Wie aber funktioniert das?

Das umweltfreundliche, rein physikalische Verfahren zur Desinfektion von
Saatgut basiert auf der keimabtötenden Wirkung von beschleunigten
Elektronen. Treffen die energiereichen Elektronen im Wirkbereich auf
Schadorganismen, werden diese effektiv abgetötet. Bei der
Elektronenbehandlung wird sichergestellt, dass die Elektronen dabei nur so
tief in die Schale eindringen, dass ein Einfluss auf den Embryo und das
Endosperm im Inneren des Saatkorns nachweislich ausgeschlossen werden
kann. Erste Entwicklungen zur sicheren, chemiefreien Behandlung von
Saatgut mit Elektronen starteten in den 80er Jahren im Forschungsinstitut
Manfred von Ardenne und wurden vom Fraunhofer FEP in langjährigen
Entwicklungsprojekten mit unabhängigen Instituten und Unternehmen zur
industriellen Reife geführt.

Die Verwendung von Biostimulanzien auf behandeltem – also gesundem, von
Schaderregern befreitem – Saatgut hat aus Sicht von E-VITA und Anwendern
enormes Potenzial. Diese Biostimulanzien sind in Kombination mit dem
E-VITA®-Verfahren in der Lage, die Erträge zu erhöhen, die
Nährstoffeffizienz zu verbessern und einen langanhaltenden Schutz zu
bilden.

»E-VITA bietet interessierten Anwendern, wie Züchtern, Lohnunternehmen und
gewerblichen Aufbereitern, Anlagentechnik zur Miete und zum Kauf an.
Ebenso natürlich die Lohnbehandlung von Saatgut vor Ort durch E-VITA
selbst«, fasst Andreas Prelwitz von der Ceravis AG das Aufgabengebiet der
Neugründung zusammen, »Unsere Kunden greifen dabei auf die große Erfahrung
von uns und des Fraunhofer FEP sowie unseren Partnern und Kunden zurück,
die das E-VITA®-Verfahren bereits seit Jahren erfolgreich einsetzen und
jährlich weit über 15.000 Tonnen Saatgut damit behandeln.«

Um das Verfahren auch für kleinere Mengen attraktiv zu gestalten, war die
Entwicklung ganz neuer Anlagentechnik mit zum Teil neuartigen
physikalischen Konzepten notwendig. Herzstück dieser – gegenüber dem
bereits etablierten Stand – kompakteren Anlagen ist eine vom Fraunhofer
FEP entwickelte Elektronenringquelle. Die E-VITA GmbH bietet nun vor
allem, aber nicht ausschließlich, Anlagen mit dieser neuen, kompakten
Technik an, die auch bei geringeren Jahresdurchsätzen wirtschaftlich
effizient arbeitet.

Alle Interessenten finden so ein attraktives Angebot: ganz geringe
Jahresmengen können direkt vor Ort auf einer dafür gemieteten Anlage vom
Kunden oder per Lohnauftrag auch durch E-VITA bearbeitet werden. Für
kleine, mittlere und hohe Durchsätze besteht ebenso die Möglichkeit der
Miete oder aber der Kauf einer eigenen Anlage mit dieser Ringquelle. Für
ganz hohe Durchsätze von über 10.000 Tonnen im Jahr steht die bewährte
Pilotanlage des Fraunhofer FEP zur Verfügung, die auch kundenspezifisch
weiterentwickelt werden kann.

Die Nachfrage nach umweltschonenden, nachhaltigen und zugleich hoch-
wirtschaftlichen Verfahren zur Saatgutbehandlung ist groß und kann von den
wenigen Anbietern schon lange nicht mehr ausreichend bedient werden. Der
Erfolg der Behandlung mit Elektronen, vor allem bei der Ceravis AG in
Güstrow und der BayWa AG in Hainichen, erzeugt seit einigen Jahren auch
bei weiteren Herstellern, Händlern und Anwendern großes Interesse. Die
E-VITA GmbH ist nun in der Lage, dieser Nachfrage gerecht zu werden und
ihren Kunden auf deren individuelle Produktivitätsanforderungen
maßgeschneiderte Lösungen zu präsentieren.

Neben der bei kleinen und mittleren Jahresmengen verbesserten
Wirtschaftlichkeit wird die von E-VITA angebotene Kombination mit
Biostimulanzien den Nutzen der Elektronenbehandlung für die Anwender
erheblich steigern. Prof. Dr. Gösta Mattausch, Abteilungsleiter für
spezielle Elektronenstrahl-Systeme und -Technologien am Fraunhofer FEP,
freut sich über die neue Kooperation: »Mit dieser Partnerschaft wird das
Arbeitsgebiet, das sich mit dem Aufbringen von Wirkstoffen direkt am
Saatkorn beschäftigt und dadurch die globale Düngung von Feldern
reduziert, weiter gestärkt.«

  • Aufrufe: 69