Zum Hauptinhalt springen

Bluthochdruck: Gefahr für Herz und Gehirn – Jetzt Blutdruck checken

„Leiser Killer“ Bluthochdruck erhöht auch Risiko für Demenz. Wer früh
seinen Blutdruck misst und hohen Blutdruck behandelt, erhöht seinen Schutz
vor Demenz und Komplikationen wie Herzinfarkt und Schlaganfall / Infopaket
zum Welthypertonietag

Über 20 Millionen Menschen haben in Deutschland einen hohen Blutdruck,
etwa jeder dritte Erwachsene. Allerdings wissen sehr viele nichts von
ihrem Bluthochdruck. Dabei kann ein nur unzureichend oder nicht
behandelter Bluthochdruck von mehr als 140/90 mmHg (mmHg: Millimeter-
Quecksilbersäule) auf lange Sicht zu Herzerkrankungen wie Herzschwäche
(Herzinsuffizienz) und Vorhofflimmern oder zu Komplikationen wie
Gehirnblutung, Schlaganfall, Herzinfarkt oder Nierenversagen führen. Wie
Studien zeigen, kann auch das Risiko für eine Demenz durch einen
unbehandelten Bluthochdruck begünstigt werden.  „Bluthochdruck ist wie ein
leiser Killer, weil sich seine Dauerbelastung auf Gefäße und Organe nicht
unbedingt mit Beschwerden bemerkbar macht, aber lebenswichtige Organe
möglicherweise bereits geschädigt sind“, warnt der Kardiologe Prof. Dr.
med. Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung,
anlässlich des Welt-Hypertonie-Tags mit einem Infopaket unter
https://herzstiftung.de/welthypertonietag zum Bluthochdruck (Ursachen,
Prävention, Diagnose, Therapie). Symptome wie Schwindel, Ohrensausen,
Kopfschmerzen oder gar Nasenbluten können, müssen aber nicht auftreten.
Umso wichtiger und ganz leicht im Alltag umzusetzen ist das frühzeitige
und regelmäßige Messen des Blutdrucks. Somit kann der Blutdruck
gegebenenfalls medikamentös und mit einem gesunden Lebensstil gut
eingestellt werden, bevor es zu schwerwiegenden Komplikationen kommt.
„Jeder kann selbst aktiv werden und seinen Blutdruck messen und bei zu
hohen Werten mit ärztlicher Hilfe regulieren“, so der Kardiologe und
Intensivmediziner Prof. Voigtländer. Denn nur wer den erhöhten Blutdruck
konsequent behandeln lässt, wie Voigtländer betont, kann dadurch
Komplikationen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall sowie eine dauerhafte
Schädigung des Herzmuskels (hypertensive Herzkrankheit „Hochdruckherz“)
vermeiden.

Die beste Vorsorge: Blutdruckmessen
Die Deutsche Herzstiftung und Herzspezialisten empfehlen allen Erwachsenen
folgende Zeitintervalle für eine Blutdruckmessung:
- mit optimalen Blutdruckwerten (unter 120 mmHg/80 mmHg) mindestens alle
fünf Jahre,
- mit normalen Werten (120-129 mmHg/80-84 mmHg) alle drei Jahre,
- mit hochnormalem Blutdruck (130-139 mmHg/85-89 mmHg) mindestens einmal
im Jahr und
- mit Bluthochdruck Grad 1 (ab 140 mmHg/ab 90 mmHg) regelmäßig zu Hause.

Worauf bei der Blutdruckmessung genau zu achten ist, darüber informiert
ein Experten-Beitrag unter https://herzstiftung.de/blutdruck-messen Darin
werden häufige Fragen geklärt wie: Wann und wie häufig sollte man messen?
Wie ist die richtige Position beim Messen? Warum sollte man auf Kaffee vor
dem Messen verzichten?

Schutz vor Schlaganfall und Demenz
Beständig hoher Blutdruck belastet nicht nur die Gefäße des Herz-
Kreislauf-Systems, sondern auch die Hirngefäße. Somit schützt ein normaler
Blutdruck definitiv das Gehirn vor einem Schlaganfall und entsprechend
wird versucht, erhöhte Werte konsequent unter 140/90 mmHg – am besten auf
Werte zwischen 120-130 mmHg (systolisch) – zu senken. Die Ergebnisse
mehrerer aktueller Studien sprechen inzwischen für einen positiven Effekt
der Blutdrucksenkung auch auf das Demenzrisiko.  „Es kommt durch chronisch
hohen Blutdruck vermutlich auch zu strukturellen Veränderungen und zu
einer Volumenreduktion im Gehirn. Die betroffenen Regionen sind
mitverantwortlich für die kognitive Leistung“, erläutert der Kardiologe
Prof. Dr. med. Michael Böhm, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der
Deutschen Herzstiftung und Direktor der Klinik für Innere Medizin III am
Universitätsklinikum des Saarlandes unter https://herzstiftung.de
/bluthochdruck-demenz und verweist hierbei auf die aktuelle Studienlage.

Blutdrucksenken verringert Demenzrisiko
So haben australische Forscher in einer Auswertung von fünf Studien (1)
mit insgesamt über 28.000 Patienten aus den Daten von Patienten mit und
ohne Demenz ermittelt, dass bereits das medikamentöse Absenken des
Blutdrucks um 10 mmHg systolisch und 4 mmHg diastolisch das Demenzrisiko
um über zehn Prozent verringern kann. Und: Je ausgeprägter die
Blutdrucksenkung war, desto mehr wurde das Risiko einer Demenz vermindert.
Dieser lineare günstige Effekt war bis zu einem Blutdruck von 100/70 mmHg
nachweisbar. Es gab auch keinen Hinweis auf einen Schaden durch die
Blutdrucksenkung.
Eine chinesische Beobachtungsstudie (2) mit rund 34.000 Chinesen bestätigt
den positiven Effekt einer guten Blutdruckkontrolle auf geistige
Fähigkeiten. U. a. zeigte sich bei denjenigen, die an einem überwachten
Blutdruck-Behandlungsprogramm teilnahmen, dass die im Schnitt 63-jährigen
Teilnehmer dieser Gruppe ein deutlich reduziertes Demenz-Risiko hatten und
auch der geistige Abbau geringer war als in der Vergleichsgruppe ohne
gezielte Therapie.

Blutdrucksenkung nutzt in jedem Alter
„Die Behandlung erhöhter Blutdruckwerte nutzt in jedem Alter und schützt
dabei nicht nur vor einem akuten Schlaganfall oder anderen Herz-Kreislauf-
Ereignissen. Auch längerfristig zahlt es sich aus, da es seltener zu einer
Demenz kommt“, bestätigt Kardiologe und Bluthochdruck-Spezialist Prof.
Böhm und appelliert: „Kontrollieren Sie regelmäßig Ihren Blutdruck und
gehen Sie bei erhöhten Werten zum Arzt, um Gefäße und Organe zu schützen.“
Eine Hilfe beim täglichen Messen und Protokollieren des Blutdrucks ist der
kostenfreie Blutdruck-Pass unter https://herzstiftung.de/blutdruckpass
Welche Altersgruppen besonders von der Blutdrucksenkung profitieren, um
auch das Demenzrisiko zu verringern und warum auch ein Herzinfarkt den
Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit begünstigten kann, erläutert Prof.
Böhm in seinem Beitrag unter https://herzstiftung.de/bluthochdruck-demenz

Natürlicher Blutdrucksenker: gesunder Lebensstil
Erhöhte Blutdruckwerte lassen sich durch einen gesunden Lebensstil senken,
allen voran mit Ausdauerbewegung, Abbau von Übergewicht und der
konsequenten Einnahme der blutdrucksenden Medikamente. Als optimale
Blutdruckzielwerte gelten aktuell für jüngere Patienten bis zum Alter von
65 Jahren weniger als 130 mmHg systolisch, sofern sie es vertragen.
Patienten über 65 sollten auf systolische Werte unter 140 mmHg kommen, um
Nebenwirkungen zu vermeiden. Die genannten Werte gelten auch für Patienten
mit Nebenerkrankungen wie Diabetes, koronare Herzkrankheit (KHK) und nach
einem Schlaganfall.
Regelmäßiges Ausdauertraining – wie Radfahren, Walken, Joggen oder
Schwimmen – kann den Bluthochdruck sowie die Wahrscheinlichkeit, weitere
Risikofaktoren für Herzkrankheiten zu entwickeln senken. Die Herzstiftung
empfiehlt Bluthochdruckpatienten, sich mindestens dreimal pro Woche für 30
bis 45 Minuten bei moderater Intensität zu bewegen. Geeignet wäre
demzufolge ein Training bei einer Belastungsintensität von etwa 70 Prozent
der maximalen Herzfrequenz. Als allgemeine Faustregel gilt hier „Laufen,
ohne zu schnaufen”: Man sollte sich während der Belastung noch unterhalten
können. „Mit Hilfe des gesunden Lebensstils insbesondere durch
Ausdauerbewegung lassen sich auf niederschwellige Weise Folgeerkrankungen
wie Herzschwäche und Vorhofflimmern sowie Komplikationen wie Herzinfarkt
und Schlaganfall wirksam vorbeugen“, so Kardiologe Prof. Voigtländer. In
Bezug auf den Bluthochdruck ist eine Kombination von Ausdauer- und
Krafttraining optimal und sehr zu empfehlen.

Positiver Effekt auch durch Krafttraining
Ein moderates, dynamisches Kräftigungstraining hat einen positiven Effekt,
wenn es richtig durchgeführt wird. Ratsam sind Kräftigungsübungen mit
niedrigerer Belastung und hoher Wiederholungsrate (z.B. 30 % der
Maximalkraft bei 20 Wiederholungen). Pressatmung sollte beim Training
unbedingt vermieden werden. Auch ein isometrisches Krafttraining, also ein
Training mit Halteübungen (z. B. 4 x 2 Minuten Wandsitzen), hat laut
aktuellen Studien (3) einen großen Effekt auf den Blutdruck. Grundsätzlich
sollten sich Patienten von ihrem Arzt oder ihrer Ärztin individuell
beraten lassen, welches Training für sie das richtige ist. Prinzipiell
ungeeignet ist ein Maximalkrafttraining wie das klassische Gewichtheben.
Auch bei Sportspielen mit hoher Belastung wie Squash ist Vorsicht geboten
und eine ärztliche Rücksprache erforderlich. Generell ist aber jedem gut
eingestellten Bluthochdruckpatienten ohne Endorganschaden ausdrücklich
angeraten, sportlich aktiv zu sein.
(Wi/Ne)

Quellen

(1) Blood pressure lowering and prevention of dementia: an individual
patient data meta-analysis; European Heart Journal, ehac584,
https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehac584
(2) A village doctor-led multifaceted intervention for blood pressure
control in rural China: an open, cluster randomised trial; Lancet April
2022, DOI:https://doi.org/10.1016/S0140-6736(22)00325-7
(3) Exercise training and resting blood pressure: a large-scale pairwise
and network meta-analysis of randomised controlled trials; British Journal
of Sports Medicine 2023;57:1317-1326.

Infos-Service zum Welthypertonietag (17. Mai)
Ein kostenfreies Info-Paket rund um Bluthochdruck (Ursachen, Prävention,
Diagnose, Therapie) bietet die Herzstiftung anlässlich des
Welthypertonietags. Das Infomaterial mit Ratgebern und einem Blutdruck-
Pass hilft dabei, selbst aktiv zu werden, den Blutdruck zu regulieren und
seine Gesundheit optimal zu schützen. Jetzt bestellen unter
https://herzstiftung.de/welthypertonietag oder unter Tel. 069 955128-400

Blutdruck-Pass: Eine Hilfe beim täglichen Messen und Protokollieren des
Blutdrucks ist der kostenfreie Blutdruck-Pass unter
https://herzstiftung.de/blutdruckpass

Bluthochdruck und Demenz: Über die positiven Effekte der
Bluthochdrucktherapie auf das Demenzrisiko informiert der Beitrag von
Prof. Dr. Michael Böhm unter https://herzstiftung.de/bluthochdruck-demenz

  • Aufrufe: 33

Bluthochdruckprävention in die Betriebe bringen. Neues Portal www.blutdruckmanager.de

Etwa jede sechste Person im erwerbsfähigen Alter hat einen zu hohen
Blutdruck. Mit dem Internetportal Blutdruckmanager.de unterstützt die
Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® I Deutsche Gesellschaft für Hypertonie
und Prävention ab sofort Betriebe dabei, das Thema Bluthochdruck in ihr
Gesundheitsmanagement zu integrieren. „Verantwortliche im betrieblichen
Gesundheitsmanagement spielen eine wichtige Rolle bei der Früherkennung
und Prävention von Bluthochdruck“, betont Vorstandsvorsitzender Prof. Dr.
med. Markus van der Giet. Das Portal mit konkreten Hilfestellungen,
Informations- und Aktionsmaterial sowie kostenlosem Messgeräteverleih
startet im Kontext des Welthypertonietags 2024.

Bluthochdruck – auch junge Arbeitnehmende sind betroffen
Mehr als 20 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Bluthochdruck –
mit weiterhin steigender Tendenz [1]. Mit 7,8 Millionen Betroffenen in der
Altersgruppe von 20 – 64 Jahren ist dies ein bedeutender Anteil von 17 %
der erwerbstätigen Bevölkerung. Hypertonie ist der wichtigste Risikofaktor
für viele Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Die Folgen können
Schlaganfälle, Herzinfarkte, Herzrhythmusstörungen, Schädigungen
verschiedener Organe und ein damit verbundener vorzeitiger Tod sein.

„Bluthochdruck ist eine leise Gefahr, die über Jahre zu schwerwiegenden
Erkrankungen führen kann, mit denen Mitarbeitende über längere Zeit
ausfallen. Früherkennung ist im betrieblichen Umfeld darum sehr wichtig“,
erklärt Internist, Hypertensiologe DHL® und Betriebsmediziner Prof. Dr.
med. Gerd Bönner aus Freiburg. Die Blutdruckmessung deckt einfach,
kostengünstig und zuverlässig Bluthochdruck auf und ist der wichtigste
Schritt für die Prävention von Gefäßschäden und Herz-Kreislauf-
Erkrankungen.

Blutdruckmanager.de – Blutdruck-Awareness für gesunde Mitarbeitende
Mit dem Ziel einer flächendeckenden Prävention im Blick startet die
Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® I Deutsche Gesellschaft für Hypertonie
und Prävention im Kontext des Welthypertonietages 2024 das Portal
Blutdruckmanager.de, ein neues Angebot für Unternehmen und Betriebe. „Wir
setzen auf Kooperationen mit Verbänden, Partnern des betrieblichen
Gesundheitsmanagements und Betriebsmedizinerinnen und Betriebsmedizinern,
um das Thema Bluthochdruck fest in der Mitarbeitendengesundheit zu
verankern“, betont Prof. Dr. med. Florian Limbourg, stellvertretender
Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga. „Ist ein zu hoher
Blutdruck erst einmal erkannt, kann er in vielen Fällen gut mit
Anpassungen des Lebensstils oder auch medikamentös reguliert werden.“ Auf
dem Portal Blutdruckmanager.de stellt die Deutsche Hochdruckliga e.V.
Mitarbeitenden der Corporate-Health-Abteilungen sowie Betriebsärztinnen
und -ärzten kostenfreies Informationsmaterial wie Blutdrucktagebücher,
leitliniengerechte Messanleitungen, Videos und Podcasts zur Verfügung. Für
konkrete Aktionen können kostenlos Blutdruckmessgeräte ausgeliehen werden.
Darüber hinaus sind Expertenvorträge buchbar. Konkrete Konzepte
unterstützen dabei, die Maßnahmen einfach umzusetzen [2].

Bluthochdruck verstärkt den Fachkräftemangel
Der Fachkräftemangel ist branchenübergreifend ein Problem. Chronischer
Stress, Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung sind
häufig in Kombination auftretende Faktoren, die das Risiko für die
Entwicklung einer Hypertonie mit möglichen Folgeerkrankungen und
Arbeitsausfällen erhöhen. Daher kommt Betrieben generell und dem
betrieblichen Gesundheitsmanagement mit den Betriebsärztinnen und -ärzten
im Besonderen die wichtige Aufgabe zu, über präventive Maßnahmen
aufzuklären und zu hohen Blutdruck bei Mitarbeitenden frühzeitig zu
erkennen. Die Deutsche Hochdruckliga als medizinisch-wissenschaftliche
Fachgesellschaft bietet mit dem neuen Internetportal Unterstützung an und
steht auch darüber hinaus als kompetenter Partner zur Seite.

Quellen:
[1] WIdO 2023 https://www.gesundheitsatlas-
deutschland.de/erkrankung/arterielle_hypertonie?activeValueType=praevalence&activeLayerType=state
(Abruf: 15.05.2024)
[2] Internetportal Blutdruckmanager der Deutschen Hochdruckliga:
https://www.blutdruckmanager.de/

Über uns:
Die Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® │ Deutsche Gesellschaft für
Hypertonie und Prävention ist eine gemeinnützige, unabhängige medizinisch-
wissenschaftliche Fachgesellschaft. Seit 1974 setzen wir uns für eine
wissenschaftlich fundierte Aufklärung auf dem Gebiet der Hypertonie ein.
Die gesamtgesellschaftliche gesundheitliche Herausforderung Bluthochdruck
verlangt nach einer interdisziplinären Antwort. Wir bündeln die Expertise
aus allen relevanten Fachgruppen und stellen diese allen beteiligten
gesellschaftlichen Gruppen zur Verfügung.

  • Aufrufe: 36

14. Juni 2024: Campusfest, Lesung von Charlotte Gneuß und Lange Nacht der Wissenschaften an der ehs

Am Freitag, den 14. Juni 2024, veranstaltet die Evangelische Hochschule
Dresden (ehs) ein Campusfest für Anwohnerinnen und Anwohner und beteiligt
sich zum neunten Mal mit Präsentationen, Workshops und Mitmachaktionen zu
Themen der Sozialen Arbeit, Pflege, Kindheitspädagogik und Evangelischen
Religions- und Gemeindepädagogik an der Langen Nacht der Wissenschaften
(LNdW). Im Rahmen der LNdW liest Charlotte Gneuß aus ihrem Roman
„Gittersee“.

Am 14.06.24 findet auf dem Innenhof des Campus der ehs in der Dresdner
Johannstadt ab 15:00 Uhr ein Campusfest für Mitarbeitende, Studierende und
Anwohnerinnen und Anwohner statt. Bei Kaffee und Kuchen besteht die
Gelegenheit, entspannt miteinander ins Gespräch zu kommen.
Um 17:00 Uhr öffnet die ehs dann die Türen für ihre Gäste, um in
Workshops, Präsentationen und bei Mitmachaktionen zu zeigen, was in der
Sozialen Arbeit, der Kindheitspädagogik, der Evangelischen Religions- und
Gemeindepädagogik und der Pflege geforscht und gelehrt wird.
Das Themenspektrum reicht von KI, Prompten und Podcasten über
Geschlechtsstereotypen in Pflegeberufen, eine Unterstützungs-App für junge
pflegende Angehörige bis hin zur Suche nach städtischen (Lebens-) Räumen
von Kindern. Wir fragen außerdem, ob Soziale Arbeit alle Familien
erreicht, wie die Leitlinien für kirchliche Kinder- und Familienarbeit
entstehen und wie soziale Kontakte unser Wohlbefinden und unsere
Gesundheit lebenslang beeinflussen.
Als Gast begrüßen wir Charlotte Gneuß, Alumna der ehs, die aus ihrem
mehrfach ausgezeichneten Debütroman „Gittersee“ liest. Die Lesung beginnt
17:30 Uhr und wird von Carola Richter, Leiterin der ehs-Bibliothek,
moderiert.
Außerdem können die Gäste das im Jahr 2022 eröffnete Simulationslabor
(SimLab) der ehs besichtigen, das in fünf verschiedenen Räumen und
pflegerischen Settings ein innovatives Lernumfeld für die Pflege-
Studierenden bietet. Die Gäste können in den Mitmachaktionen selbst
Vitalwerte am Simulator regulieren und prüfen, das Verhalten in
medizinischen Notfallsituationen trainieren oder mit Hilfe von
verschiedenen Simulatoren ausprobieren, wie sich Seheinschränkungen oder
Luftnot auf den Alltag auswirken können.
Musikalisch abgerundet wird der Abend durch ein Konzert des
Paradiesorchesters, das u.a. arabische, jiddische und französische Lieder
spielt. Das Paradiesorchester wurde 2015 mit Musizierenden mit und ohne
Flucht- bzw. Migrationserfahrung als Projekt der ehs gegründet.

Das Programm der Langen Nacht der Wissenschaften finden Sie unter www.ehs-
dresden.de

  • Aufrufe: 123

Transparenz in der Ökobilanz: Welche Umweltwirkungen haben recycelte Kunststoffe?

Es besteht eine wachsende Nachfrage nach Informationen über die
Umweltauswirkungen der Verwendung von recyceltem Kunststoff.
Veröffentlichungen und zuverlässige Daten sind jedoch rar. Jetzt ist es an
der Zeit, dass Industrie, Wissenschaft und politische Entscheidungsträger
Ideen austauschen und einen Konsens darüber erzielen, wie die
Umweltauswirkungen von recy-celten Kunststoffen modelliert werden können.
Genau hier setzt das Fraunhofer CCPE compact am 20. Juni 2024 zum Thema
»Auswirkungen von recycelten Kunststoffen – Ein Stakeholder-Ansatz zur
Ermittlung eines Konsenses in der Ökobilanz« an. Einen ersten Einblick
geben uns Dr.-Ing. Anna Kerps und Tanja Fell im Interview.

Anna, du bist die Hauptautorin des im Januar 2024 erschienenen
Positionspapiers »Challenges and requirements in comparative life cycle
assessment of plastics recycling« von Fraunhofer CCPE. Was ist daraus die
für dich wichtigste Botschaft?

Anna Kerps: Wir – und damit meine ich vor allem die Forschung und die
Industrie – haben noch ein Stück Weg vor uns, bis wir belastbare Aussagen
zu vergleichenden Umweltwirkungen von recycelten Kunststoffen durchführen
können. Derzeit fehlt es bei LCA-Studien im Bereich des
Kunststoffrecyclings an einheitlichen und harmonisierten Regeln, was zu
irreführender Kommunikation und Entscheidungsfindung führen kann. Im
Positionspapier haben wir zehn Herausforderungen und zehn Anforderungen
formuliert, die die Vergleichbarkeit von unterschiedlichen Studien im
Bereich des Kunststoffrecyclings betreffen. Gerade arbeiten wir daran,
einige dieser Herausforderungen beispielhaft am lösemittelbasierten
Recycling zu adressieren, was wir u.a. im CCPE-Cluster weiterentwickeln.
Wir möchten die Unterschiede und Unvergleichbarkeiten durch
Modellierungsentscheidungen am Beispiel des lösemittelbasierten Recyclings
sichtbar machen. Gerade neue Recyclingtechnologien haben andere
Anforderungen an die Systemgrenzen und Modellierungsentscheidungen. Um die
umweltspezifischen Vorteile von recycelten Kunststoffen im Vergleich
untereinander und zu Kunststoffneuwaren aufzeigen zu können, ist es nötig,
einen einheitlichen Bemessungsrahmen für die Ökobilanz zu schaffen, damit
die Rohstofftypen miteinander verglichen werden können.

Wie zahlt darauf bereits eure Recyclingtechnologie, das
lösungsmittelbasierte Recycling, ein?

Tanja Fell: Wir halten Kunststoffressourcen aus solchen Abfällen im
Kreislauf, die ansonsten als nicht recyclingfähig gelten, d.h. wir kommen
z.B. aus einem stark verschmutzen post-consumer Folien-Verpackungsabfall
und können unsere Rezyklate wieder in eine Folienanwendung für
Verpackungen bringen.

Die dafür erforderliche hohe Rezyklatqualität erreichen wir zum einen
durch die hohe Selektivität unseres Löseprozesseses und durch unsere
effektiven Reinigungsverfahren. Das Verfahren benötigt weniger Energie als
die Neuwareherstellung und das chemische Recycling, kurzum wir erreichen
durch den Prozess hohe Qualitäten und eine positive Ökobilanz.

Das Verfahren sollte nicht als Konkurrenz zum thermo-mechanischen
Recycling verstanden werden, sondern vielmehr als eine ergänzende
physikalische Recyclingroute. Denn der lösungsmittelbasierte Prozess zielt
vor allem auf heterogene Abfallstoffe, die bislang entweder nur thermisch
verwertet werden oder nur zu sehr minderwertigen Rezyklaten verarbeitet
werden können.

Ihr werdet im Anschluss an das Fraunhofer CCPE compact die
Industrieunternehmen zu Interviews bitten. Um was soll es dabei gehen?

Anna Kerps: Genau! Wir möchten mit den Kunststoffrecyclern in einen Dialog
treten, um die theoretischen Herausforderungen aus dem Positionspapier mit
dem praxisnahen Nutzen und Aufwand beim Recycling abzugleichen. Ziel ist
es, die Herausforderungen besser zu verstehen und gemeinsam in einem
Stakeholder-Ansatz zu diskutieren. Modellierungsentscheidungen in der
Ökobilanz sind in der Regel geprägt von unterschiedlicher Motivation,
Zielsetzung, Aktualität und zugrundeliegender (wissenschaftlicher)
Expertise sowie der potenziellen Anwendungsfelder der Kunststoffe. Zum
einen möchten wir Wissen vermitteln und in einen Dialog treten, zum
anderen ist es das Ziel, einen Konsens zu schaffen. Viele Einzelstudien
zum Kunststoffrecycling zeigen unabhängig voneinander, dass der Einsatz
von Rezyklat im Vergleich zu Neuware zu Umweltvorteilen führt. Bisher
lassen sich diese Studien allerdings nicht untereinander vergleichen.
Gemeinsam mit den Industrieunternehmen möchten wir den Einsatz von
Rezyklaten durch vergleichbare Modellierungsentscheidungen stärken.

Was ist Euch wichtig, der Industrie in Bezug auf die Ökobilanz von
recyceltem Kunststoff mit auf den Weg zu geben?

Anna Kerps: Es kann nicht sein, dass die Rezyklate große Teile der
Belastungen der Emissionen aus der nachgelagerten Verbrennung von
mitgesammelten Störstoffe tragen. Da das Recycling ein multi-funktionaler
Prozess ist und gleichzeitig Abfall verwertet und neues Material erzeugt
wird, sollten die Umweltwirkungen der Sammlung, Sortierung und dem
Recycling entsprechend der Funktion der Abfallverwertung und der
Ressourcenbereitstellung zugeordnet werden. Wir möchten dieses
Multifunktionalitätsproblem gerne gemeinsam lösen. Startpunkt für den
Austausch ist die kommende Online-Veranstaltung, wo wir die
Herausforderungen nochmal aufarbeiten, um dann gemeinsam in den Dialog zu
treten.

Wir wünschen uns, dass möglichst viele mitmachen, um eine große Tragkraft
zu erzielen.



Sie können sich zur Online-Veranstaltung Fraunhofer CCPE compact
»Auswirkungen von recycelten Kunststoffen - Ein Stakeholder-Ansatz zur
Ermittlung eines Konsenses in der Ökobilanz« am 20. Juni 2024 von 14:00
Uhr bis 16:00 Uhr hier kostenfrei anmelden. Die Veranstaltung findet
online auf Englisch statt.

  • Aufrufe: 47