Coburg / Bayreuth: Masterstudiengang „Applied Theatre: Theater als Soziale Arbeit“ startet im Winter
Die Universität Bayreuth und die Hochschule Coburg erweitern gemeinsam ihr
Angebot für Studierende, die den immer komplexer werdenden
gesellschaftlichen Herausforderungen auf künstlerische Art und Weise
begegnen wollen. In Kooperation bieten sie den bundesweit einzigartigen
Masterstudiengang „Applied Theatre: Theater als Soziale Arbeit“ an.
Studierende erforschen und praktizieren hier neue künstlerische
Ausdrucksformen. Soziale und politische Themen werden gemeinsam mit
Menschen und ihren Communities in künstlerische und aktivistische Praxis
verwandelt. Bis zum 15. Mai können sich Studieninteressierte für den Start
im Wintersemester bewerben.
In den vergangenen Jahren haben das Theater, seine Künstler:innen und
Einrichtungen innovative künstlerische Ausdrucksweisen entwickelt. Die
Globalisierung, zunehmende Migration und die dadurch entstehende Vielfalt
in unseren europäischen Gesellschaften haben dazu geführt, dass sich die
darstellenden Künste aktiv in soziale und politische Bereiche einbringen.
Theater, Performance, Tanz beschäftigen sich nicht nur mit Themen, die
für die Soziale Arbeit relevant sind, sondern erweitern ihre
Möglichkeiten, indem sie mit nicht professionellen Akteur:innen
zusammenarbeiten und so neue Formen ästhetisch-künstlerischer Praxis
entstehen lassen.
Für diese neuen Theaterformen hat sich der Begriff "Applied Theatre"
etabliert. Applied Theatre zeigt sich etwa als Bürgerbühne oder
Stadtteilprojekt, als partizipatives Theater mit diversen Zielgruppen und
hat eine fünfte Sparte in den öffentlich geförderten Theatern etabliert.
Nicht selten nehmen diese partizipativen Theaterformen auch aktivistische
Züge an. Die Kunstform bewegt sich zwischen ästhetischer Freiheit und
ihrem Engagement in gesellschaftlichen Belangen, zwischen künstlerischer
Forschung und sozialem Handeln. Im deutschsprachigen Raum wächst eine
solche Kunstform heran, die bisher in Ausbildungseinrichtungen – sei es in
der Theaterwissenschaft oder in der Sozialen Arbeit – kaum
Berücksichtigung gefunden hat.
„Die verändernde, befreiende Kraft der künstlerischen Praxis"
„Wir gehen mit diesem Studiengang neue Wege, hinein in konkrete
gesellschaftliche Problemfelder. Nehmen wir beispielsweise das Thema
Integration. Da geht es um einen gewissen sozialen Zusammenhalt, um
Begegnung und die Vermittlung demokratischer Werte. Applied Theatre kann
die Erreichung dieser Ziele nachhaltig fördern." so Prof. Dr. Wolf-Dieter
Ernst.
Professor Björn Bicker, der als praktizierender Künstler in diesem Feld
den Studiengang von Coburger Seite gemeinsam mit Professor Ernst aus
Bayreuth leiten wird, unterstreicht die Relevanz des neuen
Studienangebots: „Es geht darum, Community, Gemeinschaft zu praktizieren
und die verändernde, befreiende Kraft der künstlerischen Praxis zu
erfahren. In einer Gesellschaft, die vom Zerfall bedroht ist, scheint mir
das die zentrale Herausforderung zu sein. Zu dieser Arbeit wollen wir
unsere Studierenden befähigen.“
Der Masterstudiengang „Applied Theatre: Theater als Soziale Arbeit“ führt
innerhalb von
vier Semestern zu einem zweiten, berufsqualifizierenden Abschluss, der
dazu befähigt, künstlerische Projekt- und Stückentwicklung und
Produktionsdramaturgie in und außerhalb des Theaters anzuleiten. Die
Studienstruktur sieht vor, dass die ersten zwei Semester sowohl der
Einführung in die Teilbereiche des Studiums Theaterwissenschaft,
Theaterdidaktik, Soziale Arbeit, Kulturpolitik und Kulturmanagement dienen
als auch dem unmittelbaren Beginn erster projektorientierter Arbeiten. In
kleinen Teams und im Präsenzstudium an beiden Standorten erarbeiten und
erforschen die Studierenden ihre Vision des Applied Theatre. Ab dem
zweiten Semester ist das Studium sehr praxisnah auf Partnerinstitutionen
im sozialen Feld hin ausgerichtet. Das können etwa Schulen, Altenheime,
Jugendzentren, Kulturvereine und Theater sein. Im Fokus steht nun die
Entwicklung eines Projektes im sozialen Feld, das von einer
interdisziplinären studentischen Gruppe durchgeführt wird. In Kooperation
mit Partnerinstitutionen der Zivilgesellschaft entstehen so einzigartige
Aufführung von und mit nicht-professionellen Akteuer:innen. Das vierte
Semester vertieft die Studienerfahrung in Form der abschließenden
Masterarbeit.
Organisatorische Kompetenz, eigenständiges konzeptionelles und
künstlerisches Arbeiten sowie sozial-gesellschaftliche Sensibilität
Dank eines praxisnahen, interdisziplinären Studienangebots erwerben
Absolvent:innen Fähigkeiten in der Entwicklung, Umsetzung und Beurteilung
von Theaterprojekten mit nicht professionellen Darsteller:innen und
diversen Zielgruppen. Dies schließt insbesondere die erfolgreiche
Realisierung von Projekten für unterschiedliche Projektträger und
Förderstrukturen sowie die Kenntnis juristischer und sozialer
Rahmenbedingungen ein, also die Kernkompetenzen guter Sozialer Arbeit.
Zu den entscheidenden Qualifikationen erfolgreicher Absolvent:innen des
Masterstudiums gehören organisatorische Kompetenz, eigenständiges
konzeptionelles und künstlerisches Arbeiten sowie sozial-gesellschaftliche
Sensibilität im Umgang mit vielfältigen Zielgruppen und Akteuren. Ebenso
beherrschen sie die Begleitung von Gruppenprozessen.
Eingebettet ist der Studiengang in die Sprach- und
Literaturwissenschaftliche Fakultät der Universität Bayreuth und die
Fakultät für Soziale Arbeit der HAW Coburg.
Weitere Informationen finden sich hier:
https://www.hs-coburg.de/studi
theatre-theater-als-soziale-ar
und hier:
https://www.theaterwissenschaf
Applied-Theatre/index.html
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