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Neue BÄK-Richtlinie setzt strengere Maßstäbe für Laboruntersuchungen - DDG: „Meilenstein für die Diabetesdiagnostik“

Die „Richtlinie der Bundesärztekammer (BÄK) zur Qualitätssicherung
laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen“ (Rili-BÄK) legt grundsätzliche
Anforderungen an das Qualitätsmanagement und die Qualitätssicherung
laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen in der Heilkunde fest. Die
Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) begrüßt eine aktuelle Anpassung
durch die BÄK, in der nun auch für die in der Diabetologie am häufigste
durchgeführte Messgröße Glukose strengere Vorschriften gelten. Auch für
Kalium gelten neue Bestimmungen, die für die Versorgung relevant sind. Die
Änderungen erhöhen die Messqualität in der Diagnostik und tragen zu einer
größeren Patientensicherheit bei.

Nachdem im Jahr 2019 in der Rili-BÄK die Vorgaben für die Messgüte für das
HbA1c entsprechend den gestiegenen medizinischen Anforderungen angepasst
wurde, hat die BÄK in diesem Jahr dieses Vorgehen auf die Messgrößen
Glukose und Kalium ausgeweitet. „Diese Anpassung ist eine substanzielle
Verbesserung in der Versorgung unserer Patientinnen und Patienten, da
sowohl im niedergelassenen Bereich als auch in den Kliniken die
Präanalytik bislang nicht ausreichend berücksichtigt wurde“, begrüßt
Professor Dr. med. Lutz Heinemann, Vorsitzender der DDG Kommission
„Labordiagnostik in der Diabetologie der DDG & DGKL“. Die neuen Vorgaben
werden besonders im Bereich der patienten-relevanten Diagnostik die
Qualität der Glukosemessungen zum Wohle unserer Patientinnen und Patienten
mit Diabetes deutlich erhöhen.“

Die Diabetologie und die Laboratoriumsmedizin sind eng miteinander
verflochten. Nur mit einer hohen Qualität der Messergebnisse können
Ärztinnen und Ärzte eine zuverlässige Diagnose stellen und adäquate
Therapieentscheidungen treffen. Hierbei spielen insbesondere die
Bestimmung von Glukose, HbA1c, Fructosamin, Insulin, C-Peptid und
Inselzell-Antikörper eine bedeutende Rolle. „Es muss gewährleistet sein,
dass diese klinisch-chemischen Parameter im Labor exakt bestimmt werden.
Hier kommt es auf jedes mmol/l an, da eine Abweichung zu falschen
diagnostischen und folglich therapeutischen Konsequenzen führen kann“,
betont DDG Mediensprecher Professor Dr. med. Baptist Gallwitz aus
Tübingen.

So war es bislang möglich, dass durch eine verzögerte Messung und
Verwendung von Standard-Blutentnahmegefäßen bei der Blutentnahme die
Glykolyse bereits vorzeitig einsetzte und in der Laboruntersuchung zu
niedrige Glukosekonzentrationen ermittelt wurden. Die Neufassung der Rili-
BÄK schreibt nun vor: Wenn die Plasmaseparation oder Messung der Glukose
nicht innerhalb von 15 Minuten erfolgt, sind Blutentnahmeröhrchen mit
geeigneter Glykolyseinhibition zu verwenden. Die Nutzung von Serum sei
ungeeignet. Dies betrifft im ähnlichen Ausmaß auch die Kalium-Bestimmung,
da bei Verwendung von Serum nicht die in-vivo Konzentration erfasst wird.
Die Kaliumwerte liegen aus Serum um bis zu 2 mmol/l falsch hoch. Daher
schreibt die Rili-BÄK nun vor, anstatt des Serums Heparin-Plasma oder
Vollblut zu verwenden.

Die DDG begrüßt diese für Diabetespatientinnen und -patienten wichtige
Anpassung, für die sie sich seit Jahren intensiv stark gemacht hat.

Literatur:
Richtlinie der Bundesärztekammer zur Qualitätssicherung
laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen (Rili-BÄK)
https://www.bundesaerztekammer.de/themen/aerzte/qualitaetssicherung
/richtlinien-leitlinien-empfehlungen-stellungnahmen#c13862

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Die unermüdliche Virensucherin

Wie lassen sich Viren im Wasser und in der Luft unschädlich machen? Diese
Frage beschäftigt Tamar Kohn, Professorin für Umweltwissenschaften und
-engineering an der EPFL.

Ein Labyrinth von Gebäuden und Gängen führt zu Tamar Kohns Büro an der
EPFL. Ohne Umwege kommt die Forscherin direkt auf den Kern ihrer Forschung
zu sprechen, der sich in drei Stichworten zusammenfassen lässt: Viren,
Wasser, Luft – oder besser vier, denn das Coronavirus verdient eine
separate Nennung. So beteiligte sich die Forscherin während der Pandemie
an der Entwicklung einer Methode zum Nachweis des Virus im Abwasser. Damit
konnte der Verlauf der Pandemie genauer überwacht werden.

Tamar Kohn ist in Zürich aufgewachsen und hat dort Umweltwissenschaften
studiert, wobei sie sich auf Umweltchemie und insbesondere auf
Grundwassersanierung spezialisierte. Während ihres Postdocs an der
University of California in Berkeley weckten die Viren im Wasser erstmals
ihr Interesse. Seit 2007 forscht sie an diesem Thema an der EPFL und wurde
dort vor Kurzem zur ordentlichen Professorin ernannt.

Tamar Kohn untersucht, was mit Viren passiert, die normalerweise Menschen
befallen, wenn diese in die Umwelt gelangen und sich damit ausserhalb
ihres bevorzugten, für Menschen eher abstossenden Lebensraums befinden.
«Die meisten Viren im Wasser stammen aus Fäkalien», erklärt sie. Mit ihrer
Forschungsgruppe untersucht sie Prozesse, mit denen diese Viren
unschädlich gemacht werden können. In der natürlichen Umwelt geschieht
dies durch Sonnenlicht, Hitze oder das Gefressenwerden von Mikroorganismen
und Zooplankton. In Wasseraufbereitungsanlagen werden
Desinfektionsverfahren unter Einsatz von UV-Strahlen, Ozon oder Chlor-
Verbindungen verwendet. Tamar Kohn setzt für ihre Experimente Viren ein,
die sie aus dem Abwasser isoliert und im Labor in hoher Konzentration
züchtet, bevor sie sie dann zurück ins Wasser gibt. Das passiert entweder
im Labor oder im Genfersee – natürlich unter kontrollierten Bedingungen.
Dann prüft sie, wie lange die Viren infektiös bleiben, indem sie sie an
Säugetierzellen testet. So kann sie die Lebensdauer und die Infektiosität
der Viren je nach Umweltbedingungen modellieren und schliesslich das
Risiko für die Bevölkerung bestimmen. In der Schweiz bestehen Risiken
durch eine beeinträchtigte Wasserqualität vorwiegend bei
Freizeitaktivitäten, zum Beispiel beim Fischen oder wenn beim Schwimmen
Wasser geschluckt wird.

Luft ist ihr neues Eldorado

Seit einigen Jahren verfolgt die Forscherin auch das Schicksal von Viren
in der Luft, nachdem wir Menschen sie durch die Nase oder den Mund
ausgeatmet haben und sie so in Aerosole gelangt sind. «Dieser Bereich war
noch bis 2020 wenig erforscht, wurde aber mit dem Coronavirus plötzlich
sehr relevant», so die Forscherin.

In einem der Projekte, die sie derzeit mit Unterstützung des SNF leitet,
untersucht sie nun, wie sich die Umweltbedingungen auf die Aerosole und
damit auf die Infektiosität der darin enthaltenen Atemwegsviren auswirken.
Diese Partikel sind sehr unterschiedlich, haben aber auch gewisse
gemeinsame Eigenschaften, wie einen niedrigen pH-Wert und oder bestimmte
darin enthaltene Proteine. «Wenn wir mehr darüber wissen, können wir
bestimmen, welche Zusammensetzung der Raumluft in Gebäuden ideal ist,
damit möglichst wenig Influenzaviren und anderen Krankheitserreger wie
SARS-CoV-2 über die Luft übertragen werden», erklärt Tamar Kohn. Die
Forscherin betont, dass es möglich und sinnvoll wäre, die meisten Gebäude
zu belüften, um die Übertragung von Viren zu reduzieren, und dass der
Zusammensetzung der Raumluft mehr Beachtung geschenkt werden sollte. «Es
könnte helfen, Ammoniak, das von Menschen über Haut und Atem abgegeben
wird, aus der Raumluft zu entfernen, weil es den pH-Wert von Aerosolen und
dadurch die Überlebenschancen von Viren erhöht. Glücklicherweise beginnt
sich diese Einsicht durchzusetzen. So befassen sich heute mehrere
Forschungsprojekte mit diesem Thema. Wir erleben fast so etwas wie eine
Revolution der sauberen Luft», meint sie schmunzelnd.

Willkommene Flexibilität

Neben den für Menschen schädlichen Viren im Wasser und in der Luft hat die
Forscherin damit begonnen, auch andere Arten von Viren zu untersuchen. Ihr
neustes Steckenpferd: Cyanophagen. Diese Viren greifen die berühmt-
berüchtigten Blaualgen an – auch Cyanobakterien genannt. «Ich möchte
verstehen, wie sie Cyanobakterien infizieren und abtöten, das heisst, wie
sie Algenblüten beeinflussen oder die Freisetzung von Toxinen bewirken»,
erklärt sie. Sie stösst unermüdlich in immer neue Territorien vor.  «Die
Welt der Viren ist riesig, und ich liebe es, darin nach neuen
Erkenntnissen zu stöbern – es ist eine wundervolle Herausforderung!»

Neugierde ist die treibende Kraft der in Bern wohnhaften,
alleinerziehenden Mutter von zwei Kindern im Alter von 9 und 11 Jahren.
Doch der Alltag erfordert viel Organisation und manchmal auch Verzicht –
so kann sie zum Beispiel nicht immer an Konferenzen teilnehmen. «Zum Glück
bietet mir meine Position eine gewisse Flexibilität. Neben Arbeit und
Familie bleibt mir allerdings nicht viel Zeit. Gerade genug, um den Kopf
zu lüften, indem ich ab und zu joggen gehe.»

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KIT-Medieneinladung: Herausforderung Nachhaltigkeit: Digital-Citizen- Science-Initiative stellt Lösungen vor

Ob weniger Energieverbrauch beim Medienkonsum und beim Reisen oder mehr
Durchblick bei Energiewendetechnologien: Bei der digitalen Mitmachaktion
„Nachhaltig Leben und Arbeiten? Herausforderung angenommen!“ sammelte die
Initiative „wir-forschen.digital“ Herausforderungen zum Thema
Nachhaltigkeit, die anschließend von Forschenden und Studierenden am
Karlsruher Institut für Technologie (KIT) bearbeitet wurden. Beim
Abschlussevent am 19. Juli 2023 ab 17:00 Uhr im TRIANGEL Open Space
stellen sie nun ihre Lösungen vor und diskutieren mit den Gästen. Die
Medien sind zu der Veranstaltung eingeladen. Anmeldung unter:
<Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.>

Die Ergebnisse der Mitmachaktion werden die Forschenden und Studierenden
außerdem noch einmal bei der KIT Science Week vorstellen. Bei der
Wissenschaftswoche vom 10. bis 15. Oktober 2023 wird sich unter dem Motto
„Zukunft gemeinsam nachhaltig gestalten“ alles um Nachhaltigkeit und
Klimaschutz drehen.

Digitale Lösungen für nachhaltiges Leben und Arbeiten

Ein Energiesimulator für die energetische Haussanierung, eine App für den
Klimacheck bei der Reiseplanung oder ein Energietracker für den
spielerischen Überblick zum Energieverbrauch digitaler Geräte – das sind
nur einige der digitalen Lösungen, die sich Forschende und Studierende des
KIT gemeinsam ausgedacht haben und auf der Veranstaltung präsentieren. Die
erarbeiteten Prototypen werden über die Plattform „wir-forschen.digital“
öffentlich frei zur Verfügung stehen. Auf dieser Basis können für die
besten Ideen in einem nächsten Schritt entsprechende Smartphone-Apps
realisiert werden.

Die digitale Mitmachaktion „Nachhaltig Leben und Arbeiten? Herausforderung
angenommen!“ lief seit Anfang März 2023. Sie ist Teil der vom Institut für
Wirtschaftsinformatik und Marketing des KIT mitbegründeten Digital-
Citizen-Science-Initiative „wir-forschen.digital“, in der sich Bürgerinnen
und Bürger aktiv – über digitale Plattformen und damit unabhängig von Ort
und Zeit – auf Augenhöhe mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern
an Forschung beteiligen. In Zusammenarbeit mit dem Institut für
Unternehmensführung, dem Institut für Technikfolgenabschätzung und
Systemanalyse sowie mit dem dort verorteten Karlsruher
Transformationszentrum für Nachhaltigkeit und Kulturwandel wurden bei der
Mitmachaktion die vier Themenfelder „Klimafreundliches Reisen“,
„Energiesparender Medienkonsum“, „Klimafreundliches Büro“ und
„Kommunikation & Partizipation in der Energiewende“ aufgegriffen.

Abschlussevent der Mitmachaktion „Herausforderung Nachhaltigkeit“ am 19.
Juli 2023, ab 17:00 Uhr
Ort: TRIANGEL Open Space, Kaiserstraße 93, 76133 Karlsruhe
Programm
17:00 Uhr       Begrüßung
Professor Alexander Mädche, Institut für Wirtschaftsinformatik und
Marketing (Human-Centered Systems Lab) des KIT
17:10 Uhr       Präsentationen der Lösungen
18:30 Uhr       Diskussion und Austausch

Weitere Informationen: https://wir-forschen.digital/

KIT Science Week vom 10. bis 15. Oktober 2023
Die abwechslungsreiche Veranstaltungswoche kombiniert eine hochrangige
internationale wissenschaftliche Konferenz mit dialogischen Formaten für
die Öffentlichkeit. Wissenschafts- und kulturbegeisterte Bürgerinnen und
Bürger erhalten unter dem Titel „Zukunft gemeinsam nachhaltig gestalten“
exklusive Einblicke in die unterschiedlichsten Facetten der Forschung rund
um Nachhaltigkeit und Klimaschutz.
https://www.scienceweek.kit.edu/

Als „Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft“ schafft und
vermittelt das KIT Wissen für Gesellschaft und Umwelt. Ziel ist es, zu den
globalen Herausforderungen maßgebliche Beiträge in den Feldern Energie,
Mobilität und Information zu leisten. Dazu arbeiten rund 9 800
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf einer breiten disziplinären Basis in
Natur-, Ingenieur-, Wirtschafts- sowie Geistes- und Sozialwissenschaften
zusammen. Seine 22 300 Studierenden bereitet das KIT durch ein
forschungsorientiertes universitäres Studium auf verantwortungsvolle
Aufgaben in Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft vor. Die
Innovationstätigkeit am KIT schlägt die Brücke zwischen Erkenntnis und
Anwendung zum gesellschaftlichen Nutzen, wirtschaftlichen Wohlstand und
Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Das KIT ist eine der
deutschen Exzellenzuniversitäten.

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Sie leiden unter Schlafstörungen, Migräne, Long-COVID oder Depression? Dann regelmäßig den Blutdruck prüfen!

Am 24.06.2023 wurde die neue Bluthochdruckleitlinie der „European Society
of Hypertension“ (ESH) publiziert. Darin werden erstmals zehn neue
Begleiterkrankungen aufgeführt, die das kardiovaskuläre Risiko von
Menschen mit Bluthochdruck erhöhen. Die davon betroffenen Patientinnen und
Patienten sollten besonders auf ihre Blutdruckeinstellung achten. Ebenso
sollte bei Menschen mit diesen Begleiterkrankungen, darunter
Schlafstörungen, Migräne, Long-COVID, Depression, nicht alkoholischer
Lebererkrankung, COPD oder chronischen entzündlichen Erkrankungen,
regelmäßig ein Screening auf Bluthochdruck erfolgen.

Bekannt ist, dass Übergewicht und Diabetes mellitus häufig mit
Bluthochdruck einhergehen. Kommt alles drei zusammen, spricht man vom
sogenannten „metabolischen Syndrom“, das mit einem sehr hohen Risiko für
gefährliche Herz- und Gefäßerkrankungen einhergeht. Das ist der Grund,
warum bei Menschen mit Übergewicht oder mit Diabetes mellitus gezielt auf
den Blutdruck geschaut wird. Diese Patientinnen und Patienten werden auch
zur regelmäßigen Selbstmessung ermuntert.

Verschiedene Studien der letzten Jahre haben gezeigt, dass es aber noch
deutlich mehr Erkrankungen gibt, die häufig zusammen mit Bluthochdruck
auftreten und die Prognose der Betroffenen verschlechtern. Die neue
europäische Blutdruckleitlinie der ESH hat nun gleich zehn neue
Begleiterkrankungen in den Katalog aufgenommen. Menschen, die diese
aufweisen und gleichzeitig zu hohe Blutdruckwerte haben, sind stark
gefährdet, sog. kardiovaskuläre Erkrankungen wie einen Herzinfarkt oder
einen Schlaganfall zu erleiden. „Es ist daher extrem wichtig, dass wir
Ärztinnen und Ärzte auch bei Menschen mit diesen Krankheiten auf den
Blutdruck achten und bei Bedarf eine blutdrucksenkende Therapie
einleiten.“ Dieses Fazit zieht Prof. Markus van der Giet,
Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga.

Um welche Erkrankungen handelt es sich dabei? Neu wurde die nicht
alkoholbedingte Lebererkrankung, auch „Fettleber“ genannt, in die Liste
der Komorbiditäten aufgenommen. Dieser Zusammenhang ist nicht
überraschend: Wer sich schlecht bzw. viel zu reichhaltig ernährt, so dass
die Leber verfettet, hat mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auch
Übergewicht und nicht selten in Folge einen Typ-2-Diabetes und/oder
Bluthochdruck und damit ein deutlich erhöhtes kardiovaskuläres Risiko.
Auch ein nicht-medikamentös einstellbarer Bluthochdruck ist auf der Liste
zu finden, denn er führt zu Folgeschäden an Herz, Gefäßen und Nieren.
Bluthochdruck erhöht aber auch das kardiovaskuläre Risiko bei Menschen mit
chronischer obstruktiver Lungenerkrankung (COPD), Gicht oder chronischen
entzündlichen Erkrankungen wie beispielsweise rheumatoide Arthritis oder
Morbus Crohn.
Ebenfalls neu – und auch etwas überraschend – ist, dass die
kardiovaskuläre Risikoerhöhung auch bei dem Aufeinandertreffen von
Bluthochdruck mit Schlafstörungen, Depression, Migräne, erektiler
Dysfunktion oder chronischen Infektionen – als Beispiel wird in den
Leitlinien Long-COVID genannt – besteht. „Auch wenn man hier auf den
ersten Blick keinen pathophysiologischen Zusammenhang sieht, ist die
Datenlage so eindeutig, dass nun auch diese Erkrankungen als gefährliche
Begleiterkrankungen von Bluthochdruck in der Leitlinie gelistet werden“,
betont Prof. van der Giet.

Doch was heißt das für die Betroffenen? „Bei Menschen mit Bluthochdruck,
die an einer dieser Erkrankungen leiden, muss die Blutdruckeinstellung
sehr konsequent erfolgen. Die Betroffenen sollten über ihr erhöhtes
kardiovaskuläres Risiko informiert werden, damit sie die blutdrucksenkende
Therapie ernst nehmen und auch durch Lebensstilumstellungen aktiv dazu
beitragen, eine weitere Risikoreduktion zu erreichen“, so der
Vorstandsvorsitzende der Deutschen Hochdruckliga.

Der Experte hebt aber noch eine weitere Konsequenz hervor, die sich aus
dem Wissen über die neuen Komorbiditäten ergibt. „Menschen, die an diesen
Erkrankungen leiden, also z. B. an Long-COVID, Depression, Schlafstörungen
oder Migräne, sollten verstärkt auf ihre Blutdruckwerte achten. Denn viele
ahnen nichts von diesem Zusammenhang und merken nicht, dass sie zusätzlich
auch an Bluthochdruck leiden. Die rechtzeitige Diagnose ist umso
wichtiger, da Bluthochdruck gut behandelbar ist. Wird er frühzeitig
erkannt und behandelt, kann das kardiovaskuläre Risiko der Menschen mit
diesen Erkrankungen dadurch auf den Normalwert gesenkt werden.“ Granz
praktisch rät Prof. van der Giet allen Menschen, die unter
Schlafstörungen, Migräne, Long-COVID oder Depression, nicht alkoholischer
Lebererkrankung, COPD, Gicht, erektiler Dysfunktion  oder chronischen,
entzündlichen Erkrankungen zu einer regelmäßigen Überprüfung der
Blutdruckwerte. „Die neuen Leitlinien geben die klare Empfehlung, dass bei
allen Menschen ab dem 40. Lebensjahr sowie bei allen Risikopatientinnen
und -patienten, egal welchen Alters, regelmäßig ein Screening auf
Bluthochdruck erfolgen sollte. Es ist wichtig, dass auch die Menschen, die
unter den in der Leitlinie neu aufgeführten, risikoassoziierten
Krankheiten leiden, wissen, dass sie zu den Risikogruppen zählen.“

Die zehn neuen Komorbiditäten im Überblick
1.      Resistente Hypertonie
2.      Nicht alkoholbedingte Lebererkrankung
3.      COPD
4.      Chronisch entzündliche Erkrankungen
5.      Gicht
6.      Schlafstörungen
7.      Depression
8.      Migräne
9.      Erektile Dysfunktion
10.     Chronische Infektionen (z. B. Long-COVID)

Quelle: 2023 ESH Guidelines for the management of arterial hypertension.
The Task Force for the management of arterial hypertension of the European
Society of Hypertension Endorsed by the European Renal Association (ERA)
and the International Society of Hypertension (ISH). J Hypertens. 2023 Jun
21. doi: 10.1097/HJH.0000000000003480. Epub ahead of print. PMID:
37345492.
https://journals.lww.com/jhypertension/Fulltext/9900/2023_ESH_Guidelines_for_the_management_of_arterial.271.aspx

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