Carina Vogt saß in der Hocke, die Ski noch an ihren Füßen. Ihre Teamkameradinnen eilten herbei, wollten sie umarmen. Im Stehen. Doch die neue Olympiasiegerin im Skispringen konnte und wollte sich nicht erheben. Sie war überwältigt von diesem Moment und tat das, was man Rotz und Wasser heulen nennt. Carina Vogt hatte ihn gespürt, den olympischen Geist. Es ist überhaupt erstaunlich viel gut gegangen bisher bei den Putin-Spielen. Beschwerden über die Unterbringung halten sich in Grenzen und wurden bis jetzt auch nur von Journalisten vorgetragen. Die Organisation passt, bisher waren alle Sportler pünktlich an ihren Wettkampfstätten und bei den Siegerehrungen. Dee befürchteten Terroranschläge sind ausgeblieben. Die politischen Demonstrationen halten sich in Grenzen, nicht nur in Sotschi, nicht nur in Moskau, auch in der westlichen Welt hat sich die Erregung über die Missstände in Russland interessanterweise in den vorigen zehn Tagen drastisch reduziert. Die Dopingkontrollen können ohne Behinderung durchgeführt werden, Claudia Pechstein etwa musste schon neun Mal Blut beziehungsweise Urin lassen.
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