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Deutsche Leberstiftung: Mit künstlicher Intelligenz der Hepatitis C auf der Spur

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Nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO sind weltweit
mindestens 70 Millionen Menschen an einer chronischen Hepatitis C
erkrankt. Die Virusinfektion kann die Leber zerstören. In den letzten
Jahren wurden bei der Hepatitis C-Therapie große Fortschritte erzielt.
Behandelt werden kann die Erkrankung aber nur, wenn sie auch erkannt wird.
In Deutschland wird die Zahl der infizierten Menschen auf 250.000
geschätzt, viele wissen nichts von ihrer Erkrankung. Das Projekt DETECT
der Deutschen Leberstiftung verfolgt mit der Nutzung von neuronalen Netzen
einen neuen Ansatz zur Ermittlung von Prädiktoren für das Vorliegen einer
chronischen Hepatitis C. Ergebnisse wurden nun veröffentlicht.

In dem Projekt DETECT (PräDiktoren-Ermittlung für unerkannTe HEpatitis
C-VirusinfekTionen) konnten Gesundheitsdaten von mehr als 1,8 Millionen
Versicherten aus dem Zeitraum von 2009 bis 2014 ausgewertet werden, die
von den privaten Krankenversicherungen „Debeka“ und „HUK-COBURG“ in
anonymisierter Form zur Verfügung gestellt wurden. Die zuständige
Ethikkommission hat diese Datenauswertung positiv beurteilt.
Wissenschaftlicher Projektleiter war Priv. Doz. Dr. Markus Reiser,
Chefarzt der Medizinischen Klinik II der Paracelsus-Klinik Marl am
Klinikum Vest. Das Datenmanagement wurde von Jürgen Hirsch,
Geschäftsführer der Qyte Software & Solutions GmbH geleistet. Finanziell
unterstützt wurde das Projekt von der AbbVie Deutschland GmbH & Co.KG,
einem Partner der Deutschen Leberstiftung.

Die Krankenversicherungs-Daten wurden mittels einer künstlichen
Intelligenz, also einem neuronalen Netzwerk, auf Auffälligkeiten für das
Vorliegen einer möglichen Hepatitis C analysiert. Im ersten Schritt wurden
die Datensätze der 2.544 bekannten Hepatitis C-Erkrankungen extrahiert und
auf versteckte Hinweise auf die Infektion untersucht. Hierzu zählen
Diagnosen und Behandlungen von unspezifischen Begleiterscheinungen, die
bei einer Hepatitis C häufiger beobachtet werden, allein aber nicht
ausreichen, einen begründeten Verdacht zu äußern. Solche Verdachtsmomente
können Müdigkeit, Gelenkschmerzen, Schilddrüsenerkrankungen, Depressionen
oder Diabetes sein. Ein künstliches neuronales Netz ähnelt einem Gehirn,
welches Informationen aufnimmt, bewertet und auf einer dreidimensionalen
Karte sortiert. Mit 1,8 Millionen Versicherten und jeweils einer Vielzahl
an ambulanten und stationären Diagnosen, Medikamentenverordnungen,
Krankentagen und anderen Variablen über einen Zeitraum von sechs Jahren
war die Datenmenge extrem groß und für diese Auswertung entsprechend ein
künstliches „Hochleistungsgehirn“ erforderlich.

„Den Forschungsansatz finde ich sehr spannend“ sagt Projektleiter Priv.
Doz. Dr. Markus Reiser, der sich seit mehr als 20 Jahren intensiv mit
Hepatitis C beschäftigt. “Viele Betroffene wissen nicht, dass sie mit dem
potentiell tödlichen Virus infiziert sind. Die Identifizierung von
Prädiktoren, die auf eine Hepatitis C schließen lassen, ist eine wichtiger
Beitrag zur Heilung dieser Menschen und auch zur geplanten Elimination der
Hepatitis C in Deutschland.“

Zentrale Fragestellungen des Forschungsvorhabens waren: Können die
bekannten Hepatitis C-Diagnosen mit Hilfe der künstlichen Intelligenz aus
dem Gesamt-Datenpool der 1,8 Millionen Versicherten wiedergefunden werden?
Und wie viele Versicherte zeigen auffällige Ähnlichkeiten ihrer
Gesundheitsdaten im Vergleich zu den Hepatitis C-Erkrankten? Ein
besonderes Augenmerk lag dabei auf den im letzten Beobachtungsjahr
diagnostizierten HCV-Infektionen, da diese Daten nicht durch die Diagnose
beeinflusst sein konnten.

Die umfangreichen und Wochen dauernden Analysen zeigten, dass mit dem
neuronalen Netz alle bekannten Hepatitis C-Virusinfektionen wiedergefunden
wurden: Sie zeigten sich an dem definierten Ort (in einem so genannten
Cluster) der Datenkarte; auch die erst in 2014 diagnostizierten
Infektionen wurden vom neuronalen Netz erkannt. Darüber hinaus wurden
2.217 Versicherte aufgrund der Ähnlichkeit ihrer „sozio-medizinischen“
Daten dem Cluster zugeordnet und haben damit eine potenziell höhere
Wahrscheinlichkeit, an einer noch nicht erkannten Hepatitis C erkrankt zu
sein. Aufgrund einer Vorgabe der Ethikkommission mussten alle Daten
anonymisiert werden, um das Recht auf „Nichtwissen“ zu schützen. Damit
waren die Kontaktaufnahme und das Angebot eines HCV-Testes ausgeschlossen,
sodass nicht geprüft werden konnte, ob die potentiell Betroffenen
tatsächlich an einer Hepatitis C leiden. Die Studienergebnisse wurden
jetzt im Journal of Translational Medicine veröffentlicht.

„Mit dieser Untersuchung konnte die Deutsche Leberstiftung einen neuen
Ansatz zur Identifizierung von Hepatitis C-Erkrankten aufzeigen“, betont
Prof. Dr. Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender der Stiftung, die
Bedeutung des Projektes. „Ich danke den Krankenversicherungen und unserem
Partner AbbVie, ohne deren Unterstützung dieses Projekt nicht möglich
gewesen wäre sowie dem Projektleiter Priv. Doz. Dr. Markus Reiser und dem
Datenanalysten Jürgen Hirsch für ihre überaus engagierte Arbeit.“

Literatur: Reiser et al. Neural-network analysis of socio-medical data to
identify predictors of undiagnosed hepatitis C virus infections in Germany
(DETECT), J Transl Med (2019) 17:94 https://translational-
medicine.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12967-019-1832-4.

Deutsche Leberstiftung
Die Deutsche Leberstiftung befasst sich mit der Leber, Lebererkrankungen
und ihren Behandlungen. Sie hat das Ziel, die Patientenversorgung zu
verbessern. Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit steigert die Stiftung
die öffentliche Wahrnehmung für Lebererkrankungen, damit diese früher
erkannt und geheilt werden können. Die Deutsche Leberstiftung bietet
außerdem Information und Beratung für Betroffene und Angehörige sowie für
Ärzte und Apotheker in medizinischen Fragen. Diese Aufgaben erfüllt die
Stiftung sehr erfolgreich.
Weitere Informationen: https://www.deutsche-leberstiftung.de.

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