Global Health fängt in Deutschland an
Neben der wirtschaftlichen und sozialen nimmt auch die gesundheitliche
Ungleichheit in der Welt immer mehr zu. Selbst in Deutschland erkranken
Menschen mit niedrigem sozialem Status häufiger und sterben früher als
Bessergestellte. Während die Frage, wie sich die Gesundheit der Menschen
weltweit verbessern lässt, in Deutschland außenpolitisch weit oben auf der
Agenda steht, spielt „Global Health“ innenpolitisch nur eine
untergeordnete Rolle. Erforderlich wäre die Stärkung des öffentlichen
Gesundheitswesens in Deutschland und weltweit. Ein engeres Zusammenspiel
von Wissenschaft, Praxis und Politik kann hier einen wichtigen Beitrag
leisten.
Global Health fängt zu Hause an
Globalisierung, Wettbewerbsdruck und gewinnorientierte Wirtschaftssysteme
produzieren in der Welt immer mehr Verlierer. Für viele Menschen bedeutet
das schlechtere Lebensbedingungen, Armut, soziale und dadurch
gesundheitliche Schlechterstellung. Mit viel Engagement hat die deutsche
Bundesregierung das Thema Globale Gesundheit in den letzten Jahren
außenpolitisch eingesetzt und internationale Anerkennung geerntet. Dabei
mangelt es an der Umsetzung im eigenen Land: Deutsche globale
Gesundheitspolitik konzentriert sich in erster Linie auf andere, insbes.
einkommensschwächere Länder. Doch die Veränderungen in der Welt stellen
auch Deutschland vor Probleme. Zahlen des Robert Koch-Instituts in Berlin
belegen, dass Menschen mit niedrigem sozialem Status in Deutschland
häufiger und in jüngeren Jahren erkranken und früher sterben als
Bessergestellte.
Gesundheitliche Ungleichheit in Deutschland nimmt zu
Deregulierung, finanzielle Einschnitte und der Kassenwettbewerb haben
unser Gesundheitswesen in den letzten Jahren massiv verändert.
Leistungsansprüche werden immer restriktiver behandelt und die stationäre
Versorgung folgt mehr einer anbietergesteuerten Produktionslogik als dem
realen Bedarf. Gleichzeitig wächst der Einfluss von privaten
Krankenhäusern und anderen Akteuren. Für den deutschen Sozialstaat wird es
zunehmend schwieriger, Bedürftige und Menschen ohne Versicherungsschutz
mitzuversorgen, wenn diese im Sinne der Gewinnmaximierung keine Rendite
versprechen.
Öffentlichen Gesundheitsdienst stärken
In Deutschland ist es Aufgabe des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD),
die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen. Dieser wirkt z.B. an der
Verhütung und Bekämpfung von Krankheiten mit und überwacht
Hygienevorschriften sowie Herstellung und Handel mit Medizinprodukten,
Betäubungsmitteln und Gefahrstoffen. Immer gewichtiger wird seine Aufgabe
der medizinischen Grundversorgung benachteiligter Menschen wie Flüchtlinge
und Obdachlose. Doch in der heutigen Lage kann der ÖGD ohne zusätzliche
Ressourcen kaum noch seine Aufgaben erfüllen. Daher ist unbedingt die
Stärkung des öffentlichen Gesundheitswesens in Deutschland und weltweit
erforderlich: Der Abbau finanzieller wie personeller Engpässe und ein
Ausbau der Kapazitäten sind die Voraussetzung für eine gesündere
Bevölkerung und den Abbau gesundheitlicher Ungleichheit.
Wissenschaft, Praxis und Politik müssen enger zusammenarbeiten
Für eine wirksame Gesundheitspolitik ist laut Jens Holst, Professor für
Medizin und Global Health in Fulda, vor allem ein engeres Zusammenspiel
von Praxis und Theorie unerlässlich. Praktischer ÖGD und akademische
Public Health (Öffentliche Gesundheit) müssten im intensiveren Austausch
praktisch umsetzbare und gesundheitswissenschaftlich fundierte Strategien
entwickeln, wie etwa durch gemeinsame Forschungsprojekte. So könnten laut
Holst Erkenntnisse und Empirie auch in wirksame Politikberatung übertragen
und gesundheitliche Ungleichheit abgebaut werden. Dazu braucht es jedoch
eine aktive Förderung und Umsetzung. Eine globale Perspektive von
Wissenschaft, Praxis und Politik im Bereich Öffentliche Gesundheit kann
einen wichtigen Beitrag dazu leisten.
Mehr zu diesem Thema erfahren Sie im Beitrag „Global Health: Öffentliche
Gesundheit in Theorie und Praxis“ von Prof. Dr. Dr. Jens Holst in der
aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Arbeitsmedizin Sozialmedizin
Umweltmedizin (ASU) unter: <https://www.asu-arbeitsmedizi
Heftarchiv/article-867212-1105
theorie-und-praxis-.html>
