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Erhöhtes Cholesterin im Blut: Schaden Eier der Gesundheit?

Der Experten-Ratgeber der Herzstiftung
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Der Experten-Ratgeber der Herzstiftung
Der Experten-Ratgeber der Herzstiftung "Hohes Cholesterin: Was tun?".Cholteserin-Ratgeber Cover: DHS/Neuffer.

Neue US-Studie – Herzstiftungs-Experte vor Ostern: Nicht Ei alleine,
sondern gesamtes Ernährungskonzept entscheidend
Erhöhen Eier den Cholesterinspiegel und schaden so dem Herzen? Ab wie
vielen Eiern pro Woche wird es bedenklich? Immer wieder erreichen die
Deutsche Herzstiftung Fragen wie diese. „Erhöhte Cholesterinspiegel im
Blut sind ein wichtiger Risikofaktor für koronare Herzkrankheit (KHK),
Herzinfarkt und Schlaganfall. Das belegen Studien seit Jahrzehnten“,
untermauert der Herzspezialist Prof. Dr. med. Helmut Gohlke vom Vorstand
der Deutschen Herzstiftung. Zusätzlich konnte in vielen Studien gezeigt
werden, dass sich eine medikamentöse Senkung erhöhter Cholesterinwerte
insbesondere durch Statine oder seit kurzem auch durch PCSK9-Inhibitoren
günstig auf den Krankheitsverlauf auswirkt. (Infos: www.herzstiftung.de
/cholesterin-ratgeber.html)
„Aber weit weniger klar war, welche Bedeutung die Cholesterinzufuhr über
die Nahrung für den Cholesterinspiegel im Blut und für das Risiko für
Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat“, betont Gohlke. Die Cholesterin-Aufnahme
durch Konsum cholesterinhaltiger Lebensmittel auf etwa 300 mg Cholesterin
pro Tag zu begrenzen, war für Jahrzehnte die Empfehlung der Amerikanischen
Herzgesellschaft (AHA). Bis die AHA und das Beratungskomitee für die US-
amerikanischen Ernährungs-Leitlinien in Übereinstimmung mit dem American
College of Cardiology (ACC) im Jahr 2015 von dieser Position wegen der
unzureichenden Studienlage abrückten. Nach deren Ansicht fehlte der
Nachweis dafür, dass die Cholesterinzufuhr mit der Ernährung oder speziell
mit Eiern einen wesentlichen Einfluss auf die kardiovaskuläre Ereignisrate
habe.

US-Studie: Auch Eier können Herz-Kreislauf-Risiko erhöhen
Eine neue Übersichtsarbeit (Meta-Analyse) (1) zu sechs Studien mit über
29.600 Teilnehmern, die sorgfältig zu ihrem Ernährungsverhalten befragt
und im Schnitt für 17,7 Jahre nachbeobachtet wurden, kommt zu dem Schluss,
dass eine unbeschränkte Cholesterinzufuhr mit der Ernährung doch nicht
unbedenklich ist: „Denn bei erwachsenen US-Amerikanern war eine höhere
Cholesterinzufuhr deutlich mit einem höheren Erkrankungs- und
Sterblichkeitsrisiko durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden“, so
Gohlke. „Also je höher der Cholesterinverzehr in Lebensmitteln oder der
Eierkonsum war, umso höher war auch das kardiovaskuläre Risiko.“ (*).
Dabei spielte es keine Rolle, ob das Cholesterin vorwiegend über den
Verzehr von Eiern oder über sonstige Komponenten der Nahrung aufgenommen
wurde. Ein Ei enthält etwa 250-280 mg Cholesterin. Allerdings weisen die
Autoren der Studie darauf hin, dass sich ihre Auswertungen nicht ohne
Weiteres auf Menschen außerhalb der USA übertragen ließen. Gohlke folgt
diesem Standpunkt u. a. mit Blick auf Studien in Europa. „Vermutlich
spielt die gängige und beliebte Zubereitung der Eier in den USA,
beispielsweise mit Speck, eine größere Rolle als das Ei selbst.“

Erkenntnisse aus US-Studien nicht unbedingt auf Europa übertragbar
Die Europäischen Präventions-Leitlinien geben bezüglich des Cholesterin-
Konsums keine Empfehlungen mehr ab, auch weil gesättigte Fette eine
stärker cholesterinerhöhende Wirkung haben als das mit der Nahrung
zugeführte Cholesterin selbst. Eine spanische Beobachtungsstudie (2) an
einem Kollektiv von über 14.100 gesunden Universitätsabsolventen konnte
auch in der Gruppe der Personen, die mehr als vier Eier pro Woche
verzehrten, kein erhöhtes KHK-Risiko feststellen. „Der Blick beim Essen
sollte daher nicht nur auf die einzelne Nahrungskomponente Ei fallen.
Vielmehr kommt es auf das Gesamternährungskonzept an“, gibt Prof. Gohlke
zu bedenken. „Dennoch kann man die neuerlichen Bedenken der US-
amerikanischen Kollegen nicht völlig außer Acht lassen.“
In einer schwedischen Studie (3) waren bis zu sechs Eier pro Woche nicht
mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall verbunden, bei
höherem Konsum nahm das Risiko jedoch zu. Das würde einer täglichen
Cholesterinzufuhr nur durch Ei-Konsum von 240 mg pro Tag entsprechen und
damit die Bedenken der neueren US-amerikanischen Studien gegen einen
„ungebremsten“ Cholesterinkonsum unterstützen. In diesen Studien geht es
allerdings um einen dauerhaft hohen Cholesterin- bzw. Eierkonsum und nicht
um den über einen kurzen Zeitraum zu Ostern erhöhten Cholesterin- bzw-
Eierkonsum. „Deshalb sollte man sich die Freude am Osterfrühstück auch
nicht durch ein schlechtes Gewissen verderben lassen.“

Wichtig: Ungesunde gesättigte Fette in Wurst, Speck & Co. vermeiden!
Die Auswirkung der Cholesterinzufuhr durch die Nahrung auf den
Cholesterinspiegel im Blutserum ist außerdem stark von der übrigen
Ernährung abhängig. Ein hoher Anteil an mehrfach ungesättigten Fetten in
der Ernährung reduziert die Cholesterinaufnahme. „Je höher jedoch der
Anteil der gesättigten Fette in der Nahrung ist, umso stärker fällt die
Cholesterinerhöhung aus. Außerdem verstärken die gesättigten Fette die
Gerinnungsaktivität im Blut. Dadurch begünstigen sie die KHK, Herzinfarkt
und Schlaganfall“, erläutert Gohlke. Gesättigte Fette verstecken sich in
erheblichen Mengen z. B. in Fleisch, Speck, Wurst, Schinken und
Schweineschmalz. Gesättigte Fette finden sich zwar auch in Milchprodukten,
z. B. Käse, aber die gesättigten Fette aus der Milch von Kühen, Schafen
und Ziegen werden als eher günstig beurteilt. Die Erkenntnisse der US-
Studie im JAMA (1) unterstreichen die Bedeutung der von den
kardiologischen Gesellschaften und der Herzstiftung empfohlenen
Mittelmeerküche (www.herzstiftung.de/Rezept-Tipps-Mittelmeerkueche) für
die Verbesserung der Prognose von Patienten mit KHK. Wer sich daher
herzgesund ernähren möchte, legt am besten die Betonung seiner Ernährung
auf Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Geflügel, Fisch, Hülsenfrüchte, Raps-
und Olivenöl (kein Kokosnuss- oder Palmöl) und Nüsse. Beobachtungsstudien
zeigen: Bei 200 g Obst und Gemüse pro Tag sinkt das Risiko für die
Arteriosklerose. 30–45 g Ballaststoffe aus Vollkornprodukten, Obst und
Gemüse sind wünschenswert. Auch Fisch (ca. 2-mal pro Woche) wirkt sich
günstig aus. Industrielle Transfette sind möglichst ganz zu vermeiden.

(*) Pro 300 mg Cholesterinzufuhr in Lebensmitteln pro Tag nahm das Risiko
für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um relative 17% (absolut: 3,24 %), das
Sterberisiko um relative 18% (absolut 4,43%) zu.

(1) Zhong Victor W et al., Associations of Dietary Cholesterol or Egg
Consumption With Incident Cardiovascular Disease and Mortality. JAMA.
2019;321(11):1081-1095

(2) Zazpe I et al., Egg consumption and risk of cardiovascular disease in
the SUN Project. Eur J Clin Nutr. 2011 Jun;65(6):676-82. doi:
10.1038/ejcn.2011.30. Epub 2011 Mar 23.

(3) Larsson SC et al., Egg consumption and risk of heart failure,
myocardial infarction, and stroke: results from two prospective cohorts
The American Journal of Clinical Nutrition, 102:1007–1013; November 2015

Cholesterin-Ratgeber: Worauf bei ungünstigen Cholesterinwerten zu achten
ist, mit welchen Cholesterinsenkern zu hohe Werte behandelt werden und wie
wichtig eine gezielte Ernährung ist, darüber informiert der kostenfreie
Ratgeber „Hohes Cholesterin: Was tun?“ (32 S.), erhältlich unter
www.herzstiftung.de/cholesterin-ratgeber.html oder per Tel. 069
955128-400.

Der Sonderdruck „Länger leben durch Mittelmeerküche: Traum oder
Wirklichkeit?“ (16 Seiten) von Prof. Dr. Helmut Gohlke (inkl. 5 Rezepte)
kann kostenfrei angefordert werden unter Tel. 069 955128400 oder per
E-Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. (Stichwort: Mittelmeerküche-
Sonderdruck).