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Entwicklung von Hautinfektionen

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Breitbandantibiotika begünstigen Wachstum resistenter Bakterien
Bakterielle Infektionen der Haut und des
Weichgewebes gehören weltweit zu den häufigsten Infektionen des Menschen.
Dazu gehören beispielsweise Erysipel (Wundrose), Phlegmone und Abszesse.
Sie sind in vielen Ländern der zweithäufigste Anlass für eine Verordnung
von Antibiotika. Die Haut bietet auf etwa 1,5 m2 eine große Angriffsfläche
für die verschiedensten Infektionserreger. Gleichzeitig ist die gesunde
Haut mit Billionen Bakterien, Milben und Pilzen besiedelt. Der Lebensraum
dieser Mikroorganismen oder deren Gene werden als Mikrobiom der Haut
bezeichnet.

Chronische Wunden und Infektionen
Mit zunehmendem Lebensalter treten häufiger chronische Wunden auf. Sie
sind eine häufige Ursache von bakteriellen Infektionen. Chronische Wunden
können sich aus kleinen oberflächlichen Läsionen wie nässendem
Hautausschlag (Impetigo) oder Fußpilz, aber auch aus schwerwiegenden
Verletzungen der Hautoberfläche entwickeln. Hauptsächlicher Erreger ist
das Bakterium Staphylokokkus aureus (S. aureus), der auch ein relevanter
Erreger lebensbedrohlicher systemischer Infektionen ist. In Europa liegt
die Anzahl der neu auftretenden Staphylokokkus aureus-bedingten Sepsen bei
ungefähr 200.000 pro Jahr.

Einsatz von Antibiotika bei Hautinfektionen
Da der Staphylokokkus aureus häufig in Haut- und Weichgewebeinfektionen
vorkommt, aber auch als kolonisierender Erreger in der Nase, hat das
Bakterium mit seiner Resistenz gegen Methizillin (sog. MRSA) und andere
Antibiotika eine besondere Bedeutung. Antibiotika sind durch ihre direkte,
kurative Wirkung auf die Infektionserreger aus der Behandlung von
Hautinfektionen nicht mehr wegzudenken. Gleichzeitig wirken sie jedoch
auch gegen andere, „nützliche“ Bakterien des Mikrobioms. „Ein unnötiger
Einsatz von Breitbandantibiotika bei Haut- und anderen Infektionen
begünstigt das Wachstum resistenter Bakterien in Geweben, die nicht von
einer Infektion betroffen sind, beispielsweise im Darm“, so Prof. Dr. Cord
Sunderkötter, Direktor der Klinik für Dermatologie und Venerologie am
Universitätsklinikum Halle. Die verordneten Antibiotika sollten daher so
gezielt und schmal wie möglich wirken und rechtzeitig, adäquat lang und in
ausreichend hoher Dosis eingesetzt werden. Um diesen Forderungen gerecht
zu werden, hat die Deutsche Gesellschaft für Dermatologie (DDG) an
entsprechenden Leitlinien mitgearbeitet. Auf der 50. Tagung der DDG vom 1.
bis zum 4. Mai 2019 in Berlin werden einige Empfehlungen thematisiert.

Anstieg der Skabies
Die Diagnose Skabies (Krätze) wird in Deutschland in den letzten Jahren
auffallend häufig gestellt. Auch der Verbrauch an Antiskabiosa ist
deutlich gestiegen. Da die Skabies in Deutschland nicht meldepflichtig
ist, können diese nicht bewiesen und genau quantifiziert werden. Die
Ausbreitung einer Skabies wird in vielen Teilen der Welt durch ein
Zusammenleben auf engem Raum bei mangelnden hygienischen Bedingungen
begünstigt. In Deutschland sind solche Verhältnisse nur selten
anzutreffen, daher müssen hier zusätzliche Gründe vorliegen. Eine
Expertengruppe hat mögliche Ursachen herausgearbeitet, bewiesen ist
bislang keine davon. Da Skabies unter anderem während Intimkontakten
übertragen wird, ist Promiskuität ein bekannter Risikofaktor für Skabies.
Ein Grund für den Anstieg könnte daher im Zusammenhang mit der wieder
ansteigenden Zahl von sexuell übertragbaren Infektionen gesehen werden.
Außerdem sind Kinder eine unterschätzte Infektionsquelle, denn bei ihnen
ist die Prävalenz tendenziell höher als bei Jugendlichen und Erwachsenen.
Sie weisen meist mehr Milben auf, werden dahingehend oft unzureichend
behandelt und haben untereinander und zu Familienangehörigen einen
intensiveren Körperkontakt. Durch Kinder könnte sich eine Skabies also
leichter weiterverbreiten. Um solche kausalen Beziehungen zu verifizieren
seien aufwendige epidemiologische Studien notwendig, so Prof. Dr.
Sünderkötter.

Resistenz gegen Antiskabiosa
Mit der Zunahme der Skabies gehen Beobachtungen einher, denen zufolge die
Milben gegenüber dem Antiskabiosum der ersten Wahl (Permethrin)
unempfindlicher geworden sein sollen. Für einen ausbleibenden
Therapieerfolg gäbe es drei mögliche Erklärungen: 1) eine fehlerhafte
Anwendung, 2) eine Re-Infestation (Re-Infektion) infolge der
ausgebliebenen, wichtigen Behandlung von Kontaktpersonen und 3) eine
tatsächliche Unempfindlichkeit von Skabiesmilben gegenüber bestimmten
Antiskabiosa. Während es für die ersten beiden Möglichkeiten Belege gibt,
ist eine Unempfindlichkeit von Krätzemilben methodisch schwierig
nachzuweisen (anders als bei den Antibiotikaresistenzen der Bakterien).

Prävention durch Impfen
Schließlich rät Prof. Sunderkötter zur konsequenten Infektionsvorbeugung
durch Impfen: „Impfungen sollten wann immer empfohlen und so früh wie
angegeben durchgeführt werden.“ Dazu gehöre auch die Impfung gegen
„Warzenviren“ (humane Papillomviren). Sie schützten auch vor bestimmten
Krebsformen, wie dem Gebärmutterhalskrebs und vor manchen Karzinomen am
Penis oder im Rachenraum. Seit dem 30. November 2018 ist die HPV-Impfung
auch für Jungen Bestandteil des Leistungskatalogs der gesetzlichen
Krankenkassen. Ein weiterer in diesem Jahr zugelassener und empfohlener
Impfstoff zielt auf die Vermeidung der schmerzhaften Gürtelrose (Herpes
zoster) ab.

Deutsche Dermatologische Gesellschaft
Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) ist die wissenschaftliche
Fachgesellschaft der deutschsprachigen Dermatologen mit mehr als 3.700
Mitgliedern. Sie ist gemeinnützig und fördert Wissenschaft und Forschung
auf dem Gebiet der Dermatologie und ihrer Teilgebiete. Die DDG bemüht sich
zudem um die Förderung der klinischen und praktischen Dermatologie,
Allergologie und Venerologie sowie ihrer konservativen und operativen
Teilgebiete. Hierzu dienen z. B. die Durchführung von wissenschaftlichen
Veranstaltungen, insbesondere von wissenschaftlichen Kongressen sowie die
Publikation von Tagungsberichten, die Anschubfinanzierung und Förderung
von Forschungsvorhaben. Darüber hinaus fördert die DDG nationale und
internationale Wissenschaftler sowie wissenschaftliche Einrichtungen im
deutschsprachigen Raum durch die Vergabe von Forschungsgeldern sowie
Stipendien.

Eröffnungsveranstaltung der 50. DDG-Tagung
Die Eröffnung der 50. Tagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft
zum Internationalen Tag der Hautgesundheit findet am 1. Mai 2019 von 18
bis 21 Uhr im Marshall Haus statt. Für weitere Auskünfte stehen die DDG-
Geschäftsstelle und die DDG-Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung.

Kongressprogramm
Das Kongress-Hauptprogramm ist abrufbar unter:
https://www.derma.de/fileadmin/derma/veranstaltungen/ddg-
tagungen/DDG2019_Hauptprogramm_Internet.pdf
oder als App kostenfrei erhältlich in jedem App Store:
https://www.derma.de/de/fuer-aerzte/50-ddg-tagung/programmapp/