Neue Therapiestrategien bei Hautkrebs in Deutschland
Vorstellung auf der 50. Tagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft
Berlin, 1. Mai 2019 – Aktuelle Statistiken des Robert Koch Institutes
zeigen, dass die Neuerkrankungszahlen von Hautkrebs in Deutschland
jährlich weiter ansteigen. Dies gilt sowohl für den sogenannten schwarzen
Hautkrebs (malignes Melanom) als auch für den hellen Hautkrebs
(Plattenepithelkarzinom und Basalzellkarzinom). Dennoch bleibt die
Sterberate (Mortalitätsrate) beim malignen Melanom der Haut stabil. Beim
sogenannten hellen Hautkrebs ist die Sterblichkeit sogar gesunken. Beides
ist ein Indiz dafür, dass die Hauttumore frühzeitiger und damit in einem
prognostisch günstigeren Stadium entdeckt werden. Zudem konnten
insbesondere beim schwarzen Hautkrebs, aber auch beim hellen Hautkrebs, in
den vergangenen zwei Jahren weitere therapeutische Fortschritte erzielt
werden. (Quelle: Krebs in Deutschland für 2013/2014, Robert Koch Institut
und Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V.,
2017:
https://www.krebsdaten.de/Kreb
Neue Therapiestrategien bei schwarzem Hautkrebs
Zu den wichtigsten Neuerungen in der Therapie von schwarzem Hautkrebs
zählt die Zulassung neuer adjuvanter Therapiestrategien bei einem
fortgeschrittenen Melanom. Adjuvante Therapien erfolgen im Anschluss an
die operative Entfernung des Primärtumors und sämtlicher Metastasen. Dies
bezieht sich vor allem auf die Tumorstadien III und IV. In diesen Stadien
hat der Patient zwar keine messbaren Metastasen mehr, aber ein extrem
hohes Risiko auf ein Rezidiv. Um einen solchen Rückfall (Rezidiv) zu
vermeiden, wurden zwei unterschiedliche Therapieprinzipien zugelassen und
in den Kliniken begonnen: Zum einen die Behandlung mit einem Antikörper
gegen das PD1-Molekül, der das körpereigene Immunsystem gegen den Tumor
mobilisiert. „Unsere dermatologischen Studien zeigen hier eine
50-prozentige Senkung des Rückfallrisikos bei unseren Patientinnen und
Patienten“, resümiert Prof. Dr. med. Alexander Enk. (Quelle für PD-1:
Adjuvant Nivolumab versus Ipilimumab in Resected Stage III or IV Melanoma,
Weber Jeffrey, N Engl J Med 2017,
https://www.nejm.org/doi/full/
Adjuvant Dabrafenib plus Trametinib in Stage III BRAF-Mutated Melanoma,
Georgina V. Long, N Engl J Med 2017,
https://www.nejm.org/doi/full/
Antagonisten reparieren Melanome
Eine weitere Therapiestrategie ist der Einsatz sogenannter MEK/BRAF-
Antagonisten bei bestimmten Mutationsmustern im Melanom. Über eine
molekulare Testung muss zunächst festgestellt werden, ob beim Patienten
eine entsprechende Mutation vorliegt. Die Antagonisten reparieren quasi
diese Mutationen. Auch hier wird das Rückfallrisiko der Patienten
erheblich gesenkt. Die Behandlung kann in Tablettenform erfolgen. Beide
Therapiestrategien sind ausgesprochen wirksam und stellen einen weiteren
therapeutischen Durchbruch bei der Behandlung von Patienten mit einem
malignen Melanom dar. Eine Weiterentwicklung dieser adjuvanten
Therapiestrategien sind die neoadjuvanten Strategien. Sie befinden sich
derzeit in klinischen Tests.
Neoadjuvante Strategien – Antikörper gegen Hautkrebs
Neoadjuvante Strategien kommen in fortgeschrittenen Tumorstadien zum
Einsatz. Hierbei wird ein Patient zunächst medikamentös mit den
Antikörpern gegen das PD1-Molekül und das CTLA4-Molekül behandelt. Erst im
Nachgang werden die gegebenenfalls noch vorhandenen Restbefunde des Tumors
operativ entfernt. Diese Behandlungsstrategie hat sich als günstiger
erwiesen. Denn sie wartet nach einer operativen Tumorbehandlung nicht erst
die Weiterentwicklung des Tumors oder die Bildung von Metastasen
(Tumorprogress) ab.
Innovative Therapien im fortgeschrittenen Tumorstadium
Vor allem für das Stadium IV (fortgeschrittenes Tumorstadium) sind derzeit
weitere moderne Therapien insbesondere im Sinne der neuen Antikörper-
Therapien, beispielsweise anti-LAG3, an den großen deutschen
Hauttumorzentren in der klinischen Prüfung.
Neue Perspektiven für die Risikogruppe der Outdoorworker
Nach der Anerkennung des Plattenepithelkarzinoms (heller Hautkrebs) als
Berufskrankheit bei den sogenannten Outdoorworkern werden zunehmend
Krankheitskosten durch die Berufsgenossenschaften übernommen. Für die
Behandlung stehen inzwischen neue Therapiemöglichkeiten auch für die
metastasierten Stadien des Plattenepithelkarzinoms zur Verfügung.
Ähnlich wie beim Melanom basieren die Therapien auf Antikörperstrategien
(PD1, PDL1). Sie sollen das körpereigene Immunsystem gegen die Tumorzellen
mobilisieren und damit helfen, auch metastasierte Tumoren zur Abheilung
oder unter Kontrolle zu bringen. Diese neuen Therapieansätze werden
derzeit in klinischen Studien weiter überprüft. „Wir rechnen mit einer
baldigen Zulassung einiger dieser Antikörper für die Behandlung des
metastasierten Plattenepithelkarzinoms“, hofft Prof. Dr. Enk.
Deutsche Dermatologische Gesellschaft
Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) ist die wissenschaftliche
Fachgesellschaft der deutschsprachigen Dermatologen mit mehr als 3.700
Mitgliedern. Sie ist gemeinnützig und fördert Wissenschaft und Forschung
auf dem Gebiet der Dermatologie und ihrer Teilgebiete. Die DDG bemüht sich
zudem um die Förderung der klinischen und praktischen Dermatologie,
Allergologie und Venerologie sowie ihrer konservativen und operativen
Teilgebiete. Hierzu dienen z. B. die Durchführung von wissenschaftlichen
Veranstaltungen, insbesondere von wissenschaftlichen Kongressen sowie die
Publikation von Tagungsberichten, die Anschubfinanzierung und Förderung
von Forschungsvorhaben. Darüber hinaus fördert die DDG nationale und
internationale Wissenschaftler sowie wissenschaftliche Einrichtungen im
deutschsprachigen Raum durch die Vergabe von Forschungsgeldern sowie
Stipendien.
