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Notwendigkeit und Bedeutung der Proktologie in der Dermatologie

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Die Folge von Wartezeiten in der Hautarztpraxis für die Proktologie

Berlin, 1. Mai 2019 – Die Dermatologie ist ein Fachbereich mit
vielfältigen Überlappungen in andere medizinische Bereiche. Die Kompetenz
von Hautärztinnen und Hautärzten liegt im Verständnis der Pathogenese, in
der Diagnostik und Behandlung der Haut sowie von sexuell übertragbaren
Erkrankungen.

Grenzen und Auswirkungen der Selbstmedikation
Im anogenitalen Bereich (After und Geschlechtsteile) kann diese
Beurteilung aufgrund der speziellen Terrainbedingungen zur diffizilen
Herausforderung werden. Denn durch die lokale Feuchtigkeit stellen sich
klassische Dermatosen in Struktur und Form etwas anders dar. Zudem
verzögert sich der Zeitpunkt der ärztlichen Vorstellung durch das
Schamgefühl der Patientinnen und Patienten. Die Betroffenen wenden
zunächst verschiedenste „Hausrezepte“ an, die das Krankheitsbild häufig
negativ beeinflussen. All dies beeinflusst das klinische Bild, sodass
andere ärztliche Disziplinen auf die dermatologische Expertise angewiesen
sind.

Fächerübergreifende Proktologie
Die meisten proktologischen Symptome sind direkt oder indirekt auf
Hautveränderungen zurückzuführen, deren Verursachung auch der
chirurgischen oder internistischen Beurteilung und Therapie bedarf. „Die
Kenntnis der anatomischen Verhältnisse, der Krankheitsbilder und vor allen
die Fähigkeit, mittels proktologischer Untersuchungen die Ursachen
voneinander abzugrenzen und Ko-Faktoren zu berücksichtigen, wird von den
Dermatologinnen und Dermatologen erwartet“, berichtet Dr. med. Gerhard
Weyandt, Chefarzt und Leiter des Hautkrebszentrums am Klinikum Bayreuth.

Kernkompetenz der Dermatologie
Auf dem Gebiet der Proktologie kann die Dermatologie ihre Kernkompetenz
beweisen, indem sie auch bei multifaktoriellen Krankheitsbedingungen,
neben der korrekten Diagnosestellung, durch eine differenzierte lokale und
gegebenenfalls systemische Behandlung Abheilung und Beschwerdefreiheit
erzielt.

Folge von Wartezeiten in der Hautarztpraxis für die Proktologie
Die aktuellen dermatologischen Versorgungsstrukturen bringen für
Patientinnen und Patienten mit proktologischen Beschwerden häufig lange
Wartezeiten mit sich, die dem raschen Verlauf der Krankheitsbilder nicht
gerecht werden. Als Begründung wird der hohe zeitliche und instrumentelle
Aufwand für proktologische Untersuchungen bei unzureichender Vergütung
genannt. Die Ausrichtung auf alternative dermatologische Schwerpunkte in
der Weiterbildung und mangelnde Erfahrung bedingen zudem ein reduziertes
Leistungsangebot von Hautarztpraxen für eine gesamtproktologische
Beurteilung. Dies alles führt dann zu einer Weiterüberweisung an
chirurgische oder internistische Fachkolleginnen und Fachkollegen, denen
in Folge auch die Diagnostik und Therapie des dermatologischen
Krankheitsbildes überlassen werden.
Mit der Zeit führt diese Entwicklung unweigerlich zum Verlust eines
Kompetenzanspruchs des dermatologischen Fachgebietes im Teilbereich
Proktologie und im nächsten Schritt konsequenterweise zum Verlust des
Teilgebietes. In der Deutschen Gesellschaft für Koloproktologie machen
sich bereits heute chirurgische, internistische und gynäkologische
Fachkolleginnen und Fachkollegen zu Sachwaltern dermatologischer
Problemstellungen. „Sollten solche Tendenzen auch andere Teilgebiete der
Dermatologie erfassen, so würde dies einem sukzessiven Rückzug unseres
Faches aus der medizinischen Versorgung gleichkommen und irgendwann die
Frage nach Notwendigkeit und Bedeutung des Faches Dermatologie im
gesamtmedizinischen Kontext stellen“, befürchtet Dr. Weyandt. Eine
Entwicklung, die durch gute Weiterbildung und damit Kompetenzzuwachs sowie
der Förderung des Interesses an der Proktologie zu vermeiden sei.

Deutsche Dermatologische Gesellschaft
Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) ist die wissenschaftliche
Fachgesellschaft der deutschsprachigen Dermatologen mit mehr als 3.700
Mitgliedern. Sie ist gemeinnützig und fördert Wissenschaft und Forschung
auf dem Gebiet der Dermatologie und ihrer Teilgebiete. Die DDG bemüht sich
zudem um die Förderung der klinischen und praktischen Dermatologie,
Allergologie und Venerologie sowie ihrer konservativen und operativen
Teilgebiete. Hierzu dienen z. B. die Durchführung von wissenschaftlichen
Veranstaltungen, insbesondere von wissenschaftlichen Kongressen sowie die
Publikation von Tagungsberichten, die Anschubfinanzierung und Förderung
von Forschungsvorhaben. Darüber hinaus fördert die DDG nationale und
internationale Wissenschaftler sowie wissenschaftliche Einrichtungen im
deutschsprachigen Raum durch die Vergabe von Forschungsgeldern sowie
Stipendien.