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Umfrage zur Situation von Krankenhausapothekern: „Wir benötigen mehr Daten über die Arbeit auf Intensivstationen“

Heike Hilgarth  Torben Brinkema
Heike Hilgarth Torben Brinkema
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Heike Hilgarth  Torben Brinkema
Heike Hilgarth Foto Torben Brinkema

„Wir benötigen mehr Apotheker auf den Intensivstationen!“ Das fordert
Heike Hilgarth, Apothekerin und Arzneimittelexpertin am
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Im internationalen Vergleich sind
in Deutschland relativ wenig Apotheker in Krankenhäusern beschäftigt.
Dabei könne ein Stationsapotheker für mehr Sicherheit bei der
Patiententherapie sorgen.

Um die Situation der Krankenhausapotheker in Deutschland erstmals valide
darzustellen, startet Heike Hilgarth jetzt zusammen mit der Deutschen
Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und
dem Bundesverband deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) eine Umfrage unter
den ärztlichen Leitern der Intensivstationen in deutschen Kliniken. Im
Interview spricht die Apothekerin über die Ziele und die Bedeutung der
Umfrage, bessere Behandlungsansätze sowie die fachliche Unterstützung für
Chef- und Oberärzte.

Frau Hilgarth, Sie machen eine Umfrage auf Intensivstationen in deutschen
Kliniken zu Apothekern. Warum?

In internationalen Untersuchungen haben Apotheker gezeigt, dass sie einen
wichtigen Beitrag zur Arzneimitteltherapie- und Patientensicherheit und
dies insbesondere bei Intensivpatienten leisten können. Diese bekommen
sehr viele Medikamente verordnet, haben häufig Organinsuffizienzen –
befinden sich also insgesamt in einer sehr schwierigen Situation.
Apotheker können durch Bereitstellung von Information und Vermeidung von
unerwünschten Ereignissen nachweislich zum Behandlungserfolg beitragen.
Ziel ist es, den Grad der Stationstätigkeit von Apothekern in Deutschland
mit dieser repräsentativen Umfrage zu erfassen.

Worum geht es in Ihrer Umfrage konkret?

In der Umfrage wollen wir feststellen, inwiefern in Deutschland Apotheker
Bestandteil des interprofessionellen Teams der Intensivstation sind und
welche Aufgaben sie übernehmen. Falls noch kein Apotheker im Team ist,
wollen wir von den ärztlichen Leitern der Intensivstationen wissen, in
welchen Bereichen sich die Kliniker eine Unterstützung durch
Stationsapotheker wünschen.

Warum befragen Sie insbesondere die ärztlichen Leiter der
Intensivstationen?

Natürlich wollen wir mehr Apotheker auf den Stationen sehen und richten
uns daher direkt an die Verantwortlichen. Es gibt ausreichend Evidenz für
die Vorteile, einen Apotheker auf der Intensivstation zu beschäftigen.
Auch Chefärzte können sich sicher an immer wieder auftretende Fragen und
Probleme im Zusammenhang mit der Arzneimitteltherapie erinnern. Apotheker
auf der Station vermitteln Wissen zur Arzneimitteltherapie, beraten zu
individuellen Therapiekonzepten und gewährleisten so eine gesicherte
Qualität in der Arzneimittelverordnung.

Warum gab es bisher so eine Erhebung noch nicht?

Die Klinische Pharmazie hat sich in Deutschland erst in den vergangenen
fünfzehn Jahren deutlich weiterentwickelt. Das Studium legt heute einen
größeren Fokus auf die Klinische Pharmazie und vermittelt so wichtige
Inhalte für die Arbeit auf der Station. Immer mehr Apotheker sind in den
vergangenen Jahren schon auf den Stationen in Deutschland tätig geworden.
Diese Entwicklung wollen wir mit den Daten aus der Erhebung unterstützen.
Wir benötigen insgesamt mehr Daten über die Arbeit von Apothekern auf
Intensivstationen.

Welchen Vorteil hat ein Patient konkret von mehr Apothekern auf den
Stationen?

Nachgewiesenermaßen gibt es umfangreiche Studien, die untersucht haben,
dass die Patientensicherheit dadurch steigt. Heißt: Sie haben weniger
Nebenwirkungen, weniger Medikamenteninteraktionen, sie kriegen die
richtige Dosierung angepasst an ihre Organinsuffizienz, die sie vielleicht
haben. Wir helfen bei der Medikationsanamnese der Patienten, wir beraten
die Ärzte bei der Therapieentscheidung, wir sind für die Pflege da
hinsichtlich der Applikation der Medikamente und wir sind für die
Arzneimittelinformation zuständig. Insgesamt stellt das eine Optimierung
der Therapie für den Patienten dar. Unsere Leistungen sind also ein Gewinn
für alle Seiten: Patient, Arzt und Pflege.

Was glauben Sie, wie viel Apotheker in deutschen Kliniken benötigt werden?

Wir wissen aus internationalen Vergleichen, dass wir sehr wenig Apotheker
einsetzen: Hierzulande sind es 0,4 Apotheker pro 100 Betten. In
Großbritannien sind es zum Beispiel 4,5 Apotheker pro 100 Betten.

Warum schneiden wir hierzulande so schlecht ab?

Die Finanzierung von zusätzlichen Stellen ist oft komplex. Ein wichtiger
Schritt stellt die Änderung des Krankenhausgesetzes in Niedersachsen dar.
Demnach müssen Stationsapotheker in allen Krankenhäusern beschäftigt
werden. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Risikobereichen. Auch müssen
wir Apotheker im Team Verantwortung für die individuelle
Arzneimitteltherapie der Patienten auf den Stationen übernehmen.