Sensoren sind der Schlüssel für die digitale Krankenhauswelt von morgen!

Das COMPAMED Innovationsforum am 10. Juli am Helios Klinikum in Krefeld
fokussierte Hightech-Lösungen für Krankenhäuser. Unter neuem Konzept
brachte das diesjährige Forum die Hersteller und Entwickler technischer
Lösungen direkt in den Dialog mit den Anwendern der Endprodukte.
Hightech-Medizintechnik muss für den realen Bedarf des Fachpersonals
konzipiert sein
Nicht ausreichend kompakt, nicht flexibel genug, zu wertvoll, nicht
sinnvoll in den Betriebsablauf auf den Stationen zu integrieren – die
Mängelliste der Anwender hinsichtlich Medizintechnikprodukten scheint
lang. Schon die einleitende Diskussion zeigte, dass insbesondere Hightech-
Medizintechnik viel zu oft am realen Bedarf des Fachpersonals
vorbeientwickelt wird.
Franziska Niederschelp vom Helios Klinikum stellte die
Digitalisierungsmaßnahmen und Fortschritte innerhalb der Helios-Gruppe
vor. Dem Thema Sprachassistenz für Arztbriefe und Aktenführung kommt hier
künftig eine besondere Bedeutung zu. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf
den Patientendaten aus Medizingeräten, Laboren und von der Station, die
automatisiert gebündelt und digital zusammengeführt werden müssen.
Anästhesist, Intensiv- und Notfallmediziner Dr. Jens Ebnet sensibilisierte
für die besonderen Anforderungen, denen sich Medizintechnik in
Akutsituationen gegenübergestellt sieht. Da Risiken hinsichtlich der
Akzeptanz, auch aufgrund von Gewissenskonflikten, entstehen können, ist es
notwendig, Fachärzte in die Entwicklung von automatisierten,
datenverarbeitenden Medizingeräten ausreichend einzubeziehen. Am Beispiel
seines eigens entwickelten „Swordcath“, eines intuitiven Systems für die
Blutkathederanlage, kritisierte er ebenfalls regulatorische Hürden und
mangelnde politische Unterstützung für KMU.
Dass es durchaus Möglichkeiten zur Unterstützung und finanzieller
Förderung innovativer Konzepte und Ideen gibt, stellte Maren Geissler vom
Helios Center for Research and Innovation aus Wuppertal vor.
Sensoren ermöglichen Anwendungen für verbesserte Patientenversorgung
Die zweite Session thematisierte Technologien, die innovative
Möglichkeiten für Anwendungen in Diagnose und Therapie bieten können. Das
CSEM aus der Schweiz hat ein optisches Verfahren entwickelt, um Blutdruck
zuverlässig zu kontrollieren. Die Anwendung ist mittels des Lichts der
Kamera eines handelsüblichen Smartphones per App möglich. Eike Kottkamp
von InnoME erläuterte die Vorteile von Einweg-Sensorik-Produkten: Bei
Einsatzgebieten, in denen nicht im Hochpräzionsbereich gemessen werden
muss, können Einweg-Sensoren attraktive Alternativen zu aufwändigen und
teuren Sterilisationsprozessen sein und neue Anwendungsfelder ermöglichen,
beispielsweise unter Wundverbänden. Dr. Dirk Janasek vom ISAS.e.V. stellte
ein innovatives Verfahren für einen zuverlässigen Test auf die
Bluterkrankheit vor. Michael Görtz vom Fraunhofer IMS erläuterte, wie
Sensor-Implantate in der Lage sind, z.B. Blutdruck, Augen-Innendruck,
Hirndruck kontinuierlich zu überwachen und Therapiemaßnahmen zu
unterstützen. Dr. Heike Kreher von Micronit erläuterte unter anderem, wie
ein mikrofluidischer Chip z.B. einen Subtyp von Leukämie mittels
Schnelltest ermitteln kann und eine zeitnahe Therapiemaßnahme für den
Patienten möglich macht.
Regelmäßige Kommunikation zwischen Anwendern und Herstellern ist
essentiell
Ein weiterer großer Themenaspekt war die Vorstellung und Diskussion von
Weiterentwicklungen bereits marktfähiger und – auch in Krefeld vor Ort –
erfolgreich eingesetzter Produkte. Die Bandbreite umfasst smarte
Hausnotrufsysteme von der easier Life GmbH, die WLAN-Anbindung von
medizintechnischen Geräten, ein hausinternes Logistik-System für die
automatische Vorbereitung der Medikamentendosen für stationäre Patienten,
ein Infrarot-basiertes System zur diskreten Raumüberwachung in Hinblick
auf sturzgefährdete Patienten, innovative Visitenwagen für
Krankenhauspersonal und Robotik-Systeme zur Unterstützung von
Querschnittsgelähmten, aber auch von Pflegepersonal beim Tragen von
schweren Lasten.
Die regen und produktiven Diskussionen zwischen den Vorträgen und zum
Abschluss verdeutlichten den enormen Bedarf an Kommunikation zwischen
Anwendern und Herstellern.
