Nephrologen fordern schnelle Behebung der Lieferengpässe bei Hepatitis B-Impfstoff
Aktuell beklagen Nephrologen Einschränkungen in der adäquaten Versorgung
ihrer Patienten wegen der seit längerem bestehenden Lieferengpässe bei
Impfstoffen gegen Hepatitis B. Die Gründe des Mangels sind für Ärzte und
Patienten schwer nachvollziehbar. Die DGfN befürchtet, dass solche
Engpässe die ohnehin bestehende Impfmüdigkeit vieler Patienten verstärkt
und fordert das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) auf, sich dieses
Problems nachhaltig anzunehmen, damit für nierenkranke Patienten
empfohlene Impfstoffe ohne Unterbrechungen verfügbar sind.
Infektionen mit Hepatitis-B-Viren (HBV) gehören weltweit zu den häufigsten
Infektionskrankheiten. Die Erkrankung ist bei 90 % der betroffenen
Erwachsenen mit einer Gelbsucht verbunden, ca. 10 % der Infektionen
chronifizieren, was zu Komplikationen wie Leberzirrhose und Leberzellkrebs
führen kann. Bei etwa einem Prozent der Erwachsenen endet die Krankheit
tödlich. Eine medikamentöse Therapie – vor allem der chronischen Form –
ist schwierig, wohingegen eine Impfung einen guten Schutz bietet und viel
Leid erspart. Patienten, die häufig Blutprodukte erhalten oder
dialysepflichtig sind, stellen grundsätzlich eine gefährdete
Personengruppe dar. Bei diesen Patienten ist das Immunsystem geschwächt,
so dass das Infektionsrisiko trotz individueller Unterschiede allgemein
als erhöht einzustufen ist.
Um einer Infektion vorzubeugen, hat die Prävention von Erkrankungen, gegen
die es Impfstoffe gibt, bei diesen Personen eine hohe Relevanz. Deshalb
ist die Impfung gegen Hepatitis B für Patienten mit chronischer
Nierenkrankheit/Dialysepflicht in der Empfehlung der Ständigen
Impfkommission am Robert Koch Institut (STIKO) enthalten und wird auch von
den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Die Grundimmunisierung besteht aus
drei Impfungen und sollte nach 10 Jahren aufgefrischt werden. Für die
Impfung von Dialysepatienten sind Hepatitis-B-Impfstoffe mit erhöhter
Antigenkonzentration zugelassen. Eine Anti-HBs-Kontrolle sollte 4–8 Wochen
nach Abschluss der Impfserie erfolgen. Da es bei Dialysepatienten zu einem
raschen Verlust des Impfschutzes kommen kann, wird eine jährliche
Kontrolle der Anti-HBs-Spiegel empfohlen. Bei Werten <100 IE/l sollte eine
sofortige Auffrischung erfolgen [1].
Aktuell verweisen die Herstellerfirmen auf Lieferengpässe der für
nierenkranke Patienten empfohlenen Impfstoffe HBVaxPro, der
voraussichtlich erst ab Januar 2020 wieder verfügbar sein wird, und
Fendrix Injektionssuspension, dessen Wiederverfügbarkeit in Kürze erwartet
wird. Als jeweils alternative Impfoption wird Engerix-B-Erwachsene
aufgeführt [2]. Dieser Impfstoff hat allerdings keine spezielle Empfehlung
für Personen, die an einer Niereninsuffizienz leiden (einschließlich
Hämodialysepatienten).
Die Gründe für Engpässe sind vielfältig: erhöhte Nachfrage, Grundstoff-,
Herstellungsprobleme oder die Verlagerung von Produktionsstandorten aus
wirtschaftlichen Gründen. „Wie auch immer, es muss dafür gesorgt werden,
dass der Impfschutz der Bevölkerung und besonders der vulnerablen
Patientengruppen gewährleistet ist“, fordert DGfN-Präsident Professor Dr.
Andreas Kribben. Es sei durch gesetzliche Maßnahmen oder über andere
geeignete Hebel sicherzustellen, dass es zu keinen Komplettausfällen
kommt. „Wir erwarten, dass das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) die
‚Strategie zur Eindämmung von HIV, Hepatitis B und C und anderen sexuell
übertragbaren Infektionen (STI) bis 2030‘ [3] mit dem Ziel der
nachhaltigen Eindämmung dieser Infektionskrankheiten mit geeigneten
Regelungen umsetzt“, erklärt Prof. Kribben und fügt hinzu: „Angesichts
einer zunehmend zu beobachtenden Impfskepsis bzw. Impfmüdigkeit und
bestehenden Informationsdefiziten zum Impfschutz sollte auch der
Aufklärung mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Aber wenn das
funktioniert und die Bereitschaft zur Impfung geweckt ist, muss der
Impfstoff natürlich auch verfügbar sein“, so Kribben. Die DGfN appelliert
an die Politik, dafür Sorge zu tragen, und regt an, eine verantwortliche
behördliche Stelle einzurichten, die die Aufgabe hat, Impfstoff- und
Medikamentenengpässen entgegenzuwirken. „Lieferengpässe von Impfstoffen
und Medikamenten stellen ein zunehmendes Problem dar, das die Versorgung
der Patienten gefährdet“, so Prof. Kribben.
[1]
https://www.rki.de/DE/Content/
[2] https://www.gelbe-liste.de/lie
hbvaxpro-40-mikrogramm)
[3] Bundesministerium für Gesundheit, Bundesministerium für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Strategie zur Eindämmung
von HIV, Hepatitis B und C und anderen sexuell übertragbaren Infektionen.
Bis 2030 - Bedarfsorientiert Integriert Sektorübergreifend 2016
