Zum Hauptinhalt springen

Deutscher Lungentag: Einfluss des Klimawandels auf Lungenerkrankungen

Pin It

Lungenkranke Patienten sind besonders anfällig für direkte und indirekte
Effekte des Klimawandels. Extreme Hitzewellen, längere Dürreepisoden im
urbanen Raum kombiniert mit Luftbelastung durch Abgase aus Industrie,
Landwirtschaft und Verkehr zählen zu den Auswirkungen des Klimawandels mit
direkten gesundheitlichen Effekten. Dabei entfalten die schädigenden
Einflüsse ihre Wirkung an der Lunge und erhöhen vornehmlich die klinische
und funktionelle Verschlechterung vorbestehender kardiorespiratorischer
Krankheiten. Die Lunge kann deshalb als Portalorgan für die Auswirkungen
des Klimawandels gesehen werden, stellt Prof. Christan Witt, Berlin,
anlässlich des diesjährigen 22. Dt. Lungentags fest.

Der Klimawandel wird mit der aktuellen Messung von nationalen und
internationalen Hitzerekorden spürbar. Für lungenerkrankte Patienten
stellen diese Entwicklungen ein Alarmsignal dar, denn es konnte in vielen
Studien gezeigt werden, dass sie besonders anfällig für direkte und
indirekte Effekte des Klimawandels sind. In vielen epidemiologischen
Studien wurde insbesondere ein Zusammenhang zwischen steigenden
Temperaturen und einer höheren Sterblichkeit aufgezeigt. Dies gilt
insbesondere für vulnerable Gruppen wie Ältere (1 Grad Erwärmung führt zu
3,6% Mortalitätssteigerung durch pulmonale Krankheiten in Europa, bei
Senioren sind es bis zu 6,4 %). Viele schädigende Einflüsse des
Klimawandels entfalten ihre Wirkung an der Lunge und erhöhen vornehmlich
die klinische und funktionelle Verschlechterung vorbestehender
kardiorespiratorischer Krankheiten. Die Lunge kann deshalb als Portalorgan
für die Auswirkungen des Klimawandels gesehen werden.

Zu den Entwicklungen mit direkten gesundheitlichen Effekten zählen zum
Beispiel extremere Hitzewellen, längere Dürreepisoden (Trockenheit), im
urbanen Raum (urban heat island) kombiniert mit Luftbelastung durch Abgase
(Industrie, Landwirtschaft, Verkehr. Nach dem Air Report 2016 werden ca.
80.000 vorzeitige Todesfälle auf die Feinstaubbelastung zurückgeführt.

Besonders chronisch Kranke spüren die Auswirkungen eines
Temperaturanstiegs. Ein Temperaturanstieg um ca. 10 Grad erhöht die
Krankenhauseinweisungen um ca. 5%. Der Effekt ist in kälteren Gegenden
stärker als in ohnehin warmen Regionen, wie z. B. Texas. Das spricht für
unterschiedliche Adaptationen an die sich verändernden Umwelten. Kritisch
ist im Kontext des Klimawandels die zunehmende Urbanisierung und der
demographische Wandel zu sehen, da in Stadtgebieten die Belastung durch
beides, die Erwärmung (urban heat island) und die lokale Luftbelastung an
den Hauptstraßen (ca. 370.000 Betroffene in Deutschland) höher ist. In
Berlin sind die Temperaturen in der Stadtmitte bis zu 8 ° C höher, als im
Umland.

In der Forschung untersuchen wir an der Charité die Wirkung von
hochmodern-klimatisierten Krankenzimmern auf die Genesung der
hospitalisierten Patienten in Wärmephasen. Erste Ergebnisse sprechen für
eine schnellere Mobilisierung der Patienten in den klimatisierten
Krankenzimmern. In der Zukunft ist mehr Forschung nötig, um die
vulnerablen Gruppen zu identifizieren und Optionen für
Adaptationsstrategien (z. B. Klimazimmer in der Charité) zu entwickeln.
Das gilt auch für eine mögliche klimaadaptierte Arzneimitteltherapie.

Der Deutsche Lungentag ist gemeinsame Initiative verschiedener
pneumologischer Fachgesellschaften und Patientenorganisationen. Ziele der
Kooperationspartner sind die öffentliche Darstellung des Fachgebietes
„Atemwegs- und Lungenkrankheiten“, die Förderung der Selbsterkennung von
Symptomen von Atemwegs- und Lungenerkrankungen durch Betroffene sowie die
Stärkung von Forschung und Lehre im Fachgebiet “Pneumologie”. Mit einer
jährlichen Zentralveranstaltung und vielen regionalen
Informationsveranstaltungen wollen die Initiatoren die Öffentlichkeit für
die gesundheitlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen von Atemwegs- und
Lungenkrankheiten sensibilisieren und Möglichkeiten von Vorbeugung,
Diagnose und Therapie auf aktuellem wissenschaftlichen Stand aufzeigen.