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Salzkuss war gestern! Ein Tropfen Blut hilft heute, die Erbkrankheit Mukoviszidose früh zu erkennen

Gruppenbild: Preisträger PD Dr. Sommerburg (Mitte) mit Vorsitzendem der Stiftung Kindergesundheit Prof. Dr. Koletzko (rechts)  Foto: DGKJ\Hauss
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Gruppenbild: Preisträger PD Dr. Sommerburg (Mitte) mit Vorsitzendem der Stiftung Kindergesundheit Prof. Dr. Koletzko (rechts)  Foto: DGKJ\Hauss
Gruppenbild: Preisträger PD Dr. Sommerburg (Mitte) mit Vorsitzendem der Stiftung Kindergesundheit Prof. Dr. Koletzko (rechts) Foto: DGKJ\Hauss

Wenn früher ein Kuss auf die Stirn eines
Säuglings salzig schmeckte, ahnten unsere Vorfahren, dass das Kind nicht
mehr lange leben würde. Der salzige Schweiß des Babys zeigte die tödliche
Krankheit Mukoviszidose an. Das ist lange her: Die Früherkennung läuft
heute völlig anders.

Weil Dr. Olaf Sommerburg mit wissenschaftlichen Studien über ein neues
Testverfahren maßgeblich Anteil daran hat, die frühen Diagnose-
Möglichkeiten für diese Krankheit in Deutschland verbessert zu haben,
verleiht ihm die Stiftung Kindergesundheit den Meinhard von Pfaundler-
Preis.

Die Mukoviszidose (von lateinisch mucus = Schleim, viscidus = zähflüssig,
klebrig) gehört zu den häufigsten Erbkrankheiten in Deutschland: Jedes
Jahr werden in Deutschland etwa 150 bis 200 Kinder mit der Krankheit
geboren. Ein Fehler im Erbgut der Betroffenen verursacht die Bildung zähen
Schleimes, der die Lunge verstopft. Auch andere Organe wie Leber und Darm,
Schweiß- und Tränendrüsen sind betroffen. Das Kind leidet schon als
Säugling unter quälendem Husten. Man kann aber den Gendefekt nutzen, um
die Krankheit mittels Gentest sicher zu erkennen. So kann man die
Krankheit behandeln, bevor sie vollständig ausbricht. Ein Tropfen Blut
reicht aus, um bereits bei Neugeborenen kurz nach der Geburt die Krankheit
zu erkennen. In Deutschland möchte man bei einer solchen Suche aber
gesunde Kinder, die lediglich Anlageträger für diese Krankheit sind, nicht
finden. Der Heidelberger Kinder- und Jugendarzt PD Dr. Olaf Sommerburg hat
mit seinem Team umfassend an diesem Testverfahren geforscht, um diese
Bedingung zu erfüllen. Zugleich hat er sich dafür eingesetzt, dass neue
Test in eine kostenfreie Früherkennungs-Untersuchung eingehen konnte, die
heute allen Familien mit Neugeborenen in Deutschland zur Verfügung steht.
Zwei Millionen Neugeborene wurden bisher mit der neuen Methode untersucht.
Bei zirka 500 von ihnen wurde dadurch die folgenreiche Erbkrankheit gleich
in den ersten Lebenstagen erkannt.

„Durch Früherkennung und moderne Behandlung hat die Mukoviszidose einen
Teil ihres Schreckens verloren. Viele Betroffene könnten heute bei früher
Diagnose und optimaler Behandlung fast ein normales Lebensalter
erreichen.”, sagt Dr. Olaf Sommerburg vom Universitätsklinikum Heidelberg.
Der Gründer und Vorstand der Stiftung Kindergesundheit Prof. Dr. Berthold
Koletzko unterstreicht bei der Preisverleihung: „Genau diese frühe
Erkennung ist es, die eine sofortige Hilfe ermöglicht. Ohne diese frühe
und genaue Vorsorge durchlebten sowohl Kinder als auch Familien lange und
einschneidende Leidenswege. Heute kann die Kinder-und Jugendmedizin
schneller und effektiver reagieren.“

Die Preisverleihung fand am 14.09.2019 im Rahmen der Jahrestagung der
Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin in München statt.

Zum Meinhard von Pfaundler-Preis für Pädiatrische Prävention:

Mit diesem Preis werden Wissenschaftler ausgezeichnet, die durch ihre
Arbeit die Prävention im Kinder- und Jugendalter in Deutschland maßgeblich
vorangetrieben haben. Preisträger des Meinhard von Pfaundler-
Präventionspreises haben neue Notwendigkeiten zur Gesundheitsförderung
erkannt und adäquate Präventionsstrategien mitentwickelt. Sie haben
überzeugende wissenschaftliche Beweise dafür vorgelegt, dass die
Prävention im frühen Kindesalter zu einem guten Start ins Leben beitragen
kann.

Zum Namensgeber:

Prof. Meinhard von Pfaundler war eine außergewöhnliche Persönlichkeit in
der Kinder- und Jugendmedizin. Schon mit 34 Jahren übernahm er 1906 die
Leitung der Münchner Universitäts-Kinderklinik, die heute als Dr. von
Haunerschen Kinderspital Teil der Ludwig Maximilians Universität München
ist. Von Pfaundler bestimmte als Forscher und Arzt die Geschicke der
Klinik bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1939. Er erbrachte wichtige
Beiträge zur Systematisierung und Neuorientierung der deutschen Pädiatrie.
Als Hochschullehrer prägte er eine neue Generation von Pädiatern. Er war
Mitbegründer der „Zeitschrift für Kinderheilkunde“ und des „Zentralblatts
für die gesamte Kinderheilkunde“ sowie Schriftleiter der „Ergebnisse der
Inneren Medizin und Kinderheilkunde“. Die Stiftung Kindergesundheit
erinnert mit dem Meinhard von Pfaundler Preis für Pädiatrische Prävention
an den berühmten Kinderarzt.