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World Health Summit: Wie Mikrobiomforschung die Medizin verändert

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Der menschliche Körper beherbergt unzählige Ökosysteme. Lebensumstände und
Gewohnheiten prägen diese mikrobielle Artenvielfalt, die Mikroben wiederum
prägen unser Wohlbefinden. Auf dem World Health Summit skizzieren
internationale Mikrobiomforschende, was ihre Erkenntnisse zur Medizin der
Zukunft und zu einer präventiven Gesundheitspolitik beitragen können.

Mehr Fertigprodukte, mehr Zucker, mehr Fett: Wo sich ein westlicher
Lebensstil durchsetzt, sind auch mehr Menschen von Stoffwechsel- und
Entzündungskrankheiten betroffen. „Das sehen wir zum Beispiel in Indien
und im Nahen Osten, aber auch in der zweiten Einwanderergeneration in
Großbritannien“, sagt MDC-Forscherin Dr. Sofia Forslund, die beim World
Health Summit am 27. Oktober den Workshop „How Microbial Research is
Changing Medicine“ leitet. „Eine veränderte Zusammensetzung der
Mikroorgansimen im Darm beeinflusst diese Erkrankungen. Es gibt immer mehr
Hinweise darauf, dass eine traditionelle Ernährung mit Probiotika oder
Ballaststoffen davor schützen könnte. Diese Traditionen laufen aber
Gefahr, verloren zu gehen – mit verheerenden Folgen.“ Dies sei nur ein
Beispiel dafür, warum wir menschliche Mikrobiota besser verstehen und die
Forschungsergebnisse in die Medizin und präventive Gesundheitspolitik in
Ost und West, Nord und Süd übertragen sollten, sagt sie.

Alle Schleimhäute – unter anderem im Darm, im Mund, den Atemwegen und im
Urogenitaltrakt – beherbergen komplexe mikrobielle Ökosysteme. Diese
Mikrobiome unterscheiden sich von Mensch zu Mensch, bleiben aber im Laufe
eines Lebens recht stabil. Sie entstehen früh und spielen eine
entscheidende Rolle dabei, wie Menschen Nährstoffe verarbeiten, vor
Krankheitserregern geschützt sind und wie sich das Immunsystem entwickelt.
Die Evolution lehrte den Menschen und Mikrobiota sich gegenseitig zu
beeinflussen, unter anderem über Signalwege des Immunsystems und der
Metaboliten. Ernährungsweisen, Stress, Antibiotika-Behandlungen,
Infektionen und andere Faktoren können diese Ökosysteme jedoch stören. Aus
einem ausgewogenen Ökosystem wird dann eines, das Schaden anrichtet
(Dysbiose). Die Dysbiose trägt zum Beispiel zu Stoffwechsel-, Nieren-,
Autoimmun- und psychiatrischen Erkrankungen bei.

Spitzenforschung zum Mikrobiom

Der Workshop bringt die besten Mikrobiomforscherinnen und -forscher
zusammen. „Wir sind sehr gespannt, wie politische Entscheidungsträgerinnen
und -träger aus aller Welt auf unsere Ergebnissen reagieren und freuen uns
auf ihre Sichtweise“, sagt Forslund. Die Forscherinnen und Forscher sind
überzeugt, dass die Analyse des Mikrobioms helfen kann, Krankheiten zu
diagnostizieren und ihren Verlauf vorherzusagen, Ernährung und Therapie
auf den Einzelnen abzustimmen und Werkzeuge für epidemiologisches
Monitoring und für die Risikobewertung zu entwickeln.

Zu den Höhepunkten gehört ein Vortrag von Dr. Stanley Hazen, einem
Kardiologen an der Cleveland Clinic in den USA. Er untersucht, inwiefern
der Genuss von Fleisch Herzerkrankungen verursacht. Denn anscheinend
schädigen einige Metabolite, die Mikroben aus Fleisch produzieren, das
Gefäßsystem. Professor Eran Elinav vom Weizmann-Institut in Israel
hingegen kann vorhersagen, wie der Blutzuckerspiegel von Menschen mit
unterschiedlicher Darmflora sich nach dem Verzehr von ein und denselben
Lebensmitteln verändert. Außerdem vertritt er die provokative These, dass
bestimmte Probiotika das Darm-Mikrobiom nach einer Antibiotika-Therapie
zusätzlich schädigen. Und Dr. Stephan Roßhart ist überzeugt davon, dass
die sterilen Bedingungen bei Tierversuchen die Ergebnisse biomedizinischer
Forschung verzerren können. Deshalb züchtet er Mäuse, die mit
realistischen Mikrobiomen ausgestattet sind.

Die Diskussionen werden während eines eintägigen Symposiums am Montag, den
28. Oktober, im MDC Berlin-Mitte (BIMSB) fortgesetzt. Diese Veranstaltung
wird vom World Health Summit und dem Sonderforschungsbereich 1365
Renoprotection der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützt. „Das
Symposium geht eher in die wissenschaftlichen Details. Wir hoffen, dass
dadurch neue Kooperationen zwischen Charité, MDC und führenden Expertinnen
und Experten entstehen“, sagt Forslund.

Sprecherinnen und Sprecher

Professor Peer Bork, EMBL |Bioinformatik | Deutschland: „The human gut
microbiome in health and disease“

Professor Eran Elinav, Weizmann Institute of Science | Abteilung für
Immunologie | AG Elinav | Israel: „Probiotics and the mucosal microbiota“
(vorläufiger Titel)

Dr. Stanley Hazen, Cleveland Clinic | Abteilung für kardiovaskuläre und
metabolische Erkrankungen | USA:  „Gut microbes and cardiometabolic
disease“

Dr. Maayan Levy, Universität von Pennsylvania | Abteilung für
Mikrobiologie | AG Levy | USA: „Identifying new players at the host-
microbiome interface“

Dr. med. Stephan Roßhart, Universitätsklinikum Freiburg | Translationale
Mikrobiomforschung und  Gnotobiotische Maus-Einrichtung | Deutschland:
„Born to be wild, the common link among mammals“

Dr. Julie Segré, National Human Genome Research Institute | Translational
and Functional Genomics Branch | USA: „Human Skin Microbiome: bacteria,
fungi, viruses“

Workshop während des World Health Summit

27. Oktober 2019, 16:00 - 17:30 Uhr
Geleitet von Professor Peer Bork, EMBL und Dr. Sofia Forslund, MDC
KOSMOS-Konferenzzentrum, Saal Oceania
Karl-Marx-Allee 131a, 10243 Berlin
Vertreterinnen und Vertreter der Medien können sich über den World Health
Summit akkreditieren:
https://www.worldhealthsummit.org/media/accreditation.html

Wissenschaftliches Symposium am MDC

28. Oktober 2019, 10:00 – 16:00 Uhr
MDC Berlin-Mitte (BIMSB), großer Konferenzraum
Hannoversche Str. 28, 10115 Berlin
Akkreditierung für die Medien: Jana Schlütter, jana.schluetter@mdc-
berlin.de

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-
Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem
deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der
Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC
ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von
Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und
wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité –
Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie
mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-
Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen.
Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60
Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90
Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent
vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft
deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de