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Keine Angst vor der Wiederbelebung: Jeder kann Leben retten

Der neue Experten-Ratgeber zum Herzwochen-Themenschwerpunkt
Der neue Experten-Ratgeber zum Herzwochen-Themenschwerpunkt
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Der neue Experten-Ratgeber zum Herzwochen-Themenschwerpunkt
Der neue Experten-Ratgeber zum Herzwochen-Themenschwerpunkt "Bedrohliche Herzrhythmusstörungen: Wie schütze ich mich vor dem plötzlichen Herztod?" Cover: DHS/J. Neuffer

Kampf gegen den plötzlichen Herztod: Herzstiftung informiert über leicht
erlernbare Schritte der Wiederbelebung / Start der bundesweiten Herzwochen
Der plötzliche Herztod ist die Folge eines akuten Herz-Kreislaufversagens.
Jedes Jahr fallen dem plötzlichen Herztod in Deutschland ca. 65.000
Menschen zum Opfer. Er ist die Folge einer bösartigen Herzrhythmusstörung
(zumeist Kammerflimmern), die innerhalb weniger Sekunden zum
Herzstillstand führt. Nur ein kleiner Prozentsatz überlebt den
Herzstillstand durch eine erfolgreiche Reanimation. Warum so wenige? „Die
Überlebenswahrscheinlichkeit einer Person mit Herzstillstand hängt ganz
wesentlich davon ab, wie frühzeitig und mit welcher Qualität die Zeugen
eines Herz-Kreislaufversagens – meistens medizinische Laien – die
Wiederbelebung durchführen“, betont der Notfallmediziner und Kardiologe
Prof. Dr. med. Dietrich Andresen, Vorstandsvorsitzender der Deutschen
Herzstiftung anlässlich der bundesweiten Herzwochen. Die diesjährige
Aufklärungskampagne steht unter dem Motto „Bedrohliche
Herzrhythmusstörungen: Wie schütze ich mich vor dem plötzlichen Herztod?“
(Infos: www.herzstiftung.de)

Wiederbelebung frühzeitig
Bei einem Herzstillstand sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit für den
Patienten pro Minute um etwa zehn Prozent. „Zehn Minuten hat man also
Zeit, den Patienten vor dem Tod zu retten. Ein Rettungswagen braucht bis
zum Notfallort etwa acht bis neun Minuten. Wenn man also mit
Wiederbelebungsmaßnahmen wartet, bis der Rettungsdienst mit dem Notarzt da
ist, dann bedeutet das für den Patienten nach wenigen Minuten den Tod oder
ein Leben mit nicht selten schweren bleibenden Hirnschädigungen“, warnt
der Kardiologe. Vor Ort befindliche Helfer (Angehörige, Freunde oder
andere Personen) müssen daher unmittelbar nach Absetzen des Notrufs (112)
mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen. Über die Schritte der Laien-
Reanimation informiert die Herzstiftung kostenfrei unter
www.dhs.tips/herznotfall oder unter www.herzstiftung.de/video/reanimation

Wiederbelebung mit Qualität
Bis vor einigen Jahren waren die Regeln zur Wiederbelebung aufwendig und
komplex. Vor allem durch die geforderte Atemspende. Viele Ersthelfer
wurden wegen der Komplexität davon abgehalten, überhaupt etwas zu tun.
„Immer wieder berichteten Zeugen eines Herz-Kreislaufversagens, sie waren
so aufgeregt und geradezu ,kopflos‘, dass sie nicht wussten, wie sie die
Mund-zu-Mund-Beatmung einsetzen sollten: im Verhältnis 15:2 oder 30:2? Um
nichts falsch zu machen, haben sie dann lieber gar nichts unternommen“,
berichtet der Klinikdirektor für Kardiologie am Ev. Hubertus- und Martin-
Luther-Krankenhaus Berlin.

Das sind die Schritte der Laien-Reanimation: Prüfen, Rufen, Drücken,
Schocken
Die Wiederbelebung durch Laien besteht aus den folgenden einfachen
Schritten:

1. Zuerst prüft man die Bewusstlosigkeit der kollabierten Person
(„Prüfen“), indem man sie anspricht („Hallo, hallo, wie heißen Sie, was
ist passiert?“) und sie kräftig an beiden Schultern fasst und schüttelt.
Für die anschließende Prüfung der Atmung überstreckt man den Kopf der
bewusstlosen Person und hört und fühlt, ob sie atmet (Schnappatmung und
Röcheln sind keine normale Atmung, sondern typisch für erste Phase des
Herzstillstandes).

2. Dann setzt der Ersthelfer den Notruf (112) für den Rettungsdienst
(„Rufen“) ab. Dabei laut und deutlich den eigenen Namen, genauen Standort
und was passiert ist nennen. Möglichst alle Fragen der Notrufzentrale
beantworten.

3. Die Herzdruckmassage ohne Atemspende („Drücken“) ist die zentrale
Erstmaßnahme: Im Knien neben der bewusstlosen Person, egal ob rechts oder
links, wird ein Handballen auf die Mitte des Brustkorbs gesetzt und die
zweite Hand auf den Handrücken der ersten platziert. Mit gestreckten Armen
drückt man das Brustbein tief (5 bis maximal 6 cm) und schnell (100- bis
120-mal pro Minute) in Richtung Wirbelsäule – zum Beispiel im Takt des
Hits “Stayin’ Alive” von den Bee Gees. Das tut man ohne Unterbrechung
solange, bis der Rettungsdienst eintrifft und die notfallmedizinische
Versorgung übernimmt.

4. Sind zwei Helfer bei der bewusstlosen Person und ist bekannt, wo in der
Nähe ein AED (Automatisierter Externer Defibrillator) ist, kann einer der
beiden den AED holen, während der andere die Herzdruckmassage ohne
Unterbrechung fortsetzt. Ein Stimmenrekorder in dem Defibrillator gibt
dann an, ob und wie eine Schockabgabe erfolgen soll ("Schocken"), damit
das Herz wieder eigenständig als Pumpe arbeiten kann.

Entsprechend führen in Deutschland leider nur etwa 40 % der potenziellen
Helfer lebensrettende Wiederbelebungsmaßnahmen durch. Andere Länder wie
Schweden oder die Niederlande belegen, dass es noch viel mehr sein
könnten. Dafür muss aber die Laien-Reanimation so vereinfacht werden, dass
sie jeder sofort ohne Zögern anwenden kann. Deshalb empfiehlt die Deutsche
Herzstiftung Laien ausdrücklich, die Herzdruckmassage nicht durch die
zusätzliche Mund-zu-Mund-Beatmung zu unterbrechen.

Laien-Reanimation ohne Beatmung: Was sagen Studien dazu?

I) In den ersten Minuten befindet sich im Körper nach dem Herz-Kreislauf-
Stillstand noch genügend Sauerstoff im Blut, um die Versorgung des
Organismus mit Sauerstoff und Nährstoffen bis zum Eintreffen des
Rettungsteams zu gewährleisten.

II) Studien, in denen eine Herzdruckmassage ohne Beatmung durchgeführt
wurde, zeigen einen klaren Trend zur höheren Überlebensrate im Vergleich
zu Studien mit Beatmung (1).

III) In Schweden konnte in Studien gezeigt werden, dass sich viel mehr
Menschen trauen, eine Wiederbelebung durchzuführen, wenn die Richtlinien
einfach und leicht anwendbar sind: die Anzahl der Reanimationen durch
Laien mit alleiniger  Herzdruckmassage (ohne Mund-zu-Mund-Beatmung) stieg
von 5,4 % (im Jahr 2000) auf 30,1 % (im Jahr 2017) (2).

IV) Das Erlernte wird schnell wieder vergessen. Eine Mund-zu-Mund-Beatmung
sollte deshalb nur von Personen angewendet werden, die auch regelmäßig
geschult sind und die einzelnen Schritte sicher beherrschen, so die
Empfehlung der Herzstiftung. Eine einmalige Schulung reicht dazu nicht aus
(3).

(1) Hüpfl M., et al., Chest-compression-only versus standard
cardiopulmonary resuscitation: a meta-analysis. Lancet. 2010 Nov 6;
376(9752): 1552–1557. Published online 2010 Oct 14. DOI:
https://doi.org/10.1016/S0140-6736(10)61454-7

(2) Riva G., et al., Survival in Out-of-Hospital Cardiac Arrest After
Standard Cardiopulmonary Resuscitation or Chest Compressions Only Before
Arrival of Emergency Medical Services: Nationwide Study During Three
Guideline Periods, Circulation (2019; doi:
10.1161/CIRCULATIONAHA.118.038179)

(3) Andresen D., et al., Public access resuscitation program including
defibrillator training for laypersons: a randomized trial to evaluate the
impact of training course duration. Resuscitation. 2008 Mar;76(3):419-24.
Epub 2007 Oct 31 (doi: 10.1016/j.resuscitation.2007.08.019

Neuer Ratgeber: „Bedrohliche Herzrhythmusstörungen – Wie schütze ich mich
vor dem plötzlichen Herztod?“
Welche Rolle spielen Herzrhythmusstörungen, Arteriosklerose
(„Gefäßverkalkung“), Herzmuskelerkrankungen und andere Herzleiden als
Ursachen für den plötzlichen Herztod? Welche Möglichkeiten der Vorsorge,
Diagnose und Therapie bietet die Herzmedizin zum Schutz vor einem
Herzstillstand? Diese und weitere Themenaspekte erläutern Herzspezialisten
in dem kostenfreien Ratgeber „Bedrohliche Herzrhythmusstörungen: Wie
schütze ich mich vor dem plötzlichen Herztod?“ Der Band (136 Seiten) kann
unter www.herzstiftung.de oder per Tel. 069 955128400 oder Mail:
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. angefordert werden.

Herznotfall: Hilfreiche Video-Clips und kostenfreies Infomaterial

Herznotfall-Webseite
Die bei Herzinfarkt und Herzstillstand erforderlichen Schritte in Erster
Hilfe erläutert leicht verständlich die Herznotfallseite der Herzstiftung
www.dhs.tips/herznotfall

Erklär-Videos
Herzdruckmassage lässt sich in weniger als einer Minute erlernen. Das
zeigt der Wiederbelebungs-Film „Prüfen, Rufen, Drücken – 3 einfache
Schritte, die Leben retten“ unter www.herzstiftung.de/video/reanimation

Mut zur Wiederbelebung: Wie Michael B. gerettet wurde, zeigt ein Video-
Clip mit einer Nachstellung der wichtigsten Verhaltensmaßnahmen bei
Herzstillstand www.youtube.com/watch?v=DmdaLu6E0gE

Animations-Video: Gefahr durch plötzlichen Herztod – Was tun bei
Herzstillstand?
(4:12 Min.)

Warum ist die Wiederbelebung durch Laien-Ersthelfer bei Herzstillstand so
lebenswichtig? Was muss man als Ersthelfer tun? Was hat der Herzinfarkt
mit dem plötzlichen Herztod zu tun? Was genau passiert im Herzen bei
Kammerflimmern, das zum Herzstillstand führt? Der Animationsfilm der
Herzstiftung macht dieses Thema für jedermann verständlich.
www.herzstiftung.de/mp4/VIDEO-PHT.mp4

Notfallset „Was tun im Notfall?“
Ein Notfallset mit dem Ratgeber „Was tun im Notfall?“ (14 Seiten) und 2
Notfallkärtchen fürs Portemonnaie mit Darstellungen der Herzinfarkt-
Alarmzeichen und Erläuterungen zur Wiederbelebung für Laien bietet die
Herzstiftung kostenfrei unter Tel. 069 955128400 oder unter
www.herzstiftung.de/herznotfall-set.html an.