Bakteriophagen: Alte Meister neu entdeckt
BfR-Forum zu bakterienfressenden Viren als Mittel gegen Krankheitserreger
Steigende Zahlen an Antibiotikaresistenzen und hartnäckige Krankheitskeime
lassen Bakteriophagen seit einigen Jahren wieder in den Fokus des
wissenschaftlichen Interesses rücken. Daher veranstaltet das
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ein BfR-Forum Verbraucherschutz
„Bakteriophagen - Alternativen zu Antibiotika?“ am 7. und 8. November 2019
in Berlin-Marienfelde. Expertinnen und Experten aus der Forschung,
Lebensmittelüberwachung und Lebensmittelindustrie geben eine Einführung in
die Thematik und diskutieren Chancen und Risiken bei der Anwendung von
Phagen in der Lebensmittelproduktion. Bakteriophagen sind Viren, die
ausschließlich Bakterien infizieren. Sie kommen in großer Zahl überall
dort vor, wo es auch Bakterien gibt: im Boden, im Wasser, in unserer
Nahrung - ohne dabei dem Menschen zu schaden. „Erkrankungen durch
Bakterien in Lebensmitteln sind ein großes, globales Problem“, sagt
Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des BfR. Die Erreger kommen
meist in Nutztieren vor, von denen sie über den Schlachtprozess auf das
fertige Lebensmittel übertragen werden. „Es besteht daher dringender
Bedarf“ so Hensel weiter, „alternative Methoden zu entwickeln, um das
Auftreten von Krankheitserregern bei der Gewinnung und Verarbeitung von
Lebensmitteln zu verringern“. Bakteriophagen kommen als solch eine
Alternative in Betracht.
-
<https://www.bfr.bund.de/de/ve
Bakteriophagen zeichnen sich dadurch aus, dass sie zielgerichtet bestimmte
Bakterien befallen und abtöten können. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts
wurden Bakteriophagen zur Behandlung bakterieller Infektionen eingesetzt.
Nach Entdeckung der Antibiotikawirkstoffe und dem breitgefächerten Einsatz
dieser als Medikamente sind Bakteriophagen in den meisten Ländern in
Vergessenheit geraten.
In Ländern außerhalb der EU werden Phagenpräparate bereits bei der
Lebensmittelproduktion angewendet. Auch liegt der EU-Kommission ein Antrag
zur Genehmigung eines Präparates zur Bekämpfung von Listerien in
Lebensmitteln und Produktionsanlagen vor, über das bislang nicht
entschieden wurde.
Auf der Tagung werden etwa Anwendungen von Phagen bei der Therapie von
erkrankten Personen oder Tieren sowie bei der Bekämpfung multiresistenter
Erreger vorgestellt. Auch geht es um die aktuelle rechtliche Einstufung
für die Anwendung von Phagen in der Lebensmittelproduktion. Auf der
Veranstaltung werden vor allem der aktuelle Kenntnisstand sowie derzeitige
Fragestellungen für einen sicheren Einsatz von Phagen diskutiert.
Link EU-Kommission:
- <https://ec.europa.eu/info/law
regulation/initiatives/ares-20
Über das BfR
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftlich
unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für
Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die
Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und
Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in
engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.
