Kieferorthopädische Zahnstellungskorrekturen bei Parodontitis und unter Einfluss von Medikamenten und Nikotin

Deutscher Miller-Preis für Regensburger Kieferorthopäden Priv.-Doz. Dr.
Dr. Christian Kirschneck
Im Rahmen des Deutschen Zahnärztetages 2019 in Frankfurt am Main wurde
traditionell der Miller-Preis der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund-
und Kieferheilkunde (DGZMK) verliehen. Der seit 1908 durch die DGZMK
(www.dgzmk.de) zu Ehren des Pioniers der Zahnheilkunde Professor
Willoughby Dayton Miller (1853-1907) vergebene Preis geht in diesem Jahr
an Priv.-Doz. Dr. Dr. Christian Kirschneck vom Universitätsklinikum
Regensburg und damit erstmalig an einen Fachzahnarzt für Kieferorthopädie.
Der Deutsche Miller-Preis wird vom Vorstand der DGZMK jährlich zur
Würdigung einer wegweisenden wissenschaftlichen Arbeit auf dem Gebiet der
Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde ausgelobt und ist der renommierteste
Preis der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Er
ist mit 10.000€ dotiert und geht auf den Pionier der Zahnheilkunde
Professor Willoughby Dayton Miller zurück, der erstmals die
Verstoffwechselung niedermolekularer Kohlenhydrate (Zucker) durch orale
Mikroorganismen (Bakterien) als Ursache für die Entstehung von Karies
erkannte und damit die Zahnmedizin revolutionierte. Für die Vergabe des
Preises sind nach den Statuten der DGZMK allein Leistung und Bedeutung der
Preisarbeit für die Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde entscheidend. In
diesem Jahr geht die höchste Auszeichnung der deutschen Zahnmedizin an den
Kieferorthopäden Priv.-Doz. Dr. Dr. Christian Kirschneck aus der
Poliklinik für Kieferorthopädie des Universitätsklinikums Regensburg für
seine Habilitationsarbeit zum Thema „Pharmakologische Beeinflussung der
orthodontischen Zahnbewegung unter Berücksichtigung parodontal-
inflammatorischer Prozesse“.
Die zahnmedizinische Fachdisziplin der Kieferorthopädie beschäftigt sich
mit der Früherkennung, Prophylaxe, Diagnostik und Therapie von
Fehlstellungen der Zähne und der Kiefer mit dem Ziel der medizinisch-
funktionellen und ästhetischen Rehabilitation des Patienten in
Zusammenarbeit mit den anderen zahnmedizinschen Fachdisziplinen. In der
mit dem Millerpreis ausgezeichneten Habilitationsarbeit im
interdisziplinären Querschnittsbereich zwischen Kieferorthopädie,
Parodontologie und Pharmakologie konnte Priv.-Doz. Kirschneck
experimentell anhand der zugrundeliegenden molekularen Mechanismen zeigen,
wie Pharmaka beschleunigend oder hemmend auf die kieferorthopädische
Zahnbewegung wirken und wie unerwünschte Nebenwirkungen einer
kieferorthopädischen Behandlung, z.B. Wurzelresorptionen, reduziert werden
können. Gegenstand der Arbeit von Kirschneck war auch die weitere
Aufdeckung der zellulären und molekularen Mechanismen der Nikotinwirkung
in Bezug auf die kieferorthopädische Zahnstellungskorrektur und die
Interaktion mit einer parodontalen Entzündung. Die Ergebnisse zeigen, dass
Zahnstellungskorrekturen bei bestehender akuter parodontaler Entzündung
oder Nikotinabusus aufgrund des erhöhten Nebenwirkungspotentials
kontraindiziert sind.
Die Erforschung der zellulär-molekularen Mechanismen, welche der
kieferorthopädischen Zahnbewegung und einer Parodontitis zugrunde liegen,
könnten in Zukunft der Schlüssel zu einer wirksamen Verbesserung
derzeitiger kieferorthopädischer Therapiestrategien sein. „Das Preisgeld
werden wieder in die Forschung investiert“, so Kirschneck, der derzeit
weitergehende Fragestellungen zur kieferorthopädischen Zahnbewegung unter
anderem in zwei von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)
eingeworbenen und geförderten Forschungsprojekten untersucht.
