Blutgerinnsel so früh wie möglich erkennen

Mit 200.000 Euro unterstützt der Förderverein des Herz- und
Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen, ein neues Forschungsvorhaben in der
Nuklearmedizin. Dabei geht es um die Früherkennung von thromboembolischen
Ereignissen bei Herzpumpen-Patienten.
Blutgerinnselbildungen (Thromben) in implantierten künstlichen
Herzunterstützungssystemen zählen zu den lebensbedrohlichen Risiken für
Patienten mit fortgeschrittener Herzschwäche. Etwa 1.000 Patienten pro
Jahr erhalten in Deutschland ein Herzersatz- oder Herzunter-
stützungssystem. Am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad
Oeynhausen, werden rund 100 Patienten jährlich mit solchen Systemen
versorgt. Sie warten vor allem mit den Linksherzunterstützungssysteme
ein Spenderherz oder werden sogar auf Dauer damit unterstützt.
„Bestimmte Laborwerte sowie eine Leistungsabweichung der Pumpe können
erste Anzeichen für ein Gerinnsel sein, sind allerdings nur indirekt“,
sagt Dr. Verena Hugenberg. Die Wissenschaftlerin am Institut für
Radiologie, Nuklearmedizin und molekulare Bildgebung unter der Leitung von
Prof. Dr. Wolfgang Burchert will kleinste Thromben am System direkt und so
früh wie möglich mittels moderner Bildgebungstechniken erkennen.
Allerdings erschweren das Titangehäuse und die Beschaffenheit der
Implantatkanülen die Untersuchung mit MRT-, CT- oder Ultraschallgeräten.
Eine Lösung könnte der Einsatz der PET/CT- gestützen Diagnostik sein,
sofern ein spezielles Kontrastmittel die Signalgebung durch das
Titangehäuse ermöglichen kann. Einen solchen radioaktiven Arzneistoff, ein
sogenanntes Radiopharmakon, haben Dr. Hugenberg und ihre Arbeitsgruppe
auch schon identifiziert. Es handelt es sich um einen PET-Tracer der Firma
Life Molecular Imaging GmbH (Berlin), der in der klinischen Erprobung ist
und seit einem Jahr auch im eigenen Institut untersucht wird. 18F-GP1, so
der Name, hat die besondere Eigenschaft, sich an aktive Thromben zu
binden. Das Mittel wurde bereits im Rahmen einer klinischen Phase-I-Studie
erfolgreich für die Bildgebung von akuter arterieller und venöser
Thrombose getestet.
Mit dem neuen Forschungsprojekt, an dem weitere Wissenschaftler des HDZ
NRW und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) beteiligt sind, will
Dr. Verena Hugenberg nun untersuchen, ob sich kleinste Thromben innerhalb
der Herzunterstützungssysteme auf diese Weise frühzeitig
nuklearmedizinisch nachweisen lassen.
Erste Untersuchungen an Patienten mit Verdacht auf Pumpenthrombose deuten
bereits darauf hin. Daher sollen nun im nächsten Schritt in Zusammenarbeit
mit Prof. Dr. Hendrik Milting, Leiter des Erich und Hanna Klessmann-
Instituts für kardiovaskuläre Forschung und Entwicklung am HDZ NRW und
Frau Dr. Christina Feldmann von der MHH, weitere Forschungen betrieben
werden. Milting‘s Idee war es, in-vitro-Versuche an Simulatormodellen
durchzuführen. Hier wollen die Wissenschaftler Thromben entstehen lassen,
um die Bindung des PET-Tracers an diese systematisch zu untersuchen.
„Wir erhoffen uns Antworten darauf, wie groß die Schwächung des 18F-
Signals durch das Titangehäuse ist, ab welcher Größe wir Gerinnsel
nachweisen können und wie hoch die Rezeptorkonzentration auf den
unterschiedlichen Thromben sein muss“, erläutert Hugenberg das von ihr
geleitete Forschungsvorhaben.
„Uns haben das große klinische Interesse und die Zielsetzung überzeugt,
Herzpumpen-Patienten zukünftig besser als bisher vor schwerwiegenden
Komplikationen bewahren zu können“, begründet Titularprofessor Dr. Otto
Foit als Vorsitzender die Mittelzusage des Vereins, der das
Forschungsprojekt damit für die kommenden zwei Jahre absichert.
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Das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen (HDZ NRW), Bad
Oeynhausen, ist ein international anerkanntes Zentrum zur Behandlung von
Herz-, Kreislauf- und Diabeteserkrankungen. Mit 35.000 Patienten pro Jahr,
davon 14.000 in stationärer Behandlung, ist das HDZ NRW ein führendes
Spezialklinikum in Europa. Unter einem Dach arbeiten vier
Universitätskliniken und Institute seit 35 Jahren interdisziplinär
zusammen. Das HDZ NRW ist Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum.
Das Institut für Radiologie, Nuklearmedizin und molekulare Bildgebung
unter der Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Burchert versorgt die stationären
Patienten mit bildgebender Diagnostik. Ambulant werden im
nuklearmedizinischen Bereich außerdem Tumor- und Schilddrüsenerkrankungen
behandelt. Die diagnostischen Leistungen werden von einem
interdisziplinären Ärzteteam mit modernsten Untersuchungsmethoden
(SPECT/CT, PET/CT, MRT, Röntgen, Gammakameras) erbracht. Wichtige Arbeits-
und Forschungsschwerpunkte sind der Strahlenschutz und die Reduktion der
Strahlenexposition. Das Institut stellt seine Expertise auch anderen
Kliniken zur Verfügung. In Westfalen und darüber hinaus in Norddeutschland
versorgt es täglich Kliniken und Praxen mit kurzlebigen
Radiopharmazeutika.
