Diabetologie: Fehlender Nachwuchs – Steigender Bedarf

Die Diabetologie steht angesichts fehlender Lehrstühle und einer
steigenden Zahl von Menschen mit Diabetes vor großen Herausforderungen.
Das verdeutlichen Professorin Annette Schürmann und Dr. Thomas Laeger vom
DIfE im gerade veröffentlichten Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes
2020. Gemeinsam mit Kollegen aus Aachen und Freiburg beschreiben sie ab
Seite 231, wie es zum Nachwuchsmangel kommt und was getan wird, um sowohl
junge Medizinerinnen und Mediziner als auch aufstrebende Forscherinnen und
Forscher wieder für das Fach Diabetologie zu begeistern und die
Patientenversorgung zu sichern.
Derzeit leben in Deutschland rund sieben Millionen Menschen mit Diabetes –
Tendenz steigend. Experten schätzen, dass sich die Zahl der Betroffenen
bis zum Jahr 2040 auf etwa 12 Millionen erhöht. Im Gegensatz dazu nimmt
die Zahl universitärer Lehrstühle für Endokrinologie und Diabetologie
stetig ab. So gab es vor 20 Jahren an den 33 medizinischen Hochschulen in
Deutschland noch 17 klinische Lehrstühle für Endokrinologie, Diabetologie
und Stoffwechsel – heute gibt es nur noch acht. Professorin Annette
Schürmann, Leiterin der Abteilung Experimentelle Diabetologie am Deutschen
Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) und ihr
wissenschaftlicher Mitarbeiter Dr. Thomas Laeger weisen im Bericht darauf
hin, dass es immer weniger adäquate Ausbildungsstellen gibt, wodurch auch
die diabetologische Expertise in Klinik und Praxis sinkt. Das Problem
fange bereits im Studium an, weil das Fach Diabetologie in vielen
universitären Lehrplänen zu kurz komme. Dadurch hätten Studierende der
Medizin nach ihrem Abschluss oft nur unzureichende diabetologische
Kenntnisse.
Dem Nachwuchsmangel in der Diabetologie entgegenwirken
Seit dem Jahr 2007 verfolgt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ein
systematisches Nachwuchsprogramm, um junge Medizinerinnen und Mediziner
sowie Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftler für die
diabetologische Forschung und Praxis zu begeistern. Es werden
Reisestipendien zu nationalen und internationalen Kongressen vergeben
sowie spezifische Mentoring-Programme angeboten.
Aus diesem Nachwuchsprogramm der DDG hat sich 2017 die Arbeitsgemeinschaft
(AG) Nachwuchs entwickelt, deren Sprecherin Professorin Annette Schürmann
zusammen mit Professor Jochen Seufert, Leiter der Abteilung Endokrinologie
und Diabetologie am Universitätsklinikum Freiburg, ist. Die AG setzt sich
unter anderem dafür ein, dass das Fach Diabetologie standardmäßig im
Medizinstudium verankert wird und organisiert ein eigenes Symposium auf
den DDG-Tagungen. Im April 2019 hat die AG Nachwuchs den 1. Aachener
Diabetestag organisiert, um das Interesse von Studentinnen und Studenten
der Medizin, Biologie, Biotechnologie etc. für die Diabetologie zu wecken.
Über 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten den Vorträgen und Workshops
zu Typ-1- und Typ-2-Diabetes sowie zu Karrieremöglichkeiten in Forschung
und Klinik. Weil die Veranstaltung so gut angenommen wurde, fand am 7.
November in Leipzig bereits ein weiterer Diabetestag statt. Eine
Fortsetzung an weiteren Universitäten in Deutschland ist geplant.
Nachwuchsförderung im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung
Annette Schürmann und Thomas Laeger greifen in ihrem Artikel auch die
Nachwuchsförderung des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) auf.
So findet jedes Jahr vor den internationalen europäischen
Diabeteskongressen (EASD-Tagungen) oder dem „International Symposium on
Insulin Receptors and Insulin Action“ die DZD-Research School statt. Dort
erhalten rund 80 junge Forschende von renommierten Referenten einen
Einblick in die aktuelle Diabetesforschung. Darüber hinaus unterstützt das
DZD die Ausbildung von jungen Ärztinnen und Ärzten sowie von
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern durch spezielle Kurse und
Programme.
Neue Generation mit vielen positiven Eigenschaften
Schürmann und Laeger sehen viel Potenzial in der kommenden
Ärztegeneration, da sie Missstände erkennt und sich aktiv für deren
Verbesserung einsetzt. Die Diabetologie ermögliche es,
patientenorientierte Medizin mit ärztlicher Lebensqualität zu verbinden.
Um aber Frust und Überarbeitung im Arbeitsalltag von Beschäftigten aus dem
Bereich Diabetologie in Kliniken und Forschungseinrichtungen zu vermeiden,
sei es wichtig, „dass die Forderungen nach mehr Personal, fairer
Entlohnung von hohen Arbeitszeiten und die Schaffung von mehr entfristeten
Stellen nicht ignoriert werden.“
Hintergrundinformation:
Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) veröffentlicht jährlich
anlässlich des Weltdiabetestags am 14. November gemeinsam mit der
Deutschen Diabetes-Hilfe DiabetesDE den Deutschen Gesundheitsbericht
Diabetes. Die Publikation stellt dar, wie es aktuell um Prävention,
Therapie und Erforschung von Typ-1- und Typ-2-Diabetes steht.
