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Bluthochdruck: Auch junge Menschen können erkranken – Teste Dein Risiko online!

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Bluthochdruck (auch arterielle Hypertonie oder Hypertonus) gilt allgemein
als eine „Alterserkrankung“. Richtig ist, dass das Blutdruckrisiko mit
zunehmendem Lebensalter ansteigt. Fast zwei Drittel der 65-Jährigen und
Älteren haben einen ärztlich diagnostizierten Bluthochdruck, der
unbehandelt zu irreparablen Organschäden führen kann. Aber auch junge
Menschen können an Bluthochdruck erkranken. Egal, ob jung oder alt:
Unbehandelt hat eine Hypertonie gefährlichen Folgen: Jeder zweite
Herzinfarkt und Schlaganfall sowie jedes fünfte Nierenversagen wird durch
Bluthochdruck verursacht. Mit einem neuen online-Test können auch jüngere
Menschen ihr individuelles Risiko errechnen.

Eine Hypertonie hat verschiedene Ursachen und kann in jedem Alter
auftreten. Es werden verschiedene Formen des Bluthochdrucks unterschieden:
Primäre Hypertonie, sekundäre Hypertonie, Weißkittel- und maskierte
Hypertonie sowie Sonderformen.

Primäre arterielle Hypertonie
Häufigste Form ist die primäre Hypertonie. Davon sind mehr als 90 % der
Patienten betroffen. Das sind 20 bis 30 Millionen Bundesbürger. Verursacht
wird sie durch unterschiedliche Faktoren wie Übergewicht, Stress,
Genussmittelkonsum, aber auch genetische Veranlagung und Hormone spielen
eine Rolle. Die meisten Hypertoniker haben das 50. Lebensjahr
überschritten. Aber auch etwa jeder zehnte 30-Jährige hat bereits eine
primäre arterielle Hypertonie. Auch Kinder können an einer Hypertonie
erkranken.

Hauptursache für einen krankhaft erhöhten Blutdruck bei unter 50-Jährigen
ist ein ungesunder Lebensstil. Eine sich in jungen Lebensjahren
entwickelnde, über lange Zeit hinweg unerkannte und unbehandelte primäre
arteriellen Hypertonie kann entsprechend früh im Leben gravierende Schäden
an verschiedenen Organen verursachen. Die gefährlichste Folge ist die
schleichende Verengung der Blutgefäße. Wegen des sich dann entwickelnden
Bluthochdrucks und des damit verbundenen hohen kardiovaskulären Risikos
sollte er zur Vermeidung von Folgeschäden rechtzeitig diagnostiziert und
adäquat behandelt werden.

Risiko abschätzen und Maßnahmen ergreifen
Das individuelle Risiko für Personen unter 45 Jahren kann anhand
verschiedener persönlicher Parameter in einem neuen, von Prof. Dr. Martin
Middeke vom Hypertoniezentrum München entwickelten online-Test [1]
errechnet werden. Zu den persönlichen Angaben zählen das Geschlecht, die
Lebenssituation (Single oder in einer Gemeinschaft lebend), gehäuft
Hypertonie in der Familie, Körpergewicht, Raucher oder Nichtraucher,
Körpergewicht, Cholesterinstatus, Häufigkeit und Intensität körperlicher
Bewegung, beruflicher Stress, Depression und Erschöpfung. Auf einer Skala
von 0 bis 300 Punkten werden geringes, mäßiges, hohes und sehr hohes
Hypertonierisiko erfasst und jeweils geeignete Maßnahmen zur Senkung des
Risikos empfohlen: Bei geringem Risiko (unter 50 Punkte) sollte ein
gesunder Lebensstil beibehalten und der Blutdruck gelegentlich
kontrolliert werden. Für Menschen mit mäßigem Risiko (50 bis 99 Punkte)
sollte der Blutdruck öfter kontrolliert und mögliche Risikofaktoren
reduziert werden. 100 bis 200 Punkte bescheinigen dem Betreffenden ein
hohes Hypertonierisiko. Eine Änderung des Lebensstils und bestimmter
Verhaltensweisen sowie die regelmäßige Blutdruckkontrolle werden als
sinnvoll und sehr effektiv empfohlen. Bei sehr hohem Risiko (über 200
Punkte) ist eine umfassende Lebensstiländerung und konsequente
Blutdruckkontrolle dringend notwendig.

Bleiben mehrere Risiken (Rauchen, mangelnde Bewegung, ungesunde Ernährung)
über längere Zeit bestehen bzw. erhöhen sie sich durch Nichtbeachtung der
blutdrucksenkenden Empfehlungen, dann beeinflussen die lebensgefährlichen
Folgen wie frühe Herz- und Nierenerkrankungen oder Schlaganfälle nicht nur
die gesamte Lebensplanung, sie sind auch mit dem Risiko einer geringeren
Lebenserwartung verbunden. Deshalb ist es einerseits sehr wichtig, die
Gefahren zu hohen Blutdrucks auch bei jungen Menschen mehr ins öffentliche
Bewusstsein zu rücken, um die Erkrankung durch präventive Maßnahmen wie
eine Lebensstiländerung zu verhindern. Andererseits ermöglicht die
regelmäßige Blutdruckkontrolle (zu Hause und beim Hausarzt) eine
frühzeitige Diagnostik und ggf. Einleitung einer geeigneten Therapie.

Dies gilt ebenso für Kinder, bei denen eine Hypertonie die Gefäßwände
genauso schädigt wie bei Erwachsenen, mit genau den o.g. gefährlichen
Folgen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Die wesentlichsten
Risikofaktoren, auch bei Kindern, sind heute der Bewegungsmangel und eine
ungesunde Ernährung, vielfach noch gepaart mit Stress. Angesichts der
Tatsache, dass die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit erhöhten
Blutdruckwerten im Ansteigen begriffen ist, rät Prof. Middeke: „Die
Vorbeugung sollte schon im Kindesalter beginnen, vor allem, wenn Kinder
übergewichtig sind oder eine familiäre Disposition vorliegt“. Das heißt
vor allem, Normalgewicht anstreben, viel bewegen, Mittelmeerkost
bevorzugen, weniger Salz und Kalium konsumieren.

Bluthochdruck im jüngeren Alter – liegt eine primäre oder sekundäre
Hypertonie vor?
Eine weitere Form, an der häufig auch jüngere Menschen erkranken, ist die
sekundäre Hypertonie. Diese wird durch andere Erkrankungen wie chronische
Entzündungen, Tumoren, Nierenerkrankungen oder hormonelle Störungen
verursacht. Wird die Grunderkrankung behandelt, normalisieren sich in der
Regel auch die Blutdruckwerte wieder. „Entscheidend für die
Risikoabschätzung und Therapieentscheidung ist die Differenzierung der
verschiedenen Erscheinungsformen der arteriellen Hypertonie.
Grundvoraussetzung ist die optimale Blutdruckmessung mit den modernen
Methoden zur konkreten Klassifizierung der Hypertonieform und zur
individuellen Charakterisierung der Blutdrucksituation des einzelnen
Patienten“, erläutert Prof. Middeke und betont: „Eine nur punktuelle
Messung des Blutdrucks beim Arzt ohne Berücksichtigung der
Blutdruckvariabilität, des Tag-Nacht-Rhythmus und der Hypertonieform ist
nicht mehr adäquat.“

Quellen:
[1] https://www.hypertonie.app/dhl
[2] Current Hypertension Reports, DOI: 10.1007/s11906-010-0140-4
[3] Europäische Leitlinien 2018 ESC/ESH Guidelines for the management of
arterial hypertension