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„Auf diesem Feld gibt es für die Zahnmedizin noch einiges zu tun“

Diskutierten gemeinsam das Thema MZEB: (v.l.) Dr. Gisela Goedicke-Padligur, Dr. Peter Engel, Prof. Dr. Andreas Schulte, San.Rat Dr. Michael Rumpf, Dr. Christian Junge und Dr. Anne Bredel-Geissler  DGZMK/Michelle Spillner
Diskutierten gemeinsam das Thema MZEB: (v.l.) Dr. Gisela Goedicke-Padligur, Dr. Peter Engel, Prof. Dr. Andreas Schulte, San.Rat Dr. Michael Rumpf, Dr. Christian Junge und Dr. Anne Bredel-Geissler DGZMK/Michelle Spillner
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Diskutierten gemeinsam das Thema MZEB: (v.l.) Dr. Gisela Goedicke-Padligur, Dr. Peter Engel, Prof. Dr. Andreas Schulte, San.Rat Dr. Michael Rumpf, Dr. Christian Junge und Dr. Anne Bredel-Geissler  DGZMK/Michelle Spillner
Diskutierten gemeinsam das Thema MZEB: (v.l.) Dr. Gisela Goedicke-Padligur, Dr. Peter Engel, Prof. Dr. Andreas Schulte, San.Rat Dr. Michael Rumpf, Dr. Christian Junge und Dr. Anne Bredel-Geissler DGZMK/Michelle Spillner

Zahnmedizinisches Engagement in Medizinischen Zentren für Erwachsene mit
Behinderung dringend erforderlich
Die Idee ist relativ jung aber dennoch hoch aktuell: Medizinische Zentren
für die Behandlung von Erwachsenen mit Behinderung (MZEB) sollen dazu
beitragen, die Betroffenen umfassend und angemessen zu betreuen. Unter der
Leitung von Prof. Dr. Andreas Schulte (Uni Witten/Herdecke) stellte eine
Session der Arbeitsgemeinschaft Zahnmedizin für Menschen mit Behinderung
oder besonderem medizinischen Unterstützungsbedarf (AG ZMB) in der DGZMK
unter dem Thema „Beteiligung der Zahnmedizin bei den Medizinischen Zentren
für Erwachsene mit Behinderung“ im Rahmen des wissenschaftlichen
Kongresses zum Deutschen Zahnärztetag 2019 die dringende Notwendigkeit
solcher Zentren vor. „Auf diesem Feld gibt es für die Zahnmedizin noch
einiges zu tun“, stellte Prof. Schulte heraus und ergänzte, dass die im
ganzen Bundesgebiet entstehenden MZEB auf die Mitwirkung von Zahnärzten
angewiesen sind.

Dr. Anne Bredel-Geissler, Leiterin eines MZEB in Mainz, referierte
zunächst aus medizinischer Sicht, wie sehr komplexe Behinderungen,
insbesondere in Kombination mit geistiger Behinderung, regelhaft eine
Vielzahl von Beeinträchtigungen in großer Variationsbreite, Schwere und in
unterschiedlicher Kombination aufweisen, die sich wechselseitig
beeinflussen. Die üblichen Instrumente von Diagnostik und Therapie würden
hier häufig versagen. Maßnahmen der täglichen Pflege benötigen Erfahrung
und Zeit. Gerade die Zahnpflege bleibe aus unterschiedlichen Gründen oft
unzureichend. Dr. Bredel-Geissler: „Die Prävalenz von Karies oder
Parodontitis ist bei Menschen mit komplexen Behinderungen deutlich erhöht.
Fehlende Mitteilungsmöglichkeiten führen oft zu atypischen Symptomen im
Sinne problematischer Verhaltensweisen, die in Unkenntnis der Ursache
durch pädagogische Maßnahmen oder Psychopharmaka therapiert werden.“

Sorgfältige Mundhygiene und regelmäßige zahnärztliche Untersuchungen seien
also wesentliche Elemente für eine angemessene und zielführende
Gesundheitsversorgung dieser Menschen. Die zahnärztliche Versorgung
erfordert spezielle Kenntnisse der Behinderungsformen und Syndrome ebenso
wie Erfahrung und Einfühlungsvermögen, wenn eine zielführende Behandlung
gelingen solle.

Einblicke in diese Praxis gab San.-Rat Dr. Michael Rumpf. Der frühere
Präsident der Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz beschrieb die
Behandlung von Menschen mit Behinderung im zahnärztlichen Alltag als eine
besondere, aber interessante Herausforderung. Rumpf: „Die Behandlung
schwerstbehinderter Menschen stellt uns vor große Probleme . Bei
Erwachsenen ist durch die Einrichtung von medizinischen Zentren für die
Behandlung von erwachsenen Behinderten ( MZEB ) nun eine neue
Betreuungsform geschaffen worden.“ Eine zahnärztliche konsiliarische
Tätigkeit in dieser Einrichtung zeige multiple Probleme einer nachhaltigen
Versorgung auf. Dabei gehe es nicht nur um eine Lösung von Akutfällen,
sondern um eine der UN-Behindertenrechtskonvention angepasste adäquate
Versorgung dieser Patientenklientel. Dabei stünden Fragen wie die
Mitwirkung von niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen bei der
Behandlung im Wachzustand, in Sedierung oder in Vollnarkose im
Mittelpunkt.

Eines wurde in seinem bildgestützten Vortrag besonders deutlich: ohne
vorurteilsfreie Empathie und Zuwendung für diese Patienten ist eine
Behandlung kaum möglich. Am Beispiel eines Patienten stellte Rumpf dar,
wie sich über Vertrauensaufbau eine Basis für Behandlungen im Wachzustand
schaffen lässt. Mit seiner Anwesenheit während der Session unterstrich
auch der Präsident der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), Dr. Peter Engel, die
Bedeutung des Themas.