Zum Hauptinhalt springen

Blinddarmentzündungen bei Kindern: Ultraschall als erstes Mittel zur exakten Diagnose

Pin It

Kinder haben häufig akute Bauchschmerzen – oft ist es nicht leicht, die
Ursache dafür zu finden. Schmerzen im rechten Unterbauch können auf eine
Blinddarmentzündung hinweisen, aber auch andere Auslöser sind möglich.
Eine sehr genaue Diagnose ermöglicht der Bauchultraschall – das hat jetzt
eine weitere Studie gezeigt. Bei jenen Kindern, die mehr als zwölf Stunden
unter Beschwerden litten, konnte eine Blinddarmentzündung mittels
Ultraschall zu 100 Prozent diagnostiziert werden. Experten der Deutschen
Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) empfehlen, die
Sonografie als erste weiterführende Untersuchung bei Verdacht auf eine
kindliche Blinddarmentzündung einzusetzen.

Eine Blinddarmentzündung tritt bei Kindern zwischen sechs und zehn Jahren
besonders häufig auf, kann aber auch bei Kleinkindern vorkommen. Bei ihnen
ist sie zwar seltener, aber oft besonders schwer zu diagnostizieren.
„Zunächst verspüren Erkrankte oft Schmerzen, die vom Bauchnabel ausgehen
und sich anschließend in den rechten Unterbauch verschieben“, sagt PD Dr.
Doris Franke von der Kinderklinik an der Medizinischen Hochschule
Hannover. „Häufig kommen Übelkeit und Fieber hinzu.“ Wenn die Beschwerden
bei Bewegungen mit Erschütterungen schlimmer werden, beispielsweise beim
Hüpfen, dann sollten Eltern mit ihren Kindern umgehend zum Arzt gehen, der
mit einer Ultraschall- und Blutuntersuchung abklärt, ob eine
Blinddarmentzündung dahintersteckt.

Die Sonografie des Bauchraumes ermöglicht bei den kleinen Patienten eine
besonders exakte Diagnose – wie eine aktuelle Studie von spanischen
Wissenschaftlern zeigt. Marcos Prada-Arias von der Universitätsklinik
Ávaro Cunqueiro in Vigo und seine Kollegen haben für die Untersuchung nach
den wertvollsten Instrumenten zur exakten Diagnose einer kindlichen
Blinddarmentzündung (Appendizitis) gesucht. Über fünf Jahre hinweg
dokumentierten die Wissenschaftler die Daten von 82 Kindern unter fünf
Jahren, die mit Verdacht auf Appendizitis in die pädiatrische Notaufnahme
der Universitätsklinik in Vigo gebracht wurden. Eine besonders gute
diagnostische Klarheit brachte der Bauchultraschall. „Bei Kindern, die
mehr als zwölf Stunden unter Beschwerden litten, konnte eine
Blinddarmentzündung mittels Ultraschall in dieser Studie zu 100 Prozent
diagnostiziert werden“, so Dr. Rüdiger Kardorff, Sektionsleiter
Kindergastroenterologie in Duisburg. Auch wenn eine Diagnosesicherheit von
100 Prozent im praktischen Alltag nicht erreicht wird, hat die Sonografie
gerade bei den kleinen Patienten eine besonders hohe Aussagekraft – viel
exakter beispielsweise als die gängige Methode der Blutuntersuchung. Die
Expertin empfiehlt, die Ultraschalldiagnostik bereits frühzeitig als
Bildgebung zur Abgrenzung verschiedener Differentialdiagnosen anzuwenden.

Eine rasche Diagnose ist sehr wichtig, da eine Blinddarmentzündung bei
Diagnoseverschleppung lebensbedrohlich werden kann. „Wenn die Appendizitis
nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird, kann der entzündete
Wurmfortsatz des Blinddarms platzen“, sagt der Kinderchirurg Dr. med. Kay
Großer, Stellvertretender Leiter der DEGUM-Sektion Pädiatrie.
„Dabei können Eiter und Stuhl in die Bauchhöhle gelangen – und so eine
lebensbedrohliche Blutvergiftung auslösen.“ Die Sonografie des Bauchraumes
ist bei Kindern primär empfehlenswert, da sie generell sonografisch besser
zu untersuchen sind als Erwachsene und da bei ihnen durch die im Vergleich
zu Erwachsenen dünneren Bauchdecken noch mehr Einzelheiten dargestellt
werden können. „Organe und Strukturen, von denen das Bauchweh kommen
können, sind per Ultraschall besonders gut darstellbar. Unterstützt wird
das durch Anwendung der Sonopalpation, bei der mit dosiertem Druck die
schmerzhafte Region untersucht wird. Gefahndet wird nach
Umgebungsveränderungen, die bei der Entscheidungsfindung zu einer
eventuell erforderlichen Operation hilfreich sind“, erläutert Großer.

Wesentliche Voraussetzung für eine genaue Diagnose ist neben
entsprechender Gerätetechnik die Ultraschall-Kompetenz des behandelnden
Arztes: „Nur wenn der Untersucher entsprechend qualifiziert ist, kann er
eine Blinddarmentzündung exakt diagnostizieren oder auch hinreichend
sicher ausschließen“, so Universitätsprofessor Dr. Hans-Joachim Mentzel,
DEGUM-Experte und Leitender Arzt der Sektion Kinderradiologie am
Universitätsklinikum Jena. Weiterführende invasivere Bildgebung wie die
Magnetresonanztomografie, die in dieser Altersgruppe mitunter eine
Sedierung erforderlich macht, kann den Kindern so erspart werden. Die
DEGUM-Sektion Pädiatrie bietet Kinderärzten, -chirurgen und -radiologen
nach ihrem bewährten Dreistufenkonzept Fortbildungsmaßnahmen an. Ärzte,
die auf diese Weise qualifiziert sind, können dann auch besonders gut
entscheiden, ob eine Operation notwendig ist oder nicht.

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Weiterführende Informationen:

J Paediatr Child Health 2019; online 4. September.  Appendicitis or
non‐specific abdominal pain in pre‐school children: When to request
abdominal
ultrasound?https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/jpc.14617

Über die DEGUM:

Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) bietet
ein Forum für den wissenschaftlichen und praktischen Erfahrungsaustausch
auf dem Gebiet des medizinischen Ultraschalls. Sie vereint rund 10 000
Ärzte verschiedener Fachgebiete, medizinische Assistenten,
Naturwissenschaftler und Techniker. Ultraschalldiagnostik ist heute das am
häufigsten eingesetzte bildgebende Verfahren in der Medizin.
Ultraschallanwendern bescheinigt die DEGUM eine entsprechende
Qualifikation mit einem Zertifikat der Stufen I bis III. DEGUM-
zertifizierte Ärzte finden Patienten im Internet unter: <www.degum.de>