Wettbewerb „Mach mal Pause“ - Auszeichnung innovativer Pausenkonzepte in der Pflege

Was bedeutet „Gesund-Pflegen“ und welche Bedeutung hat eine gute Pause in
der Pflege. Dieser Frage stellten sich über 100 Teilnehmerinnen und
Teilnehmer beim ersten „Gesund-Pflegen-Tag“ der AOK Bayern in Nürnberg,
der in Kooperation mit der Wilhelm Löhe Hochschule durchgeführt wurde.
Neben einem Wettbewerb für das beste Pausenkonzept wurde eine qualitative
Studie zu Aspekten „guter Pause“ vorgestellt.
Der Anspruch an eine gute Pflege und die erlebte Wirklichkeit würden sehr
häufig auseinandergehen, so Christine Fiedler, Professorin für
Pflegewissenschaft an der WLH, im Rahmen des Key-Note-Vortrags
„Moralischer Stress in der Pflege“. Christine Fiedler warnte in ihrem
Eröffnungsvortrag vor einem „Cool-out“ als kollektives Problem in der
Pflege. Wenn Pflegende „lernen würden, es hinzunehmen, dass die
strukturellen Bedingungen in der Pflege in Widerspruch zu ihren fachlichen
und moralischen Ansprüchen stehen würden, liege ein massives Problem vor,
so Fiedler. Pflegeinrichtungen könnten und müssten hier mit besseren
Arbeitsbedingungen und –strukturen antworten.
Ein wesentlicher Aspekt guter Arbeitsbedingungen und –strukturen liegt in
regelmäßigen Erholungszeiten begründet. Werner Winter, Fachbereichsleiter
BGM bei der AOK Bayern, führte in die zusammen von AOK Bayern und WLH
durchgeführte Studie „Pausenkonzepte in der Pflege ein“ ein. Schätzungen
aus der Pflegepraxis würden deutlich machen, dass fast 50 Prozent der
Pflegenden ihre Pausen nicht oder nur sehr eingeschränkt nehmen würden, so
die Schlussfolgerung von Werner Winter.
Im Rahmen der Studie, die der Leiter des Forschungsinstituts IDC der WLH,
Prof. Jürgen Zerth, skizzierte, wurde deutlich, dass es insbesondere um
die Erfassung der bedingenden Verhältnisstrukturen mit gelebter
Pausenkultur in den Einrichtungen ankommen würde. Die Studie, die von
einem IDC Team – Julia Ott, Peter Jaensch und Jürgen Zerth verfasst worden
ist – hat mit einem qualitativen Design versucht, durch leitfadengestützte
Interviews in Pflegesettings der ambulanten wie stationären Pflege sowie
im Krankenhaus gesättigte Ergebnisse zu Pausenkonzepten, -strukturen,
-inhalten und gelebten Pausenprozessen zu erheben.
Es lasse sich schon jetzt, vorbehaltlich einer möglichen größeren
quantitativen Untersuchung festhalten, dass Pflegende die Qualität ihrer
Arbeitspause vor allem daran messen können, Gelegenheit und Orte zur
Entspannung zu erhalten, d. h. im Sinne einer Detachment-Strategie ein
„gedankliches Abschalten“ nutzen zu können. Unnötige Unterbrechungen sind
daher ein wesentlicher Störfaktor, gleichzeitig gehöre gerade in der
Pflege die Möglichkeit zum fachlichen und sozialen Austausch
offensichtlich zu den von Pflegekräften wahrgenommenen Ansätzen für eine
„gute Pause“, so Zerth.
Zum Abschluss des ersten „Gesund-Pflege-Tages“ wurden auch auf Grundlage
der in der Studie ermittelten Kriterien für „gute Pause“ von einer Jury
unter der Leitung von Christine Fiedler innovative Pausenkonzepte
ausgezeichnet. Die AOK Bayern hatte im Sommer einen auf insgesamt 50.000
Euro dotierten Wettbewerb zur Pausengestaltung in der Pflege ausgerufen.
