Gesunde Algorithmen? Frauen und Künstliche Intelligenz in der Medizin
Am 16. Dezember 2019 veranstaltet das Netzwerk „sheHealth - Women in
Digital Health“ ein Treffen zum Thema Frauen und Künstliche Intelligenz in
der Medizin. Es geht sowohl um die Datenbasis, mit der die künstlichen
Algorithmen „gefüttert“ werden, als auch um die KI-Entwickler selbst: In
beiden Bereichen sind Frauen unterrepräsentiert. Das soll sich nach dem
Wunsch des Netzwerks ändern. Journalist*innen sind herzlich eingeladen, an
dem Treffen teilzunehmen und darüber zu berichten.
In Studien – etwa zur Zulassung neuer Wirkstoffe – sind unter den
Studienteilnehmer*innen weiße Männer mittleren Alters in aller Regel in
der Mehrheit. „Es gibt in der Medizin seit langem ein Problem mit der
Datenbasis von Studien,“ sagt Brigitte Strahwald, Ärztin und Epidemiologin
an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Das gelte nicht minder
für die KI-Forschung mit ihrem Bedarf an großen Datenmengen. „Nicht alle
Datensätze sind in der geforderten Qualität verfügbar,“ kritisiert die
Münchener Spezialistin für Gesundheitsdaten.
Weltweit ist nur jede fünfte KI-Fachkraft weiblich
In der KI-Forschung sieht es ähnlich aus: Weltweit ist nicht einmal jede
vierte KI-Fachkraft eine Frau, fand unlängst das Karriere-Netzwerk
LinkedIn für den Global Gender Gap Report des World Economic Forum heraus.
In Deutschland liegt die Zahl der weiblichen Entwicklerinnen sogar noch
darunter. Professorin Sylvia Thun, Leiterin der Core Unit E-Health und
Interoperabilität im Berlin Institute of Health (BIH), gefördert von der
Stiftung Charité, sagt: „Wir brauchen mehr Medizininformatikerinnen und
weibliche Health Data Scientists, hier haben Frauen definitiv noch
Nachholbedarf.“
Der Algorithmus benachteiligt nicht
Ein Gender- oder auch ethnischer Bias bei der Formulierung von
Studienfragen, der Auswahl von Anwendungen und Algorithmen oder der
Entwicklung von Schnittstellen zwischen Maschine und Mensch führt bereits
zu ungewollten Effekten: So stellte sich heraus, dass Hautkrebs-Screenings
mitunter nur auf weiße Haut trainiert waren. Spracherkennungssysteme haben
nicht selten Probleme mit weiblichen Stimmen, die Gesichtserkennung von
Smartphones versagt bei Frauen oder dunkelhäutigen Menschen, Recruiting-
Tools wählen bevorzugt männliche Bewerber. Die Algorithmen sichten nach
Kriterien, die Menschen ihnen vorgeben: „Der Algorithmus benachteiligt
nicht,“ sagt Brigitte Strahwald: „Entscheidend ist, wie die Software
trainiert und mit welchen Daten sie gefüttert wurde.“
Professorin Sylvia Thun hat gemeinsam mit der Präsidentin des Deutschen
Ärztinnenbundes, Dr. Christiane Groß, das Netzwerk „sheHealth“ gegründet
mit dem Ziel, das Engagement von Frauen im Bereich digitale
Medizin/Gesundheit sichtbar zu machen. Gemeinsam wollen die Frauen aus
unterschiedlichen Bereichen dafür sorgen, das Bewusstsein für
geschlechtsspezifische Fragen zu schärfen und eine größere Anerkennung von
weiblichen Führungskräften und Rednerinnen zu schaffen. Um die Diskussion
über Chancengleichheit in der KI-Forschung voranzubringen, veranstaltet
das Netzwerk „sheHealth“ am Berlin Institute of Health jetzt die Tagung
zum Thema Frauen und Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen.
Die Tagung findet am 16.12.2019 von 15:30–20:00 Uhr in der Hörsaalruine
der Charité –
Universitätsmedizin Berlin statt. Journalist*innen sind herzlich
eingeladen, teilzunehmen und melden sich bitte bei
an.
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Über das Berlin Institute of Health (BIH)
Das Berlin Institute of Health (BIH) ist eine Wissenschaftseinrichtung für
Translation und Präzisionsmedizin. Das BIH widmet sich neuen Ansätzen für
bessere Vorhersagen und neuartigen Therapien bei progredienten
Krankheiten, um Menschen Lebensqualität zurückzugeben oder sie zu
erhalten. Mit translationaler Forschung und Innovationen ebnet das BIH den
Weg für eine nutzenorientierte personalisierte Gesundheitsversorgung. Das
BIH wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung
(BMBF) und zu zehn Prozent vom Land Berlin gefördert. Die
Gründungsinstitutionen Charité – Universitätsmedizin Berlin und Max-
Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft
(MDC) sind im BIH eigenständige Gliedkörperschaften.
