DSG: Gesetz zur digitalen Versorgung – DSG befürwortet Gesundheits-Apps auf Rezept zur Schlaganfalldiagnose u. Therapie
Bei einem Schlaganfall zählt jede Sekunde – eine schnelle Reaktion des
Patienten oder seines Umfeldes ist gefragt. Doch welche Symptome deuten
auf einen Hirninfarkt hin? Wie verhält man sich in einer solchen Situation
richtig? Und worauf ist in der Rehabilitationsphase nach einem
Schlaganfall zu achten? Gesundheits-Apps können Betroffene hier
unterstützen. Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) befürwortet den
Einsatz solcher digitalen Helfer, sofern sie bestimmten Qualitätskriterien
entsprechen. Die Fachgesellschaft begrüßt deshalb den Vorstoß des
Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) ab 2020 Gesundheits-Apps auf
Rezept einzuführen.
„Ab Anfang kommenden Jahres ersetzen die gesetzlichen Krankenkassen die
Kosten für Gesundheits-Apps, wenn ein Arzt die digitalen Helfer
verschreibt. Dies hat der Bundestag im Gesetz zur digitalen Versorgung
festgelegt. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist, dass sie hohen
Qualitätskriterien entsprechen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und
Medizinprodukte (BfArM) soll die digitalen Helfer künftig auf ihre
Qualität, Funktionalität und ihren Nutzen hin prüfen.
„Wenn Apps in der Schlaganfalltherapie eingesetzt werden, dann müssen sie
einfach zu handhaben sein und zugleich einen hohen Nutzen haben“, sagt
Professor Dr. med. Wolf-Rüdiger Schäbitz, Pressesprecher der DSG. „Wir
befürworten digitale Anwendungen beispielsweise dann, wenn sie dabei
unterstützen, die Symptome eines Schlaganfalls rasch zu erkennen und
schnell Hilfe zu holen.“ Das ist zum Beispiel bei einer kostenlosen App
des Klinikums Osnabrück der Fall. Sie weist mit einfachen, kurzen Bildern
und Erläuterungen auf die zentralen fünf Symptome eines Schlaganfalls hin
– von Lähmungen, über Sprach- und Sehstörungen sowie Schwindel bis hin zu
Kopfschmerzen. Die App hilft bei der Interpretation der Symptome und
animiert dazu, den Notarzt rasch zu alarmieren – denn schnelles Handeln
ist gerade bei einem Schlaganfall sehr wichtig. Bei einem Hirninfarkt
zählt jede Minute. „Deshalb ist es entscheidend für die Prognose eines
Schlaganfallpatienten, dass die Symptome sofort erkannt werden und dass
der Betroffene so schnell wie möglich in ein Krankenhaus – möglichst eines
mit Stroke-Unit – kommt.“
„Auch für die Therapie eines Schlaganfalls bieten sich Apps an“, begrüßt
Schäbitz, Chefarzt der Klinik für Neurologie am Evangelischen Klinikum
Bethel in Bielefeld. die neue Entwicklung. Viele Patienten müssen wieder
sprechen lernen und gehen deshalb regelmäßig zur Logopädie, also zur
Sprachtherapie. Die Kosten für unterstützende Apps werden teilweise
bereits übernommen: Die IKK gesund plus trägt beispielsweise bereits seit
Ende 2018 die Kosten für eine Gesundheits-App, die die Arbeit des
Sprachtherapeuten ergänzen und unterstützen soll. Der Patient kann damit
auch zuhause für ihn persönlich passende Übungen trainieren und so
zusätzlich zum Besuch beim Logopäden das Verstehen, Sprechen oder Lesen
üben. Die App gibt Feedback und Hilfestellung und läuft auf einem Tablet;
der Logopäde passt die Übungen an den Bedarf des Patienten an. „Der
Patient kann selbst noch mehr zum Therapieerfolg beitragen, weil die
Übungen nicht auf den Besuch beim Logopäden beschränkt sind“, betont
Schäbitz. „Eigeninitiative hilft bei der Rehabilitation!“
Die Experten der DSG befürworten also sowohl Apps in der
Schlaganfallbehandlung als auch in der Therapie, sofern sie einfach zu
handhaben und funktionell hochwertig sind. Wichtig sei auch, dass die
Anwendungen wirklich der Gesundheitsversorgung dienen. „Es gibt auch viel
Schnickschnack auf dem Markt, der keinen wirklichen Nutzen für Ärzte und
Patienten hat“, so Schäbitz. Der Qualitätsscheck durch das Bundesinstitut
für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sei deshalb sehr relevant.
