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Urologie 2020 – es ist Zeit“ für Digitalisierung und bessere Früherkennung - DGU-Präsident drückt aufs Tempo

Der 72. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V. findet vom 23. bis 26. September 2020 in Leipzig statt.  DGU
Der 72. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V. findet vom 23. bis 26. September 2020 in Leipzig statt. DGU
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Der 72. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V. findet vom 23. bis 26. September 2020 in Leipzig statt.  DGU
Der 72. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V. findet vom 23. bis 26. September 2020 in Leipzig statt. DGU

„Urologie 2020 – es ist Zeit“: Mit seinem Motto für den 72. Kongress der
Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V. (DGU) vom 23. bis 26. September
2020 in Leipzig drückt der amtierende Präsident der Fachgesellschaft aufs
Tempo. Vor allem die Stärkung der Digitalisierung in der Urologie, der KI-
unterstützten Chirurgie und der urologischen Krebsfrüherkennung sind für
Prof. Dr. Dr. Jens Rassweiler drängende Anliegen seiner Präsidentschaft.


„Natürlich müssen wir uns zeitnah auf die Digitalisierung der Medizin
einstellen, aber es ist nicht ‚Fünf vor Zwölf’. Das reale Tempo bei der
Einführung neuer Technologien ist deutlich langsamer. Deshalb ist es Zeit,
sich Zeit zu nehmen, um zu würdigen, was die Urologie zum Beispiel als
Vorreiter bei Laparoskopie und robotor-assistierten Operationstechniken
erreicht hat. Dann sehen wir, dass sich unser Fach bereits erfolgreich
mitten im Digitalisierungsprozess befindet. Gerade deshalb sollten wir uns
von der Zukunft nicht ängstigen lassen. Es gibt keinen Grund angesichts
neuer Herausforderungen im Selbstmitleid zu verharren und in der Tat auch
keine Zeit dafür“, sagt der Direktor der Klinik für Urologie und
Kinderurologie an den SLK-Kliniken Heilbronn.

Drei Anwendungsgebiete sieht der DGU-Präsident im Zentrum der digitalen
Transformation: Die Telemedizin, die KI-unterstützte Diagnostik und die
KI-unterstützte operative Therapie. „Die Telemedizin ist ja inzwischen
schon im EBM angekommen, wo entsprechende Qualitätsanforderungen zur
Durchführung und Abrechnung der Videosprechstunde festgelegt sind. Primär
geht es sicher darum, Videosprechstunden für entsprechend selektionierte
Patientengruppen anzubieten. Hier konnte das Johns-Hopkins-Institut bei
der Nachsorge nach radikaler Prostatektomie viele Vorteile für die Online-
Konsultation belegen. In Zweifelsfällen kann der Patient dann zur
entsprechenden Untersuchung einbestellt werden.“ Beim Inhalt digitaler
Informationsplattformen wie dem Urologenportal hätten die
Fachgesellschaften die Aufgabe, sich qualitativ von Dr. Google abzuheben.
Auch mit der Online-Entscheidungshilfe Prostatakrebs und dem
Zweitmeinungsportal zu Hodenkrebs sowie demnächst auch zum Peniskarzinom
sei die DGU auf einem sehr guten Weg. „Wir sind dabei, wertvolle Daten zu
kreieren, die wir mithilfe von KI weiter nutzen bzw. deren Nutzen wir
optimieren können. Aber künstliche Intelligenz kann nur so gut sein, wie
die Qualität der eingegebenen Daten ist. Wirtschaftliche Modelle gilt es,
vonseiten der Fachgesellschaften zu unterbinden. Gerade die
wirtschaftliche Unabhängigkeit der Forschung in der Medizin ist eine ihrer
größten Stärken“, betont Prof. Dr. Dr. Jens Rassweiler.

In der KI-gestützten Diagnostik dominiert die Radiologie. Aber auch die
Urologie hat nach Worten des DGU-Präsidenten bei der Prostatadiagnostik
mittels transrektalem Ultraschall bereits Erfahrungen mit neuronalen
Netzwerken gesammelt. „Unsere Kenntnisse bei der Beurteilung des
multiparametrischen MRT werden immer wichtiger. Entsprechende Kurse im
wissenschaftlichen Programm des 72. DGU-Kongresses tragen dem Rechnung. Es
wird spannend werden, wie viel Radiologie wir zukünftig zur Interpretation
eines MRT der Prostata benötigen werden. Auf jeden Fall werden diese KI-
Entwicklungen mit hochqualitativen Daten gefüttert.“

Es ist Zeit für Surgery 4.0

Die KI-unterstützte Chirurgie, die Surgery 4.0 analog zur Industry 4.0,
ist für Prof. Rassweiler das spektakulärste Feld des digitalen Wandels.
„Hier geht es um die generelle Nutzung von ‚Big Data’ im Rahmen von
Surgical Data Science – einem neuen Forschungsfeld, das alle bei einer
Operation anfallenden Daten erfassen und koordinieren soll. ‚Kabelsalat’
im OP wird sich erübrigen, da die Geräte über WLAN kommunizieren werden.
Jedes Gerät wird mit optischen Markern ausgerüstet werden, womit seine
Position im OP-Saal, aber auch bezüglich des Patienten definiert und
aktualisiert werden kann. Chirurgische Checklisten wie Team-time-out
werden im Hintergrund automatisch ablaufen“, erklärt Prof. Rassweiler.
Virtuelle Realität und Navigationstechniken sollen zur Optimierung der OP-
Techniken genutzt werden, meist minimal-invasiver video-basierter
Techniken wie Endourologie oder Laparoskopie. „Dabei stellt die
Weichteilnavigationstechnologie in der Urologie derzeit noch eine große
Herausforderung dar“, so der international renommierte Pionier der
robotischen Chirurgie in der Urologie.

Es ist Zeit für den PSA-Test als angemessen honorierte Kassenleistung

In der analogen Welt verfolgt der DGU-Präsident die Stärkung der
urologischen Krebsfrüherkennung, insbesondere beim Prostatakarzinom, der
mit rund 60.000 Neuerkrankungen im Jahr häufigsten Krebserkrankung des
Mannes. Für Prof. Rassweiler ist es Zeit für den PSA-Test als Leistung der
gesetzlichen Krankenkassen, die angemessen vergütet sein muss: „Zum DGU-
Kongress im September 2020 wird der Abschlussbericht des Instituts für
Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zur Bewertung
eines Prostatakrebs-Screenings mittels Bestimmung des prostataspezifischen
Antigens (PSA) erwartet. Dass das IQWiG in seinem Vorbericht entgegen dem
aktuellen White Paper der EAU und entgegen der wissenschaftlichen
Stellungnahme der DGU vom 6. Mai 2019 jüngst eine negative Bewertung eines
PSA-basierten Screenings vorgenommen hat, bedauern wir sehr und werden
unsere Position deshalb nochmals in das nun laufende Stellungnahme
Verfahren einbringen.“
"Bei der modernen risikoadaptierten Prostatakarzinomfrüherkennung geht es
um mehr als einen Überlebensvorteil der früh diagnostizierten Karzinome -
es geht vielmehr auch darum, Patienten vor den starken Einschränkung der
Lebensqualität und dem großen Leid durch zu spät erkannte metastasierte
Prostatakarzinome mit z.B. Knochenmetastasen und den damit verbundenen
sehr kosten- und nebenwirkungsreichen Systemtherapien zu bewahren" so
Prof. Dr. Maurice Stephan Michel, Generalsekretär der Deutschen
Gesellschaft für Urologie.

Aufklärung über Prävention urologischer Erkrankungen und
Krebsfrüherkennung zum Beispiel im Rahmen der Kampagne „Urologie für alle.
Für jeden. Für uns“ mit ihren vielen prominenten Unterstützern hat bei der
DGU seit Langem einen hohen Stellenwert und die volle Unterstützung des
amtierenden Präsidenten: „Es geht darum, dass wir die Bevölkerung über die
Möglichkeiten der Früherkennung urologischer Tumoren optimal informieren
und erreichen. Das bedeutet, wie bei unseren Urologischen Themenwochen,
alle modernen Kommunikationskanäle zu nutzen und Inhalte zum Beispiel auf
www.hodencheck.de und in den sozialen Medien präsent zu halten. Aber
natürlich gehören auch traditionelle Patientenforen weiterhin dazu, und
auch in Leipzig werden wir wieder zu einer Laienveranstaltung auf dem DGU-
Kongress einladen.“

Die Fachbesucher erwartet mit jeweils über 50 Foren, Vortragssitzungen
sowie Arbeitkreissitzungen und -kursen die weltweit drittgrößte
urologische Fachtagung und eine ideale Plattform für den urologischen
Gedankenaustausch in Mitteleuropa. Die internationale Zusammenarbeit
möchte Prof. Rassweiler in Leipzig auch mit Blick auf die Leitlinienarbeit
der Fachgesellschaften forcieren. „Getreu meinem Kongressmotto ist es Zeit
für internationale Leitlinien. Wir wollen gemeinsam mit Prof. James N’Dow,
dem Chairman der EAU-guide-lines, und den Generalsekretären der EAU, Prof.
Chris Chapple, und der AUA, Dr. John Denstedt, den Aspekt international
gültiger Leitlinien beleuchten und zur Kooperation motivieren. Es macht
langfristig keinen Sinn, dass sich zahlreiche Leitliniengruppen weltweit
mit der gleichen Literatur befassen und diese in Leitlinien formulieren.
Das ist vielmehr eine Verschwendung humaner Ressourcen“, sagt der DGU-
Präsident und lädt Urologinnen und Urologen aus Klinik und Praxis herzlich
zum 72. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie vom 23. bis 26.
September 2020 im Congress Center Leipzig ein.