GP: Hoffnung für Mukoviszidose-Patienten: Oskar Medizinpreis auf dem Gebiet der Pneumologie verliehen
Die Mukoviszidose ist in Deutschland eine der häufigsten Erbkrankheiten:
Bis zu 8000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene sind von der unheilbaren
Erkrankung betroffen. Patienten mit Mukoviszidose leiden an chronischen,
infektiösen Lungenerkrankungen, die durch bakterielle, virale oder Pilz-
Erreger verursacht werden. Wie das Immunsystem der Betroffenen auf
bestimmte Pilzinfektionen reagiert, damit beschäftigt sich Professor Dr.
rer. nat. Petra Bacher vom Institut für Klinische Molekularbiologie und
Institut für Immunologie an der Christian-Albrechts-Universitä
seit mehreren Jahren intensiv.
Für ihre wegweisenden wissenschaftlichen Arbeiten verleiht die Stiftung
Oskar-Helene-Heim ihr nun den Oskar Medizinpreis 2019. Die Laudatio hält
Professor Dr. med. Michael Pfeifer, Präsident der Deutschen Gesellschaft
für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP).
Schimmelpilzsporen werden täglich über die Atemluft aufgenommen. Während
sie für gesunde Menschen harmlos sind, können sie sich bei Menschen mit
Mukoviszidose in der Lunge ansiedeln und so das Krankheitsbild
verschlechtern. Doch wieso versagt das Immunsystem bei den Betroffenen?
Dieser Frage widmet sich Professor Bacher in ihrer Forschung in enger
Zusammenarbeit mit Alexander Scheffold, Institut für Immunologie, Kiel und
Carsten Schwarz, Leiter der Sektion Erwachsene Cystische Fibrose an der
Charité Berlin. „Seit mehreren Jahren untersuchen wir, wie das Immunsystem
von Mukoviszidose-Patienten auf bestimmte Pilze reagiert und welche Rolle
Immunzellen, wie die sogenannten T-Helfer-(Th)-Zellen, dabei spielen“,
sagt Professor Bacher, Leiterin der Arbeitsgruppe Intestinale
Immunregulation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein.
Zum einen konnte die Forscherin ein immunologisches Modell entwickeln, das
zeigt, warum Mukoviszidose-Patienten, im Gegensatz zu gesunden Menschen,
eine allergische Reaktion gegenüber bestimmten Schimmelpilzen aufzeigen.
„Zum anderen ist es uns gelungen, einen Mechanismus zu entschlüsseln, über
den bestimmte Mikrobiome Entzündungs-reaktionen in der Lunge verstärken",
ergänzt Bacher. Denn ein Pilz namens Candida albicans, der Darm und
Schleimhäute besiedelt, spielt bei der Abwehrreaktion von Mukoviszidose-
Patienten eine zentrale Rolle: „Er sorgt dafür, dass eine bestimmte Art
von Immunzellen, die sogenannten Th17 Zellen, gebildet werden: Diese haben
zwar eine schützende Funktion in der Darmflora, tragen jedoch bei
Mukoviszidose-Patienten zu einer überschießenden Reaktion gegenüber
luftübertragenen Pilzen in der Lunge bei.
„Diese neuen Erkenntnisse ermöglichen die Entwicklung neuer und
individualisierter Therapieansätze“, so DGP-Präsident und Jurymitglied
Professor Dr. med. Michael Pfeifer. „Je besser wir diese immunologischen
Prozesse bei Mukoviszidose-Patienten verstehen, desto effektiver können
wir eine Gegenwehr gegen Pilz-Erreger ergreifen und Patenten mehr
Lebensqualität ermöglichen“, betont der Chefarzt des Zentrums für
Pneumologie an der Klinik Donaustauf. Im Kampf für eine bessere
Lebenserwartung und -qualität mit Mukoviszidose ist das von größter
Bedeutung.
Der Oskar-Medizinpreis ist mit 50.000 Euro einer der höchstdotierten
Medizinpreise in Deutschland und wird für herausragende Leistungen auf dem
Gebiet der Medizin verliehen. Die Preisverleihung findet am Freitag, den
24. Januar 2020, im Rahmen des 6. WATL-Kongresses in Berlin statt.
