Therapien gegen Herzinfarkt: Forscher nehmen Entzündungen ins Visier

Bei der koronaren Herzerkrankung spielen thrombozytäre Chemokine eine
wichtige Rolle – womöglich auch für neue Therapien gegen diese
gefährlichen Durchblutungsstörungen. Die Herzstiftung fördert ein
Forschungsvorhaben auf diesem Gebiet
Bei der koronaren Herzkrankheit (KHK) kommt es in einem langen
schleichenden Prozess zu Gefäßwandveränderungen durch Plaques, die
Verkalkungen, Bindegewebe und Cholesterin enthalten (Arteriosklerose).
Dadurch verengen sich Herzkranzgefäße, so dass die Durchblutung des
Herzens – je nach Schweregrad bis hin zum Herzinfarkt – behindert wird.
Trotz enormer Therapiefortschritte in den vergangenen Jahrzehnten bei der
Bekämpfung der KHK, ist die Zahl der Klinikeinlieferung und Sterblichkeit
im Vergleich zu anderen Erkrankungen weiterhin hoch. Bei der Entstehung
der Arteriosklerose und nach einem erlittenen Herzinfarkt spielen
Entzündungsprozesse eine wichtige Rolle. „Das Interesse der Herzmedizin an
Therapien zur Bekämpfung entzündlicher Vorgänge insbesondere in den
Herzkranzgefäßen ist daher groß, um Herzpatienten vor den Folgen der
Arteriosklerose wie KHK und Herzinfarkt zu schützen“, betont der
Herzspezialist Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer, stellv. Vorsitzender der
Deutschen Herzstiftung. „Deshalb fördern wir innovative Forschungsansätze
auf diesem Gebiet.“ Infos für Patienten unter www.herzstiftung.de/khk-
sonderband.html
Ziel: Neue anti-entzündliche und gefäßbildende (angiogenetische)
Wirkstoffe zur Therapie der KHK
Die gezielte Hemmung entzündlicher Vorgänge in den Herzkranzgefäßen ist
Gegenstand eines Forschungsprojekts am Universitätsklinikum Tübingen unter
der Leitung von PD Dr. med. Dr. med. univ. Dominik Rath. Diese
Entzündungsprozesse fördern die Arteriosklerose und führen so schließlich
zum Herzinfarkt, beeinflussen aber auch die Regeneration von
Herzmuskelgewebe nach einem Herzinfarkt. Hierfür spielen sogenannte
Chemokine, kleinste Proteine auf Molekularebene, eine wichtige Rolle.
„Chemokine sind wesentlich an Entzündungsprozessen in Herzkranzgefäßen
aber auch an der Regeneration nach einem Herzinfarkt beteiligt, zum
Beispiel, indem sie die Bildung von Bindegewebe und die Gefäßneubildung
steuern“, erläutert der Oberarzt an der Medizinischen Klinik III:
Angiologie des Tübinger Universitätsklinikums. Im Rahmen eines von der
Deutschen Herzstiftung und Deutschen Stiftung für Herzforschung mit rund
54.000 Euro geförderten und auf zwei Jahre angelegten Forschungsvorhabens
nehmen Rath und Kollegen die Bedeutung des Chemokins CXCL14 für die
Funktion des Herzmuskels im Rahmen der koronaren Herzerkrankung ins
Visier. Der Titel des Forschungsprojekts lautet „Bedeutung des Chemokins
CXCL14 für die myokardiale Funktion bei ischämischer Herzerkrankung“.
Thrombozytäre Chemokine: Risiko-Indikatoren und therapeutische Ziele
Blutplättchen (Thrombozyten) werden bei Verletzungen oder Entzündungen im
Kontext von Herzgefäßerkrankungen aktiviert. Dabei setzen sie zahlreiche
Chemokine frei. CXCL14 ist solch ein Chemokin, das in Thrombozyten
existiert und von ihnen freigesetzt wird. Wie viele andere Kleinstproteine
ist CXCL14 an der Entstehung neuer Blutgefäße beteiligt, kann aber die
Gefäßneubildung auch hemmen. „Bereits durchgeführte Untersuchungen lassen
vermuten, dass dieses Chemokin eine bedeutende, jedoch nicht ausreichend
verstandene Rolle für das Fortschreiten der Arteriosklerose sowie für
Reparaturvorgänge bei Gefäßverletzungen spielt“, betont Rath. So
beeinflussen thrombozytäre Chemokine unter anderem die Freisetzung von
Zellen des Immunsystems (Monozyten) sowie deren Umwandlung zu Fresszellen
(Makrophagen). „Somit sind sie für das effektive Arbeiten des Immunsystems
verantwortlich und wirken bei Entzündungen wie ein Alarmsignal“, betont
der Tübinger Forscher und Arzt. Das geplante Forchungsprojekt soll die
Bedeutung von CXCL14 für die Krankheitsprozesse Entzündung und
Thrombenbildung in Herzgefäßen sowie für die myokardiale Regeneration nach
Herzinfarkt auf grundlagenwissenschaftlicher Ebene sowie an Patienten mit
symptomatischer KHK untersuchen.
Bundesweit leiden nach Expertenschätzungen bis zu sechs Millionen Menschen
an KHK, der Grunderkrankung des Herzinfarkts. Zu fast 650.000
Klinikeinweisungen pro Jahr wegen KHK kommt es in Deutschland. Fast 50.000
Menschen sterben pro Jahr am Herzinfarkt. Im Rahmen seines
Forschungsprojekts widmet sich Rath unter anderem folgenden
Fragestellungen:
- Welche Bedeutung hat die Freisetzung von CXCL14 aus Thrombozyten für
Entzündungsprozesse und das Entstehen und Fortschreiten der
Arteriosklerose?
- Inwiefern eignet sich CXCL14 als Ziel-Biomolekül für neue anti-
entzündliche und angiogenetische Wirkstoffe zur Behandlung der
Arteriosklerose und des Herzinfarkts?
- Wie verändert sich die Freisetzung von CXCL14 bei Patienten z. B. mit
stabiler KHK und Herzinfarkt?
Herzforschung nah am Patienten: Förderung für Herzforscherinnen und
Herzforscher
Dank der finanziellen Unterstützung durch Stifterinnen und Stifter,
Spender und Erblasser kann die Deutsche Herzstiftung (www.herzstiftung.de)
gemeinsam mit der von ihr 1988 gegründeten Deutschen Stiftung für
Herzforschung (www.dshf.de) Forschungsprojekte in einer Größenordnung
finanzieren, die die Herzstiftung und Stiftung für Herzforschung in der
kardiovaskulären Forschung unverzichtbar machen. Allein 2018 förderte die
Deutsche Herzstiftung mit über 2,5 Millionen Euro gemeinsam mit der DSHF
Forschungsprojekte auf dem Gebiet der Herz-Kreislauf-Erkrankungen. An
einer Förderung interessierte Herzforscherinnen und Herzforscher wenden
sich an: Deutsche Herzstiftung e. V., Valerie Popp und Christine Koch,
Tel. 069 955128-0 oder E-Mail:
Kostenfreier Ratgeber zu KHK und Herzinfarkt: Für Patienten mit koronarer
Herzkrankheit und nach Herzinfarkt bietet die Herzstiftung den
kostenfreien Ratgeber „Herz in Gefahr: Koronare Herzkrankheit und
Herzinfarkt“ an. Der Band kann angefordert werden unter
www.herzstiftung.de/khk-sonder
oder per E-Mail unter
