Leben retten – nur eine rasche „Notbremsung“ kann jetzt helfen
Stellungnahme
der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie und der Deutschen
Gesellschaft für Innere Medizin:
Leben retten – nur eine rasche „Notbremsung“ kann jetzt helfen
Die Infektionen mit SARS-CoV-2 und die COVID-19 Erkrankungen steigen
aktuell in Deutschland rapide an. Die exponentielle Zunahme der Fälle wird
bei ungebremster Fortsetzung des Trends und der aktuell verzeichneten
Verdopplung der Fallzahlen etwa alle drei Tage, zu etwa 20.000 Fällen in
Deutschland bis Ende dieser Woche führen. Die Beobachtung einer bisher
niedrigen Mortalität ist trügerisch, sie steigt erst im weiteren Verlauf
der Ausbreitung an.
Dieser Trend ist bereits jetzt sichtbar: Die Letalität betrug bis zum 9.
März 2020 noch 0% und liegt aktuell bei 0,2%. In den Kliniken lässt sich
parallel eine rasch steigende Zahl von stationär oder intensivmedizinisch
behandlungspflichtiger Patienten beobachten.
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Um die weitere Ausbreitung zu bremsen, muss unmittelbar gehandelt werden,
so die Experten der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie und der
Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin. Länder wie Taiwan, Südkorea
oder Hongkong haben gezeigt, dass mit tiefgreifenden Einschränkungen des
öffentlichen Lebens eine Eindämmung der Epidemie möglich ist. Kommen diese
zu einem zu späten Zeitpunkt – wie in Italien geschehen – sind diese
Maßnahmen weit weniger wirksam.
Die überwiegend milden Verläufe bei jüngeren und gesunden Infizierten
täuschen über die Bedrohung durch SARS-CoV-2 hinweg; ihnen steht eine
dramatisch hohe Rate an schweren Verläufen bei chronisch kranken,
immunsupprimierten und älteren Menschen gegenüber. Es muss vermieden
werden, dass Kontaktpersonen dieser besonders gefährdeten
Bevölkerungsgruppen die Infektion an diese weitergeben. Eine der
wichtigsten Gruppen hierbei sind Mitarbeiter in Seniorenheimen und
Pflegeeinrichtungen, ambulante Pflegedienste und alle anderen
Berufsgruppen, die vor allem kranke und ältere Mitmenschen betreuen.
In der letzten Woche sind mit der Absage von Großveranstaltungen und
Schließung von Schulen und Kindertagesstätten bereits wichtige Schritte
unternommen worden. Diese Maßnahmen reichen jedoch nicht aus. Die weitere
Ausbreitung von COVID-19 kann nur durch noch deutlich weitergehende
Einschränkungen des öffentlichen Lebens gelingen: Hierzu zählt die völlige
Schließung von gastronomischen Betrieben und nicht-systemrelevanten
Arbeitsstätten. Wie in anderen Ländern sollten Zusammenkünfte von mehr als
fünf Personen unterbleiben. Die zwingende Notwendigkeit solcher Maßnahmen
muss der Bevölkerung sehr deutlich und anschaulich vermittelt werden,
damit sie entsprechend angenommen werden.
Den Anstieg der Fälle für die nächsten zwei Wochen lässt sich aktuell kaum
mehr beeinflussen, aber rasche effektive Maßnahmen können immer noch die
Höhe der anrollenden Welle von Infektionen deutlich verringern. Die
wirtschaftlichen Folgen sind erheblich und viele Anstrengungen werden
nötig sein, um diese abzumildern. Bei nüchterner Betrachtung aller
Alternativen wird dennoch nur die sofortige „Notbremsung“ des öffentlichen
Lebens noch größere Schäden verhindern.
Für die DGI:
Prof. Dr. med. Bernd Salzberger, Vorsitzender der DGI
Für die DGIM:
Prof. Dr. med. Jürgen Floege, Vorsitzender der DGIM
