Corona-Pandemie und Herznotfälle: Bei Herzinfarkt-Verdacht keine Scheu vor dem Notruf 112
Notfallmediziner warnen: Bei Verdacht auf Herzinfarkt oder andere
Herznotfälle nicht zögern, sondern sofort den Notruf 112 absetzen.
Kliniken sind trotz Corona-Pandemie für Herz- und andere Notfälle gerüstet
Jedes Jahr sterben pro Jahr bundesweit fast 345.000 Menschen an Herz-
Kreislauf-Erkrankungen, davon rund 47.000 Menschen allein am Herzinfarkt.
Unter den Herzinfarkt-Sterbefällen sind auch Menschen im mittleren Alter,
was jüngst im Profifußball der tragische Tod eines 48-jährigen
Spielerberaters zeigt. Etwa 30 Prozent der Herzinfarktpatienten versterben
außerhalb der Klinik, auch weil sie zu spät oder gar nicht den Notarzt
(112) alarmieren. „Bei Herzinfarkt-Verdacht zögern immer noch viele
Betroffene davor, den lebensrettenden Notruf 112 abzusetzen, häufig aus
Scheu vor dem Rettungswagen vor der eigenen Haustür oder weil die Symptome
nicht richtig zugeordnet werden“, berichtet der Kardiologe Prof. Dr. med.
Thomas Voigtländer, stellvertretender
Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. „Herzinfarkt, aber auch
andere
Herznotfälle wie eine akut dekompensierte Herzinsuffizienz oder
lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen sind keine aufschiebbaren
Krankheitsfälle, sondern unterliegen selbstverständlich weiterhin der
Notfallversorgung“, bestätigt Voigtländer. „Eine Notfallversorgung für
diese Patienten ist weiterhin gewährleistet.“ Infos zur Ersten Hilfe bei
Herzinfarkt und Herzstillstand unter www.herzstiftung.de/herznotfal
verhalten.html
Corona-Pandemie: Macht sie Notfallpatienten für die 112 zögerlicher?
Zu langes Warten bei Herzinfarkt-Verdacht ist besonders gravierend bei
Frauen und Männern, die älter als 65 Jahre sind. Bei Ihnen dauert es im
Schnitt über vier beziehungsweise drei Stunden, bis sie nach dem Auftreten
der ersten Herzinfarkt-Symptome in die Notaufnahme gelangen (MEDEA-
Studie*). „Dieses fatale Verzögerungsverhalten bei Notfallpatienten dürfte
sich angesichts der Corona-Pandemie noch deutlich verstärken“, warnt der
Ärztliche Direktor des Agaplesion Bethanien-Krankenhauses und Kardiologe
am Cardioangiologischen Centrum Bethanien (CCB) Frankfurt am Main.“
Schließlich gelten mit der Pandemie verbundene Einschränkungen wie eine
soziale Distanz besonders für den Schutz der Risikogruppe der über
60-Jährigen mit Vorerkrankungen wie chronische Herz-Kreislauf-
Erkrankungen. Diese Art Rückzugsgebot dürfte bei diesen Menschen die
Hemmschwelle für den Notruf 112 oder den Schritt in die Klinik um ein
Weiteres erhöhen.“
Die Deutsche Herzstiftung appelliert deshalb an Herzpatienten und Menschen
mit Vorbelastung für Herzinfarkt und andere Herzkrankheiten, bei Verdacht
auf Herzinfarkt sofort den Notruf 112 abzusetzen. „Der Notarzt ist hier so
wichtig, weil der Herzinfarkt jederzeit in Herzkammerflimmern übergehen
und der Patient in wenigen Minuten am plötzlichen Herztod versterben kann.
Ebenso kann durch den Infarkt ein größerer Teil des Herzmuskels
irreparabel zerstört werden und der Patient entwickelt dadurch akut oder
auch langfristig eine Herzschwäche“, betont Voigtländer. „Beim Herzinfarkt
zählt deshalb jede Minute nach dem Prinzip: Zeit ist Herzmuskel.“
Herzinfarkt-Verdacht: auf diese Warnzeichen achten!
Typische Herzinfarkt-Symptome sind insbesondere plötzlich einsetzende
starke Schmerzen, die länger als fünf Minuten anhalten und sich in Ruhe
nicht bessern (häufig: kalter Schweiß, Blässe, Übelkeit, Atemnot, Unruhe
und Angst). Die Schmerzen sind überwiegend im Brustkorb, häufig hinter dem
Brustbein, bisweilen auch nur im Rücken zwischen den Schulterblättern oder
im Oberbauch. Die Schmerzen können in den Arm, den Hals oder Kiefer
ausstrahlen. Mehr Infos zu dem Herzinfarkt-Schmerzorten unter:
www.herzstiftung.de/Anzeichen-
Bei diesen Warnzeichen sofort zum Arzt!
Generell sollten Betroffene bei den folgenden Warnzeichen umgehend zum
Internisten oder Kardiologen. Sie können untersuchen, ob z. B. eine
Herzrhythmusstörung als Folge einer koronaren Herzkrankheit (die
Grunderkrankung des Herzinfarkts), oder andere Herzerkrankungen wie
Herzklappenerkrankungen oder eine Herzschwäche vorliegt. Unbehandelt
können diese Erkrankungen zu schwerwiegenden, auch notfallmäßigen,
Komplikationen führen:
- Schmerzen oder ein unangenehmes Engegefühl im Brustkorb (Angina
pectoris) und/oder Luftnot
- Herzrasen mit Einschränkung der Belastbarkeit
- Hartnäckiges Herzstolpern
- Kurze Bewusstlosigkeiten (Synkopen)
- Schwindelanfälle, drohende Bewusstlosigkeiten
Diese Beschwerden können Warnzeichen auch für mehrere Herzerkrankungen
zugleich sein. „Angina pectoris-Beschwerden können Vorboten für eine
fortgeschrittene Herzkranzgefäßverengung bis hin zum Herzinfarkt sein,
aber auch Anzeichen einer operationsbedürftigen Herzklappeninsuffizienz“,
erläutert Voigtländer. Auch Atemnot und Leistungsschwäche sind, wie der
Herzspezialist betont, typische Symptome für eine Herzschwäche oder eine
andere Herzproblematik wie Herzklappenerkrankung oder aber Vorhofflimmern.
Kurze Synkopen können ein harmloses neurologisches Problem, aber auch
Vorboten einer bösartigen Herzrhythmusstörung (Kammerflimmern) sein.
„Deshalb sollte man bei diesen Symptomen einen Facharzt aufsuchen“, rät
Voigtländer.
Unbemerktes Vorhofflimmern und Schlaganfallgefahr
Bei etwa 50 % der über 1,8 Millionen Betroffenen mit Vorhofflimmern macht
sich die Herzrhythmusstörung mit spürbaren Beschwerden wie Herzstolpern
und Herzschlag bis zum Hals, Druckgefühl im Brustkorb, Angst, Luftnot,
Schwindelgefühl und Leistungsschwäche bemerkbar. Bei Vorhofflimmern ist
meistens das Herz völlig außer Takt, es schlägt chaotisch mit einem Puls
von bis zu 160 Schlägen pro Minute, selten sogar schneller. Ist der Puls
unregelmäßig oder liegt er in Ruhe über 100 Schlägen pro Minute, sollte
man den Hausarzt oder Internisten aufsuchen. Bei Vorhofflimmern können
schon in wenigen Stunden in den Herzvorhöfen Blutgerinnsel entstehen, die
vom Blutstrom mitgeschleppt Arterien verschließen und je nach betroffenem
Areal einen Schlaganfall verursachen. Die typischen Warnzeichen für einen
Schlaganfall, bei denen auch sofort der Notarzt (112) zu alarmieren ist,
sind abrufbar unter www.herzstiftung.de/schlaganfa
Tipp: Ein Notfallset mit dem Ratgeber „Was tun im Notfall?“ (14 S.) und 2
Notfallkärtchen fürs Portemonnaie mit Darstellungen der Herzinfarkt-
Alarmzeichen und Erläuterungen zur Laien-Reanimation bietet die
Herzstiftung kostenfrei unter Tel. 069 955128400 oder unter
www.herzstiftung.de/herznotfal
Die Herzinfarkt-Alarmzeichen unter: www.herzstiftung.de/Anzeichen-
Herzinfarkt.html
* MEDEA-Studie: Comparison of Delay Times Between Symptom Onset of an
Acute ST-elevation Myocarclial Infarction and Hospital Arrival in Men and
Women <65 Years Versus 65 Years of Age.: Findings From the Multicenter
Munich Examination of Delay in Patients Experiencing Acute Myocardial
Infarction (MEDEA) Study. Ladwig KH, Fang X, Wolf K, Hoschar S, Albar
qouni L, Ronel J, Meinertz T, Spieler D, Laugwitz KL, Schunkert H. Am J
Cardiol. 2017 Dec 15;120(12):2128-2134. doi:
10.1016/j.amjcard.2017.09.005.
Weitere Infos der Herzstiftung zum Coronavirus unter:
www.herzstiftung.de/pressemeld
