Coronavirus: Blutdruckpatienten sollten ihre Blutdruckwerte jetzt zu Hause kontrollieren!
Die aktuelle Situation machte es notwendig, dass zwischenmenschliche
Kontakte auf ein Minimum eingeschränkt werden. Dies betrifft auch die
routinemäßige Blutdruckmessung in der Arztpraxis oder Apotheke. Angesichts
der möglichen Infektionsgefahr rät die Deutsche Hochdruckliga jetzt zu
einem effektiven wie einfachen Vorgehen: die kontrollierte Selbstmessung
mit Dokumentation im Blutdrucktagebuch und Übermittlung der Werte an den
Arzt. Die Hochdruckliga stellt entsprechende validierte Formulare bereit.
Selbst notwendige Therapieanpassungen können dann ohne Arztbesuch
erfolgen. Das reduziert das Ansteckungsrisiko.
Das SARS-CoV2 Virus grassiert und die Politik hat bereits drastische
Empfehlungen gegeben, um die Pandemie einzudämmen. Insbesondere ältere
Menschen sind durch eine Virusinfektion gefährdet, die besonders häufig
auch an Bluthochdruck (Hypertonie) leiden.
Zum Eigenschutz, aber auch zum Schutz der Mitmenschen ist es daher
wichtig, die sozialen Kontakte auf das Nötigste zu reduzieren. Dazu
gehören auch – so absurd es klingt – turnusmäßige Arztbesuche, z.B. zur
Kontrolle der Blutdruckeinstellung. Diese können ganz ohne direkten
Arztkontakt und Praxisbesuch stattfinden. Die Hochdruckliga hat hierfür
ein spezielles Protokoll erarbeitet: Patienten sollten eine Woche im Monat
Blutdruckmessen, nicht mehr, aber auch nicht weniger. In der Messwoche
sollte morgens und abends in Ruhe der Blutdruck gemessen und in das
Blutdrucktagebuch eingetragen werden. Einen speziellen Dokumentationsbogen
bietet die Deutsche Hochdruckliga auf ihren Internetseiten an. Nach drei
Monaten können die Werte dem Arzt übermittelt werden oder beim
Praxisbesuch vorgelegt werden. Der Arzt prüft den Verlauf und meldet sich
telefonisch oder per Videosprechstunde, falls eine Dosisanpassung oder
Therapieumstellung erforderlich ist. Prinzipiell könnten auch Apps zur
Messwerterfassung eingesetzt werden – wichtig ist, dass das Messprotokoll
eingehalten wird.
„Diese einfache und effektive Methode zum Blutdruck-Monitoring ist in
Studien bestens medizinisch validiert und hilft in der jetzigen Situation,
die Blutdruckkontrolle mit weniger Praxisbesuchen durchzuführen - und so
das Risiko der Coronavirus-Infektion zu mindern“, erklärt Professor
Florian Limbourg, Hannover, Vorstandsmitglied der Deutschen Hochdruckliga
DHL®. „Auch, wenn das persönliche Arzt-Patienten-Gespräch ansonsten
wichtig ist: Die Situation erfordert besondere Maßnahmen und wir müssen
unsere Patienten dazu auffordern, routinemäßige Arztkontakte auf ein
Minimum zu beschränken.“
In der Tat sei ein Großteil dessen, was jetzt empfohlen wird, aber ohnehin
medizinischer Goldstandard zur Überwachung des Blutdrucks. Die
Selbstmessung spielt eine zentrale Rolle, da sie oft aussagekräftigere
Werte gibt als die Messung beim Arzt. Misst der den Blutdruck in der
Praxis, sind die Werte oft höher, als wenn der Patient diese zu Hause
selbst überprüft. Das kann an der Nervosität liegen, die viele Patienten
beim Arztbesuch haben. Dieses Phänomen wird in Anspielung an den weißen
Arztkittel auch als „Weißkitteleffekt“ bezeichnet. Es kommt aber auch vor,
dass der Praxisblutdruck unter den tatsächlichen Werten liegt. Dieser
Effekt wird auch „maskierte Hypertonie“ genannt. Ohne die regelmäßige
Selbstmessung bleiben die zu hohen Werte unentdeckt und unbehandelt, was
gefährlich ist. „Daher ist es wichtig, dass Betroffene täglich zu Hause
ihren Blutdruck messen, wir fordern dazu ohnehin auf, auch ohne
Coronakrise, ebenso zur Dokumentation der Werte und Vorlage beim Arzt“,
erklärt Professor Markus van der Giet, Charité Berlin, Vorstandsmitglied
der Deutschen Hochdruckliga DHL®. Durch Corona wird also die Qualität der
Blutdrucküberwachung keinesfalls gesenkt. „Wir haben auf unserer
Internetseite eine einfache Anleitung für die richtige Blutdruckmessung
online gestellt. Wer sich daran hält, erfasst die Werte korrekt“, so der
Experte. Das Arzt-Patienten-Gespräch könne dann, wenn eine Veränderung der
Therapie erforderlich scheint, telefonisch oder per Videosprechstunde
erfolgen.
Prof. Dr. med. Ulrich Wenzel, Hamburg, Vorstandsvorsitzender der Deutschen
Hochdruckliga DHL® erklärt: „Der Deutsche Hausärzteverband hat bereits
alle Kollegen informiert, dass die bislang bestehende Begrenzung der
Videosprechstunden ab dem zweiten Quartal aufgehoben ist. Routinemäßige
Arztbesuche können also ins Netz verlegt werden und wir möchten daran
appellieren, die Devise «Beste medizinische Überwachung bei Vermeidung
aller Risiken» zu beherzigen“.
