Wie ICD-Patienten die Corona-Krise möglichst sorgenfrei überstehen
Die Tage strukturieren, das Grübeln begrenzen, Pessimisten meiden, den
Fokus auf Positives legen und in Bewegung bleiben. Diese und weitere
Empfehlungen geben Psychologen der Universität Würzburg und Kardiologen
des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz Patienten mit einer
Herzerkrankung auf www.icd-forum.de.
Patienten mit einem implantierten Kardioverter-Defibrillator (kurz ICD
oder Defi) haben viele Ängste und Sorgen. Nun kommt eine weitere Angst
dazu: das Coronavirus. Herzpatienten gehören zu einer der Gruppen mit
einem erhöhten Risiko. Psychologen der Universität Würzburg und
Kardiologen des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI)
haben auf der Webseite www.icd-forum.de hilfreiche Informationen
zusammengestellt, wie sich Patienten mit Herzerkrankungen und ihre
Angehörigen in der aktuellen Situation verhalten sollten hinsichtlich der
körperlichen und seelischen Gesundheit. „Wir möchten ICD-Patienten helfen,
die Krise, die damit verbundene Isolation und die Ausgangsbeschränkungen
so gut es geht und möglichst angenehm und sorgenfrei zu überstehen“,
berichtet der Psychologe Professor Paul Pauli.
„Herzpatienten sollten aufgrund des erhöhten Risikos unbedingt vermeiden,
sich mit dem Virus anzustecken“, sagt der Psychologe Dr. Stefan Schulz.
„Dies führt aktuell zu einer hohen Verunsicherung und dem Problem, dass
viele Herzpatienten sich für längere Zeit in sozialer Isolation befinden.
Dadurch kann die Versorgung mit Medikamenten und Lebensmitteln zur
Herausforderung werden. Es ist zudem problematisch, wenn Kontrolltermine
verschoben werden.“ Auf der Homepage www.icd-forum.de sammelt Stefan
Schulz mit seinem ICD-Forum-Team zeitnah nützliche Hinweise zu einem
lösungsorientierten Umgang mit COVID-19 für Herzpatienten und ihre
Angehörigen.
Besonders wichtig ist die Einhaltung des Therapieplans. Das gilt nicht nur
für ICD-Patienten, sondern auch für Patienten mit einer Herzinsuffizienz.
Professor Christoph Maack, Sprecher des Deutschen Zentrums für
Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI) erklärt: „Das Risiko,
Herzrhythmusstörungen zu erleiden, wird durch Stress oder Angst und die
damit verbundene Aktivierung des sympathischen Nervensystems erhöht. Für
Herzpatienten ist es daher wichtig, in Krisenzeiten wie diesen ganz
besonders darauf zu achten, die verordneten Medikamente einzunehmen und
bei neuen Beschwerden oder Unsicherheiten ihren Hausarzt oder Kardiologen
zu kontaktieren.“
Das ICD-Team empfiehlt den Patienten ihre Tage gut zu strukturieren, sich
kleine Tagesziele zu setzen, Medien nur gezielt und ganz bewusst zu
konsumieren und den Fokus auf Positives zu setzen. „Halten Sie sich von
Pessimisten fern und achten Sie auf positive Gesprächsinhalte mit Ihren
Bezugspersonen“, rät Stefan Schulz. „Und bleiben Sie trotz der
Ausgangsbeschränkung in Bewegung. Gehen Sie im Wald oder Feld spazieren
oder tanken Sie frische Luft im Garten.“
Die Psychologen der Universität Würzburg haben bereits im vergangenen Jahr
gemeinsam mit Kardiologen vom Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz
Würzburg (DZHI) eine moderne, unkomplizierte und vor allem nachhaltige
Lösung gefunden, wie man das Leben von Herzkranken, bei denen der Defi zu
erheblichen psychischen Problemen geführt hat, langfristig verbessern und
Ängste, aber auch die häufig damit einhergehende Depression nachweislich
reduzieren kann: ein sechswöchiges, moderiertes Internet-Training mit
Hilfe zur Selbsthilfe. Das Ergebnis der Studie wurde in der renommierten
kardiologischen Fachzeitschrift „European Heart Journal“ publiziert. „Wir
konnten zeigen, dass eine Internetintervention nicht nur nachhaltige
Erfolge hat, sondern auch organisatorisch zu leisten ist und man sie in
Kliniken implementieren kann. Es ist eine moderne Form, mit der man viele
Patienten erreichen kann“, sagt Paul Pauli.
