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Wie viele Menschen sind immun gegen das neue Coronavirus? Robert Koch- Institut startet bundesweite Antikörper-Studien

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Wie weit ist das neue Coronavirus SARS-CoV-2 in Deutschland tatsächlich
verbreitet? Wie viele Menschen haben bereits eine Infektion durchgemacht
und sind jetzt zumindest für eine gewisse Zeit immun? Das wollen
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Robert Koch-Instituts in
mehreren großangelegten Studien herausfinden.

Untersucht wird, ob sich im Blut der Studienteilnehmer Antikörper gegen
SARS-CoV-2 nachweisen lassen – ein sicherer Hinweis auf eine durchgemachte
Infektion. „Von diesen Studien erwarten wir uns ein genaueres Bild über
das SARS-CoV-2-Geschehen in Deutschland“, sagt Prof. Lothar H. Wieler,
Präsident des RKI. Es ist bisher nicht bekannt, wieviele Menschen in
Deutschland eine Infektion tatsächlich durchgemacht haben und damit immun
sind. Die Infektion verläuft häufig mild oder sogar unbemerkt. „Die
Ergebnisse der Antikörper-Studien sind von großer Bedeutung, um den
Verlauf und Schwere der Pandemie genauer abschätzen und die Wirksamkeit
der getroffenen Maßnahmen besser bewerten zu können“, unterstreicht
Wieler.

Eine Infektion mit SARS-CoV-2 ist in Deutschland meldepflichtig. Die
offiziellen Meldezahlen (siehe u.a. Dashboard <https://corona.rki.de>)
spiegeln aber nur einen Teil der SARS-CoV-2-Infektionen wieder. Nicht
jeder Infizierte entwickelt so starke Symptome, dass er zum Arzt geht, und
nicht jeder mit Symptomen wird getestet. Mit den derzeit eingesetzten PCR-
Tests lässt sich außerdem nur eine akute Infektion nachweisen: Der Test
detektiert das Erbgut des Virus, meist in Rachenabstrichen.

Bei Antikörper- oder serologischen Studien wird das Blut der Probanden auf
Antikörper gegen SARS-CoV-2 untersucht. Antikörper lassen sich frühestens
ein bis zwei Wochen nach der Infektion nachweisen; entsprechende
Labortests sind erst seit kurzem verfügbar.

Das RKI startet in Kürze Untersuchungen an Blutspendern und Menschen in
einigen COVID-19-Ausbruchsgebieten. Längerfristig ist eine bundesweite
repräsentative Studie geplant. Bei der Laboranalytik arbeitet das RKI eng
mit dem von Prof. Christian Drosten geleiteten Institut für Virologie der
Charité – Universitätsmedizin Berlin zusammen. Die Studien im Überblick:

Serologische Untersuchung an Blutspendern in Deutschland: In
Zusammenarbeit mit den Blutspendediensten werden regelmäßig Blutproben von
Erwachsenen aus ganz Deutschland auf Antikörper untersucht. So können
Rückschlüsse auf die Verbreitung von SARS-CoV-2 in der Bevölkerung gezogen
werden. Ab voraussichtlich kommender Woche sollen alle 14 Tage ca. 5.000
Blutproben untersucht werden. Erste Ergebnisse werden Anfang Mai 2020
erwartet.

Seroepidemiologische Studien an mehreren besonders betroffenen Orten
(„Hotspots“) in Deutschland: Ziel der örtlich begrenzten Studien ist es,
durch die Bestimmung von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 in repräsentativen
Stichproben der Einwohner die Immunität in der Bevölkerung vor Ort
abzuschätzen. Auch der Anteil asymptomatischer Infektionen und
Risikofaktoren für einen schweren Verlauf in der Bevölkerung sollen besser
abgeschätzt werden. In jedem Ort werden etwa 2.000 Probanden ab 18 Jahre
mehrfach untersucht, die Probanden werden zusätzlich u.a. zu klinischen
Symptomen, Vorerkrankungen, Gesundheitsverhalten, Lebensumstände und
psychischer Gesundheit befragt. Studienbeginn ist Mitte April 2020, mit
ersten Ergebnissen ist im Mai 2020 zu rechnen. Bei der Planung und
Durchführung dieser so genannten „Hotspot“-Studien arbeitet das RKI mit
Forschern um Prof. Gérard Krause vom Helmholtz-Zentrum für
Infektionsforschung in Braunschweig zusammen.

Bundesweite bevölkerungsrepräsentative seroepidemiologische Studie: Durch
die Bestimmung von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 in einer bundesweit
repräsentativen Stichprobe soll die tatsächliche Verbreitung, Immunität,
der Anteil asymptomatische Infektionen, die tatsächliche Sterberate und
Risikofaktoren für einen schweren Verlauf in der Bevölkerung in
Deutschland besser abgeschätzt werden. Untersucht werden sollen 15.000
Personen ab 18 Jahre an 150 Studienorten, die Probanden werden zusätzlich
u.a. zu klinischen Symptomen, Vorerkrankungen, Gesundheitsverhalten,
Lebensumstände und psychischer Gesundheit befragt. Studienbeginn ist
voraussichtlich Mitte Mai 2020, erste Ergebnisse werden im Juni 2020
erwartet.