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Coronavirus-Pandemie: Versorgungslage von Kindern mit Covid-19 in München und Bayern

Prof. Dr. med. Johannes Hübner, Leiter der Abteilung für pädiatrische Infektiologie, Klinik und Poliklinik im Dr. von Haunerschen Kinderspital am LMU Klinikum  LMU Klinikum München
Prof. Dr. med. Johannes Hübner, Leiter der Abteilung für pädiatrische Infektiologie, Klinik und Poliklinik im Dr. von Haunerschen Kinderspital am LMU Klinikum LMU Klinikum München
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Prof. Dr. med. Johannes Hübner, Leiter der Abteilung für pädiatrische Infektiologie, Klinik und Poliklinik im Dr. von Haunerschen Kinderspital am LMU Klinikum  LMU Klinikum München
Prof. Dr. med. Johannes Hübner, Leiter der Abteilung für pädiatrische Infektiologie, Klinik und Poliklinik im Dr. von Haunerschen Kinderspital am LMU Klinikum LMU Klinikum München

Ein Interview mit dem Infektiologen Prof. Dr. Johannes Hübner, Leiter der
Abteilung für pädiatrische Infektiologie der Klinik und Poliklinik im Dr.
von Haunerschen Kinderspital am LMU Klinikum München. Die
Forschungsschwerpunkte der Abteilung beinhalten unter anderem die
Entwicklung von Impfstoffen gegen bakterielle Erreger von
Krankenhausinfektionen sowie die Etablierung und Durchführung von
Antibiotic Stewardship-Programmen in der Pädiatrie.

Das Dr. von Haunersche Kinderspital im Herzen Münchens blickt auf eine
lange Tradition zurück: 1846 gegründet, deckt die Einrichtung das ganze
Spektrum der Kinderheilkunde ab und verfügt dank der unter einem Dach
untergebrachten Kinderchirurgischen Klinik, der Abteilung für
Kinderradiologie und der Nuklearmedizin über fast alle Möglichkeiten der
modernen Pädiatrie.

Neben einer infektiologischen Ambulanz betreut die von Prof. Dr. Jonannes
Hübner geleitete Abteilung für pädiatrische Infektiologie einen
infektiologischen Konsiliardienst in der Kinderklinik sowie ein
bakteriologisches Laboratorium, in dem die mikrobiologische Diagnostik der
Klinik durchgeführt wird. Die Forschungsschwerpunkte der Abteilung
beinhalten unter anderem die Entwicklung von Impfstoffen gegen bakterielle
Erreger von Krankenhausinfektionen sowie die Etablierung und Durchführung
von Antibiotic Stewardship-Programmen in der Pädiatrie.

Herr Prof. Hübner, wie sieht die derzeitige Versorgung in Bayern und
München bei Kindern mit Covid-19 aus? Welche Kinder sind besonders
gefährdet?

Prof. Hübner: Die Situation ist bezüglich der Kinder sehr ruhig – das war
auch so zu erwarten nach den Erfahrungen in China und Italien. Kinder sind
von Covid-19 sehr viel weniger betroffen, als Erwachsenen; Infektionen
sind seltener und sie verlaufen auch sehr viel milder. Schwere Verläufe
und Todesfälle sind im Kindesalter absolute Ausnahmen. In Deutschland
wissen wir durch eine große Umfrage von derzeit 65 stationären Aufnahmen
von Kindern.
Interessant ist, dass es bisher auch keinerlei Hinweise darauf gibt, dass
bestimmte Risikogruppen – wie zum Beispiel Kinder mit onkologischen
Erkrankungen oder mit angeborenen Immundefekten - besonders gefährdet
sind.

Gibt es Unterschiede in der Behandlung von infizierten Kindern im
Vergleich zu erwachsenen Covid-19 Patienten?

Prof. Hübner: Bisher gibt es ja keine zugelassenen oder breiter getesteten
Therapien – alles beruht eher auf Fallberichten und nicht zugelassenen
Medikamenten oder auf Substanzen, die eigentlich für andere Krankheiten
verwendet werden und bisher auch nur für diese zugelassen sind. Wir sind
da im Kindesalter sehr zurückhaltend und können das bisher auch sein, weil
die allermeisten Verläufe so milde sind, dass man keine spezifischen
Therapien braucht. In den seltenen schweren Fällen wird man dann aber auch
auf die Medikamente zurückgreifen, die bei Erwachsenen am
vielversprechendsten sind.

Wie viele Kinder mit dem Coronavirus haben Sie bis jetzt in der
Haunerschen Kinderklinik behandelt und wie viele sind aktuell in der
Behandlung? Gibt es auch Kinder, die auf der Intensivstation beatmet
werden müssen?

Prof. Hübner: Wir haben hier bisher nur drei Kinder mit Covid-19 betreut;
über Kollegen war ich auch in die Behandlung von drei weiteren Kindern im
Münchner Umkreis involviert. Eines dieser Kinder war komplett
asymptomatisch, da war die Diagnose ein Zufallsbefund; die anderen Kinder
hatten nur eine milde Symptomatik und konnten rasch wieder nach Hause
entlassen werden. Ein Kind war allerdings auch so krank, dass es auf die
Intensivstation aufgenommen und beatmet werden musste. Derzeit gibt es in
Deutschland nach der oben erwähnten Umfrage acht Kinder, die auf einer
Intensivstation liegen und eines dieser Kinder muss auch beatmet werden.

Viele Eltern haben Angst in die Klinik zu kommen, weil sie befürchten, ihr
Kind könnte sich dort mit dem Coronavirus anstecken. Welche
Sicherheitsmaßnahmen und -vorkehrungen hat die Haunersche Kinderklinik
getroffen, um die kleinen Patientinnen und Patienten und auch das eigene
Personal zu schützen?

Prof. Hübner: Wir sehen in der Tat einen massiven Rückgang der
Patientenzahlen um ca. 50% in unserer Notfallambulanz – und das ist nicht
nur bei uns so, sondern in ganz Deutschland und auch in Italien.
Wahrscheinlich haben Eltern Sorge, dass sie oder die Kinder sich
infizieren – und dann bleibt man bei einem banalen Infekt lieber erstmal
zu Hause.

Aber wir dürfen natürlich Kinder mit schweren chronischen Krankheiten
deshalb nicht vernachlässigen. Wir haben deshalb innerhalb der Klinik
diese Bereiche ganz strikt getrennt: Wer mit einem Verdacht auf einen
Atemwegsinfekt oder nach einem Kontakt mit einer Covid-19-positiven Person
in unsere Ambulanz kommt, der wird in einem speziell dafür ausgewiesenen
Bereich behandelt. Direkt am Eingang wird dies abgefragt und die Patienten
und Eltern werden dann direkt in diesen Bereich verwiesen. Kinder mit
nicht-infektiösen Problemen und Komplikationen von chronischen
Erkrankungen werden separat in eigene Warteräume und Untersuchungszimmer
geleitet, um zu verhindern, dass sie sich mit SARS-COV-2 infizieren. Auch
bezüglich der Klinikaufnahmen haben wir eine separate Station
eingerichtet, auf der Patienten bis zum Vorliegen der Diagnostik isoliert
werden können. Bei geplanten Aufnahmen werden die Kinder am Tag vor der
stationären Aufnahme abgestrichen, so dass das Ergebnis am eigentlichen
Aufnahmetag schon vorliegt und die Kinder dann auch direkt auf die
normalen corona-freien Stationen aufgenommen werden können.

Prognosen zu Infektionsraten sind derzeit hinsichtlich der beschlossenen
Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen schwierig. Aber können Sie uns aus
Ihrer Erfahrung heraus erklären, wie die üblichen Infektionswege bei
Kindern aussehen?

Prof. Hübner: Wahrscheinlich sind die Infektionswege bei Kindern die
gleichen, wie bei Erwachsenen – d. h. hauptsächlich über
Tröpfcheninfektionen und über respiratorische Sekrete. Bei Kindern hat man
auch häufig und über längere Zeiträume Virus-RNA im Stuhl nachweisen
können, aber bisher in keinem Fall vermehrungsfähige Viren. Wir vermuten
deshalb, dass das Virus vor allem bei Kindern auch den Darm befallen und
damit Magen-Darm-Symptome wie Übelkeit und Erbrechen verursachen kann. Das
scheint aber nach derzeitigem Wissen nicht mit einer Übertragbarkeit der
Erkrankung über Stuhl einherzugehen. Ich vermute, dass Kinder bei dieser
Erkrankung weniger ein Reservoir für neue Infektionen darstellen, als bei
anderen Atemwegserkrankungen, wie zum Beispiel bei der Influenza.