Aktuelle Studie zeigt: Blutdruckmedikamente sind kein Risikofaktor für schwere Covid-19-Verläufe
Eine aktuelle Studie aus China [1] erbrachte den Nachweis, dass
Patientinnen und Patienten, die blutdrucksenkende Medikamente einnehmen,
keine schlechtere Prognose als andere Menschen haben, wenn sie an Covid-19
erkranken. Die Möglichkeit einer Beeinflussung des Covid-19-Verlaufs durch
Blutdrucksenker wurde von den Experten schon vorher als unwahrscheinlich
und höchst spekulativ eingestuft. „Die neuen Daten können Behandlern und
Patienten eine hohe Sicherheit geben, denn es handelt sich schließlich um
die Auswertung einer großen Patientenzahl mit einem eindeutigen Ergebnis.“
SARS-CoV2 nutzt zum Eintritt in die Zellen ACE2 („angiotensin converting
enzyme 2“) als eine Art „Türöffner“. ACE2 befindet sich auf der
Zellmembran und wird in vielen Organen gebildet, z. B. in Herz, Niere, im
Gastrointestinaltrakt und Lunge. Immer wieder wurde daher die Befürchtung
geäußert, die blutdrucksenkende Therapie mit ACE-Hemmern (ACEI) und
Angiotensin-Rezeptor-Blockern (ARB), zu denen die sogenannten Sartane
zählen, könne das Risiko für einen schwereren Verlauf einer
Covid-19-Erkrankung erhöhen – dieses ist nachweislich falsch.
Eine aktuelle Studie aus China [1] erbrachte den Nachweis, dass
Bluthochdruckpatientinnen und Blutdruckpatienten, die diese Medikamente
einnehmen, keine schlechtere Prognose als andere Menschen haben, wenn sie
an Covid-19 erkranken. Ausgewertet wurden über 1.100 Covid-19-Patienten.
Wie sich zeigte, unterschied sich der Anteil der Patienten, die zuvor mit
ACEI/ARB behandelt worden waren, nicht signifikant zwischen den Gruppen
mit schweren und milden Krankheitsverläufen (32,9% vs. 30,7%; p=0,645) –
auch unter den verstorbenen Patienten war der Anteil derer, die vorher
eine Bluthochdrucktherapie erhalten hatten, nicht signifikant höher als
der von blutdruckgesunden Patienten. Ebenso zeigte die Studie, dass es
keine Rolle für den Covid-19-Verlauf spielte, ob die Patienten mit ACEI
oder ARB behandelt worden waren. „Die neuen Daten können Behandlern und
Patienten daher eine hohe Sicherheit geben, denn es handelt sich
schließlich um die Auswertung einer großen Patientenzahl mit einem
eindeutigen Ergebnis: Eine vorhergehende Behandlung mit Blutdrucksenkern
beeinträchtigte das Outcome von Covid-19-Patienten nicht“, erklärt Prof.
Dr. med. Ulrich Wenzel, Hamburg, Vorstandsvorsitzender der Deutschen
Hochdruckliga DHL®.
Die Möglichkeit einer Beeinflussung des Covid-19-Verlaufs durch ACEI oder
ARB wurde von den Experten schon vorher als unwahrscheinlich und höchst
spekulativ eingestuft. ACE2, an das Sars-Cov-2 bindet, und ACE, das die
Blutdrucksenker hemmen, sind zwei völlig verschiedene Enzyme. Darüber
hinaus sind tierexperimentelle Befunde, dass unter ARB die Bildung von
ACE2-Expression zunimmt, nicht konsistent und variierten je nach ARB und
Organ. Insgesamt existieren auch keine Daten, die dafür sprechen, dass
ACEI oder ARB eine SARS-CoV-19-Infektion durch eine ACE2-Zunahme
begünstigen [2], kurz: Die Medikamente machen auch nicht anfälliger für
eine Covid-19-Erkrankung.
„Zu dieser Einschätzung kam vor wenigen Tagen auch die ‚European Society
of Hypertension‘. In einem Statement [3] empfiehlt sie, die
Blutdruckmedikamente nicht umzustellen, weder aus Angst vor einer
Covid-19-Erkrankung noch bei einer Covid-19-Erkrankung. Dieser
Empfehlungen hat sich die Deutsche Hochdruckliga angeschlossen und durch
die aktuellen Daten aus China sehen wir uns in dieser Empfehlung
bestärkt“, so das Fazit von Professor Florian Limbourg, Hannover,
Vorstandsmitglied der Deutschen Hochdruckliga DHL®.
Auskünfte rund um das Thema Bluthochdruck gibt die Deutsche Hochdruckliga
jeden Mittwoch von 18.00-20.00 Uhr in ihrer telefonischen
Expertensprechstunde unter 06221/588 55 55.
Literatur
[1] Li J, Wang X, Chen J et al. Association of Renin-Angiotensin System
Inhibitors With Severity or Risk of Death in Patients With Hypertension
Hospitalized for Coronavirus Disease 2019 (COVID-19) Infection in Wuhan,
China. JAMA Cardiol 2020 Apr 23. doi: 10.1001/jamacardio.2020.1624. [Epub
ahead of print]
[2] Kreutz R, Algharably EAE-H, Azizi M et al. Hypertension, the
renin–angiotensin system, and` the risk of lower respiratory tract
infections and lung injury: implications for COVID-19: European Society of
Hypertension COVID-19 Task Force Review of Evidence. Cardiovasc Res 2020
doi:10.1093/cvr/cvaa097. Deutsche Fassung abrufbar unter
https://www.hochdruckliga.de/s
coronavirus.html
[3] Danser AHJ, Epstein M, Batlle D. Renin-Angiotensin System Blockers and
the COVID-19 Pandemic: At Present There Is No Evidence to Abandon Renin-
Angiotensin System Blockers. Hypertension 2020 Mar
25:HYPERTENSIONAHA12015082. doi: 10.1161/HYPERTENSIONAHA.120.15
ahead of print]
