Asthmakranke Kinder sollen sich gegen Grippe impfen lassen
Junge Kinder sind besonders häufig von der saisonalen Influenza betroffen.
Allergiekranke Kinder und Jugendliche mit einer chronischen Krankheit der
Atmungsorgane (auch Asthma bronchiale) gehören zu der Gruppe von
Risikopersonen, die nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission
(STIKO) jährlich gegen die saisonale Influenza geimpft werden sollten.
Geimpfte schützen nicht nur sich, sondern auch indirekt ihre Eltern und
Großeltern. Diese wiederum haben ein hohes Erkrankungsrisiko an COVID-19
und dürfen nicht noch gleichzeitig an einer schweren Grippe erkranken.
Die Grippewelle beginnt. Besonders häufig von der saisonalen Influenza
betroffen sind junge Kinder. Sie stecken sich besonders schnell an und
infizieren andere Kinder und ihre Betreuungspersonen, so auch ihre Eltern
und Großeltern bei einem Kontakt. Junge Kinder gelten daher als „das Feuer
der Influenza“.
Mit der jährlich den aktuellen Bedingungen angepassten Influenza-Impfung
kann die Erkrankung verhindert oder zumindest abgeschwächt werden. Die
Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die jährliche Impfung gegen die
saisonale Influenza auch in der COVID-19 Pandemie nicht für alle Personen,
sondern für solche mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf
der Grippe. Dazu gehören u.a. Personen ab 60 Jahren, Schwangere ab dem
zweiten Schwangerschaftsdrittel (bei chronisch Kranken auch schon im
ersten Drittel) und chronisch kranke Personen ab einem Alter von 6 Monaten
mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens. In
die letztgenannte Gruppe gehören auch allergiekranke Kinder und
Jugendliche mit einer chronischen Krankheit der Atmungsorgane, auch mit
einem Asthma bronchiale. Eine Pollen-Allergie der Atemwege ist keine
Kontraindikation für eine Influenza-Impfung!
Da die meisten Grippe- Impfstoffe Hühnereiweiß enthalten, gelten für
Personen mit einer Hühnereiweiß-Allergie einige Besonderheiten. Laut STIKO
können Personen, die nur mit leichten Symptomen auf den Konsum von
Hühnereiweiß reagieren, mit allen zugelassenen Influenza-Impfstoffen
geimpft werden. Klinisch schwerwiegende Allergien (z.B. Anaphylaxie)
gegenüber Hühnereiweiß sind selten. Bei Personen, bei denen eine ärztlich
diagnostizierte schwere Allergie gegen Hühnereiweiß vorliegt, ist die
Indikation zur Impfung mit Hühnerei-basierten Influenzaimpfstoffen streng
zu stellen. Diese Personen benötigen eine Überwachung nach der Impfung mit
der Möglichkeit der Behandlung einer ggf. auftretenden anaphylaktischen
Reaktion. Allerdings traten in Studien allergische Reaktionen nicht
häufiger auf als bei Personen ohne Hühnereiweißallergie. Es ist inzwischen
aber auch ein hühnereiweißfreier, d.h. in Zellkulturen hergestellter
Influenzaimpfstoff verfügbar, der ab 9 Jahren zugelassen ist.
Die meisten Impfstoffe werden mit einer Spritze in den Oberarm
verabreicht. Kinder und Jugendliche im Alter von 2 bis 17 Jahren können
auch mit einem Influenza- Lebendimpfstoff geimpft werden, der in die Nase
gesprüht wird. Bei Hindernissen für eine Injektion (z. B. Spritzenangst,
Gerinnungsstörungen) sollte besser der Lebendimpfstoff verwendet werden.
Diese Impfung wird jedoch aufgrund fehlender Erfahrungen für Allergiker
mitschwerer Hühnereiweißallergie nicht empfohlen. Kinder, die zuvor noch
nicht gegen saisonale Influenza geimpft wurden, sollten frühestens nach 4
Wochen eine zweite Dosis bekommen. Da die STIKO die Impfung für
Risikopersonen empfohlen hat, übernehmen die Krankenkassen die Kosten der
Impfung. In einigen Bundesländern wird die Grippeimpfung sogar für alle
Personen empfohlen.
Für Deutschland wurden in diesem Jahr 26 Millionen Impfdosen geordert. Das
hört sich zunächst viel an. Da die Bereitschaft zur Impfung in der Corona
- Pandemie jedoch gestiegen ist, könnten die Impfdosen bald aufgebraucht
sein. Es ist daher wichtig, dass die Risikogruppen rechtzeitig in
möglichst großem Umfang geimpft werden. Die beste Zeit für eine Impfung
liegt in den Monaten Oktober und November. Bis das Immunsystem einen
Schutz aufgebaut hat, vergehen nach der Impfung noch einmal 2 Wochen.
Im Gegensatz zur Influenza erkranken junge Kinder deutlich seltener an
COVID-19, sie können aber die Grippe besonders leicht auf andere Personen
übertragen. Und dies könnte für ihre Eltern und Großeltern gefährlich
werden, die dann an Influenza und COVID-19 erkranken können. Wie kann es
dazu kommen? Kinder werden bei z.B. Quarantäne-bedingten Schließungen von
Kindertagesstätten und Schulen zu Hause bleiben müssen. Falls die Eltern
die Betreuung der Kinder nicht übernehmen können, werden auch die
Großeltern in die Kinderbetreuung eingebunden. Bei dem dann engen Kontakt
wird das Grippe-Virus durch Husten oder Niesen leicht übertragen. Sogar
durch normales Sprechen oder Atmen können kleine Tröpfchen verbreitet
werden, die länger in der Luft schweben und andere Personen infizieren
können. Darüber hinaus ist eine Übertragung auch über die Hände durch
direkten Kontakt zu Virus-kontaminierten Oberflächen möglich. Bei
anschließender Berührung des Mundes oder der Nase oder durch
Händeschütteln werden die Viren übertragen.
Zwar gab es noch nie so viele Impfdosen eines Grippeimpfstoffes, trotzdem
kann es zeitlich und lokal zu Lieferengpässen kommen, wie momentan in
einigen Bundesländern. Daher sollten alle Risikopersonen, zu denen auch
allergiekranke Kinder und Jugendliche mit einer chronischen Krankheit der
Atmungsorgane (auch Asthma bronchiale) gehören, sich rechtzeitig impfen
lassen. Eine Hühnereiallergie ist in der Regel kein Hindernis. Geimpfte
schützen nicht nur sich, sondern auch indirekt ihre Eltern und Großeltern.
Diese wiederum haben ein hohes Erkrankungsrisiko an COVID-19 und dürfen
nicht noch gleichzeitig an einer schweren Grippe erkranken.
Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPAU)
