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Herzinfarkt bei Diabetes: Infarkt-Warnzeichen fehlen oft

Diabetologe Prof. Dr. med. Dr. h.c. Diethelm Tschöpe, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Herzstiftung, Vorsitzender der Stiftung Diabetes I Herz I Gefäße (DHG)  Quelle: Foto: Stefanie Sudek-Mensch
Diabetologe Prof. Dr. med. Dr. h.c. Diethelm Tschöpe, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Herzstiftung, Vorsitzender der Stiftung Diabetes I Herz I Gefäße (DHG) Quelle: Foto: Stefanie Sudek-Mensch
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Weltdiabetestag: Diabetes geht auch auf das Herz. Deshalb bei
Diabeteserkrankung das Herz und bei Koronarer Herzkrankheit (KHK)
Blutzucker und Diabetes-Risiko vom Arzt checken lassen



Dauerhaft zu hohe Blutzuckerwerte sind nicht nur ein Symptom für Diabetes
mellitus, sondern auch eine Gefahr für das Herz. Im schlimmsten Fall führt
ein unbehandelter Diabetes zu Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche und
plötzlichen Herztod. Nach Schätzungen (2023) haben in Deutschland 8,9
Millionen Menschen Typ-2-Diabetes (früher „Altersdiabetes“), bei dem die
Körperzellen unempfindlicher gegenüber Insulin werden und an dem über 90
Prozent der Menschen mit Diabetes leiden (bei hoher Dunkelziffer). Zum
Weltdiabetestag informiert die Deutsche Herzstiftung unter
https://herzstiftung.de/diabetes über die Stoffwechselkrankheit Diabetes
und worauf Diabetiker und Risikopatienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen
zur Vermeidung von Komplikationen und für den Erhalt ihrer Lebensqualität
achten sollten.

Diabetes beschleunigt Gefäßverkalkung (Atherosklerose)
Ein chronisch hoher Blutzucker beschleunigt unter anderem den Prozess der
Atherosklerose („Gefäßverkalkung“), bei dem es in den Herzkranzgefäßen
(Koronararterien) zu Ablagerungen aus Kalzium („Kalk“), entzündlichen
Zellen, Bindegewebe und Cholesterin kommt, den sogenannten Plaques. Diese
Gefäßverkalkung führt zu einer zunehmenden Verdickung der Gefäßwand mit
Einengung des Gefäßinnenraums bis hin zum teilweisen oder kompletten
Verschluss des Gefäßes. „Ein unbehandelter Diabetes fördert die koronare
Herzkrankheit mit all ihren Folgen wie eine Verschlechterung der
Pumpleistung des Herzens oder einen Herzinfarkt, wenn es zum kompletten
Verschluss eines Herzkranzgefäßes gekommen ist“, warnt der Diabetologe
Prof. Dr. Diethelm Tschöpe, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der
Deutschen Herzstiftung.
Bei Diabetespatienten weist die Atherosklerose aggressivere Züge auf,
weshalb Herzinfarkte und Schlaganfälle bei ihnen häufiger auftreten als
bei Herz-Kreislauf-Patienten ohne Diabeteserkrankung. „Deshalb ist es
besonders für Diabetespatienten enorm wichtig, ihren Blutzuckerspiegel
regelmäßig zu kontrollieren und diesen gut einzustellen, damit sich die
Blutzuckerwerte im Normalbereich befinden“, betont Prof. Tschöpe, auch
Vorsitzender der Stiftung Diabetes I Herz I Gefäße (DHG), und fügt hinzu:
„Nicht nur ein bestätigter Diabetes mit hohen Blutzuckerspiegeln ist
riskant. Auch leicht erhöhte Werte, bevor ein Diabetes festgestellt wird,
sind ein Risikofaktor.“ Ebenso wichtig ist die regelmäßige
Blutzuckerkontrolle für KHK-Patienten, denn sie haben ein mehrfach
erhöhtes Diabetes-Risiko. Das gilt aufgrund der gefäßschädigenden Wirkung
von Diabetes auch für Patienten mit anderen Herzkrankheiten wie
Herzschwäche und Vorhofflimmern. „Regelmäßige Blutuntersuchungen beim Arzt
helfen, das persönliche Diabetes-Risiko einschätzen zu können, deshalb
sollten Herzpatienten auf diese Untersuchung bestehen“, so Tschöpe.
Die Deutsche Herzstiftung rät allgemein zum regelmäßigen Gesundheits-
Check-up bei Hausärztin oder Hausarzt. Dieser kann ab 18 Jahren einmalig
und ab 35 Jahren dann alle drei Jahre erfolgen (bezahlt von der
gesetzlichen Krankenkasse). Durchgeführt wird der Check von
Allgemeinmedizinern, praktischen Ärzten und Internisten.

Gefahr durch stumme Infarkte bei Diabetes erhöht
Bei Diabetespatienten, die einen Herzinfarkt erleiden, fehlen meist die
infarkttypischen heftigen Brustschmerzen oder es kann nur ein leichtes
Ziehen oder Brennen in der Brust zu spüren sein. „Somit fehlt bei
Diabetespatienten ein entscheidendes Leitsymptom für ihre
lebensbedrohliche Situation“, so der Diabetologe Prof. Tschöpe. Weitere
untypische Herzinfarkt-Symptome bei Diabetikern können außerdem „eine
unerklärliche Kreislaufschwäche mit Schwitzen, Unruhe oder neu
aufgetretene Puls-Unregelmäßigkeiten“ sein. Auch bei älteren Menschen kann
es wegen des verminderten Schmerzempfindens zum Ausbleiben von
infarkttypischen Symptomen kommen. Ein stummer oder stiller Infarkt kann
die Folge sein. Infos: https://herzstiftung.de/stummer-herzinfarkt
Grund für das Ausbleiben oder Verschleiern von Herzinfarkt-Symptomen bei
Patienten mit Diabetes ist die sogenannte kardiale autonome Neuropathie.
Diese Nervenschädigung ist eine ernsthafte diabetische Folgeerkrankung,
die im Krankheitsverlauf unter anderem zu einer erhöhten Herzfrequenz in
Ruhe und einer verminderten Durchblutung des Herzmuskels führt. Schädigen
die erhöhten Blutzuckerwerte Nerven am Herzen, können Schmerzsignale nicht
weitergeleitet werden. Langjährige Diabetespatienten haben häufig ein sehr
schwaches Schmerzempfinden für typische Herzinfarkt-Warnsymptome wie
Brustschmerzen (Infos zu Herzinfarkt-Symptomen unter
https://herzstiftung.de/herzinfarkt-anzeichen und siehe Zusatz-
Informationen).
Achtung: Ein Herzinfarkt ist ein lebensbedrohlicher Notfall. Bei Verdacht
auf Herzinfarkt muss deshalb immer sofort der Rettungsdienst unter der
Notrufnummer 112 alarmiert werden. Bei Herzinfarkt zählt jede Minute.

Vor Infarkten schützen: Neben Diabetes weitere „Gefäßkiller“ im Blick
behalten
Zu hohe Blutzuckerwerte gehen oft Hand in Hand mit Bluthochdruck.
Diabetespatienten leiden rund zweimal so häufig an einem Bluthochdruck
(arterielle Hypertonie) als Menschen ohne Diabetes. Besonders gefährlich
wird es, wenn neben Diabetes und Bluthochdruck erhöhte Blutfettwerte
(hohes Cholesterin) und Übergewicht hinzukommen. In der Medizin nennt man
diese Stoffwechselstörung „metabolisches Syndrom“.
„Diabetespatienten, aber ebenso KHK-Patienten sollten von ihrem Hausarzt
die Herzinfarkt-Risikofaktoren Bluthochdruck, erhöhter Blutzucker, zu hohe
Cholesterin- und Triglyceridwerte sowie Übergewicht überprüfen lassen“,
fordert der Herzstiftungs-Experte Prof. Tschöpe. Ziel müsse sein, dass
Diabetes- und KHK-Patienten immer das gesamte Spektrum an Risikofaktoren
für Komplikationen wie Herzinfarkt und Schlaganfall sowie Herzschwäche
regelmäßig kontrollieren und bei erhöhten Werten diese medikamentös
behandelt werden. Die medikamentöse Behandlung sollte jedoch immer von
einem gesunden Lebensstil begleitet werden. „Eine gesunde Ernährung,
ausreichend Bewegung, Vermeidung von Übergewicht, der Verzicht auf Rauchen
und Alkohol sowie Stressabbau helfen, die Blutwerte zu verbessern und
unterstützen die Diabetes-Therapie.“
(wi)

Service:
Diabetes und Herz: https://herzstiftung.de/diabetes
Stummer Herzinfarkt: https://herzstiftung.de/stummer-herzinfarkt
Herzinfarkt-Symptome: https://herzstiftung.de/herzinfarkt-anzeichen

Herzwochen „Gesunde Gefäße – gesundes HERZ. Den Herzinfarkt vermeiden“
Über die Koronare Herzkrankheit (KHK) und den Herzinfarkt (Diagnose,
Therapie, Prävention) informieren die bundesweiten Herzwochen mit
hilfreichen kostenfreien Ratgebern und Informationsveranstaltungen. Infos:
https://herzstiftung.de/herzwochen

Zusatz-Informationen für Redaktionen

Einfacher Blutzuckertest schützt vor zusätzlichen Komplikationen durch
Diabetes
Blutzuckertests sind einfach vom Hausarzt oder Internisten und
Diabetologen durchzuführen: Wenn die Blutzuckermessung einen
Nüchternblutzuckerwert über 100 mg/dl ergibt und nach Aufnahme von Zucker
der Wert bei 140 mg/dl oder gar 200 mg/dl liegt, hat der Patient Diabetes.
Eine sofortige konsequente Behandlung zur Normalisierung der
Blutzuckerwerte ist wichtig, damit die Blutgefäße durch den hohen
Blutzucker nicht beschädigt und damit die Sauerstoffversorgung des Herzens
und des ganzen Organismus nicht beeinträchtigt werden.

Die Herzinfarkt-Warnzeichen
Beim Herzinfarkt sind typische Beschwerden

- plötzlich einsetzende starke Schmerzen, die länger als fünf Minuten in
Ruhe anhalten und die überwiegend im Brustkorb oder häufig auch
ausschließlich hinter dem Brustbein auftreten
- Schmerzen, die in Körperteile wie Arme (meist links), Oberbauch, Rücken,
Hals, Kiefer oder Schulterblätter ausstrahlen
- ein massives Engegefühl, heftiger Druck oder ein sehr starkes
Einschnürungsgefühl im Brustkorb („Elefant auf der Brust“)
- heftiges Brennen im Brustkorb. (Achtung: Verwechslungsgefahr mit
Sodbrennen!)

Vor allem Frauen verspüren eher ein Engegefühl und der Schmerz strahlt
vorrangig in den Rücken und den Oberbauch aus (Achtung:
Verwechslungsgefahr mit Magenschmerzen!). Bei Frauen häufiger als bei
Männern können – zusätzlich zu den oben genannten Schmerzen oder auch
alleine – weitere Symptome wie Atemnot, Übelkeit oder Erbrechen,
Schwitzen, Benommenheit oder Schwindel sowie unerklärliche Müdigkeit ein
Alarmzeichen sein. Je älter die Person mit Herzinfarkt, desto weniger
ausgeprägt kann der typische Brustschmerz sein.

Quellen:
Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)/Deutsche Diabetes Hilfe (diabetesDE),
Deutscher Gesundheitsbericht: Diabetes 2024 – die Bestandsaufnahme,
Wiesbaden 2023.

Gendern: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die zusätzliche
Formulierung der weiblichen Form zumeist verzichtet. Wir möchten darauf
hinweisen, dass die Verwendung der männlichen Form explizit als
geschlechtsunabhängig verstanden werden soll.