Studie: Ketoazidose im Kleinkindalter wirkt sich auf die Hirnentwicklung aus
Eine diabetische Ketoazidose (DKA) kann Folgen für das kindliche Gehirn
haben, wie eine amerikanische Forschergruppe im Fachmagazin „Diabetes
Care“ zeigt. Anlässlich der bevorstehenden gemeinsamen Online-Jahrestagung
„JA-PED“ der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Diabetologie (AGPD) und der
Deutschen Gesellschaft für Kinderdiabetologie und Endokrinologie (DGKED)
am 5. November 2020 weist die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) auf die
Notwendigkeit hin, Kinder mit Typ-1-Diabetes frühzeitig zu diagnostizieren
und ihre Stoffwechsellage engmaschig zu kontrollieren, um mögliche
Folgeschäden durch schwere Ketoazidosen zu vermeiden.
In der anhaltenden Corona-Pandemie zeigte sich in Deutschland eine
Verdopplung der Ketoazidose-Rate bei Kindern am Beginn der
Diabeteserkrankung, wie eine weitere Untersuchung belegt.
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In einer Studie im Fachmagazin „Diabetes Care“ fanden Forscher heraus,
dass bei Kindern eine schwere diabetische Ketoazidose (DKA) zu kognitiven
Einschränkungen führen kann.1 „Eine mittelschwere bis schwere
Stoffwechselentgleisung wirkt sich bei den Betroffenen negativ auf die
Aufmerksamkeitsleistung aus – im Vergleich zur Gruppe der Kinder, die
keine oder nur eine milde DKA hatten“, fasst DDG Vizepräsident Professor
Dr. med. Andreas Neu die Ergebnisse zusammen. „Diese Erkenntnis ist
alarmierend. Denn mehr als jedes fünfte Kind kommt bei
Diabetesmanifestation mit einer Ketoazidose ins Krankenhaus, in rund sechs
Prozent der Fälle liegt bereits eine schwere DKA vor.“
Bisher gab es nur wenige wissenschaftliche Hinweise darauf, inwiefern sich
eine Episode einer diabetischen Ketoazidose im Kleinkindalter auf die
Gehirnentwicklung und so auf die kognitive Leistung von Kindern mit
Typ-1-Diabetes auswirkt. Das amerikanische Forscherteam um Tandy Aye hat
nun Daten von 144 Kindern mit Typ-1-Diabetes im Alter von vier bis zehn
Jahren untersucht. Von diesen Kindern haben die Forscher zu Studienbeginn
und nach 18 Monaten einen Hirnscan und kognitive Tests gemacht und die
Ergebnisse verglichen. Dabei zeigte sich ein Zusammenhang zwischen der
Schwere der Ketoazidose, dem Gehirnwachstum und den kognitiven Leistungen.
Mehr Aufklärung der Eltern notwendig – insbesondere während der Corona-
Pandemie
„Die Studie zeigt, dass gerade im Kleinkindalter ein starker Insulinmangel
und die dadurch bedingte Übersäuerung im Blut Folgen auf die
Gehirnentwicklung und auf die Lern- und Konzentrationsfähigkeit haben
kann“, erklärt Privatdozent Dr. med. Thomas Kapellen, Vorsitzender der AG
Pädiatrische Diabetologie der DDG aus Leipzig. Umso wichtiger sei es, die
individuelle Diabetesschulung für Kinder und Eltern noch mehr im Blick zu
haben: „Um eine DKA zu vermeiden, müssen Eltern die ersten Symptome
erkennen können. Auch hier brauchen wir mehr Aufklärung.“
Neben vermehrtem Durst, starkem Harndrang, Gewichtsabnahme, Übelkeit und
Erbrechen gehören auch eine beschleunigte Atmung sowie Azetongeruch der
Atemluft zu den ersten Anzeichen einer DKA. Da es im weiteren Verlauf zu
Muskelschwäche, Bewusstseinsstörungen oder einem diabetischen Koma kommen
kann, gehören betroffene Kinder sofort in eine notärztliche Betreuung.
„Insbesondere während der jetzigen Corona-Zeit können klassische Symptome
wie beschleunigte Atmung fehlgedeutet und für einen Atemwegsinfekt
gehalten werden“, warnt Kapellen. „Hier kann wertvolle Zeit verstreichen
bis die tatsächliche Ursache feststeht.“
So hat kürzlich eine JAMA-Publikation aus Deutschland gezeigt, dass sich
die Rate einer Ketoazidose bei Diabetesmanifestation von Kindern und
Jugendlichen während des Corona-Lockdowns verdoppelt hat.2 „In dieser Zeit
bekam fast jedes zweite Kind eine verspätete Diagnose“, resümiert
Professor Dr. med. Reinhard Holl, Mitautor der Studie und Koordinator des
DPV-Registers. Kleinkinder waren besonders betroffen. Neben
Fehlinterpretationen der Symptomatik durch Eltern oder Ärzte lasse sich
dies auch auf die Angst vor der Ansteckung mit COVID-19 in Arztpraxen und
Kliniken zurückführen. Der DDG Experte aus Ulm warnt davor, dass eine
weitere Welle zu einer ähnlichen Situation führt und fordert Eltern und
alle, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, dazu auf, erste
Warnsignale ernst zu nehmen und gegebenenfalls umgehend einen Kinderarzt
oder eine Kinderklinik aufzusuchen.
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Terminhinweis:
Gemeinsame Online-Jahrestagung „JA-PED“ der Arbeitsgemeinschaft
Pädiatrische Diabetologie (AGPD) und der Deutschen Gesellschaft für
Kinderdiabetologie und Endokrinologie (DGKED) am 5. November 2020 <https
://ja-ped.de/>
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Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG):
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit mehr als 9200 Mitgliedern
eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in
Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich in
Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und
entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine wirksamere Prävention und Behandlung
der Volkskrankheit Diabetes, von der rund sieben Millionen Menschen in
Deutschland betroffen sind. Zu diesem Zweck unternimmt sie auch
umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten.
