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DGHNO-KHC: Behandlungsqualität messen: Hilft eine Operation bei chronischer Nasennebenhöhlenentzündung?

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Wie lässt sich die Qualität einer medizinischen Behandlung messen und
beurteilen? Mit der Frage, welche Faktoren zur Beurteilung der
Operationsqualität geeignet sind, setzen sich Experten der Deutschen
Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie
(DGHNO-KHC) am Beispiel der chirurgischen Therapie der chronischen
Nasennebenhöhlenentzündung in einem Webseminar am 13. November
auseinander. Wie die Gesellschaft betont, wird dabei immer stärker auch
der vom Patienten subjektiv empfundene Nutzen in die Bewertung einbezogen.

Die chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen ist eine häufige Erkrankung
– rund jeder neunte bis zehnte Bundesbürger ist von dem Leiden betroffen,
das in der Fachsprache auch als chronische Rhinosinusitis (CRS) bezeichnet
wird. Es geht mit einer erheblichen individuellen und ökonomischen
Krankheitslast einher: Kopf- und Gesichtsschmerzen, eine Riechminderung,
eine chronisch verstopfte Nase und Schlafprobleme schränken die
Lebensqualität der Betroffenen stark ein, führen zu einer hohen Zahl von
Fehltagen am Arbeitsplatz und sind einer der häufigsten Gründe für die
Verschreibung von Antibiotika.
Als chronisch gilt eine Nasennebenhöhlenentzündung dann, wenn die
Beschwerden mindestens 12 Wochen lang andauern. „Um die Entzündung zu
lindern wird den Patienten in der Regel empfohlen, die Nase regelmäßig mit
Kochsalzlösung zu spülen und ein cortisonhaltiges Nasenspray zu
verwenden“, sagt Dr. med. Tanja Hildenbrand, Oberärztin an der Klinik für
Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg.
Teilweise kommt auch eine kurz- oder langfristige Therapie mit Antibiotika
oder eine kurzfristige Therapie mit Kortikosteroiden in Betracht. „Erst
wenn die medikamentöse Therapie erfolglos bleibt oder Komplikationen
drohen, kann eine Operation eine Behandlungsoption darstellen“, sagt die
Ärztin.

Die adäquate medikamentöse Vorbehandlung, die Auswahl der Patienten, denen
ein chirurgischer Eingriff angeboten wird, sowie der Zeitpunkt, zu dem das
geschieht, zählen – ebenso wie die korrekte Diagnose – bereits zu den
Aspekten, die in die Bewertung der Behandlungsqualität einfließen. „Dabei
gibt es Hinweise in Studien, dass der Operationserfolg umso größer sein
kann, je früher der Eingriff vorgenommen wird“, sagt Hildenbrand. Schwerer
zu vergleichen seien diejenigen Qualitätsaspekte, die die Operation selbst
beträfen: Wie effektiv bestimmte Operationstechniken und -hilfsmittel
seien, hänge zum einen von der Routine und den Vorlieben des Operateurs
ab. Zum anderen existieren zum Teil nur unzureichende Studien, bzw. sind
qualitativ hochwertige Studien beispielsweise aus ethischen Gründen nicht
möglich.

Auch wenn die Nasennebenhöhlenchirurgie bei der CRS nicht immer einem
einheitlichen Standard folgt, scheint doch klar zu sein, dass ein
chirurgischer Eingriff Patienten mit anhaltenden Beschwerden nach
adäquater medikamentöser Therapie Vorteile bringt. Als wichtigen Indikator
für Operationserfolg und Kosteneffizienz nennt Hildenbrand die
Verbesserung der Produktivität: In einer europäischen Studie sank die Zahl
der Fehltage am Arbeitsplatz von 8 bis 14 Tagen vor der Operation auf 1
bis 7 Tage nach dem Eingriff. Das reine Fortführen der medikamentösen
Therapie dagegen hatte keinen Einfluss auf die Zahl der Krankheitstage.

„Die Messung und Bewertung der medizinischen Behandlungsqualität ist immer
ein schwieriges Unterfangen“, sagt Professor Dr. med. Andreas Dietz,
Direktor der Universitäts-Hals-Nasen-Ohren-Klinik Leipzig und
Vorstandsmitglied der DGHNO-KHC. In den letzten Jahren habe sich mehr und
mehr die Erkenntnis durchgesetzt, dass neben objektiven Operationseffekten
auch das subjektive Wohlbefinden des Patienten – mit dem Fachbegriff
patient reported outcome (PRO) benannt – in diese Bewertung einbezogen
werden müsse. „Bei der CRS erscheint dies umso wichtiger, als sich häufig
keine Korrelation zwischen objektiven Befunden wie CT-Bildern und der
subjektiv empfundenen Lebensqualität des Patienten zeigt“, sagt Dietz –
letztere sei jedoch für den Patienten das entscheidende Kriterium. Um die
Zufriedenheit mit dem Eingriff zu erfassen, stehen mittlerweile
standardisierte Fragebögen zur Verfügung, die verschiedene
krankheitsbezogene und allgemeine Aspekte der Lebensqualität abfragen.
Dieses einfache und wichtige Instrument werde jedoch noch immer viel zu
selten genutzt.

Bei Veröffentlichung Beleg erbeten.

Literatur:

Tanja Hildenbrand, Manuel Christoph Ketterer, Qualität in der
chirurgischen Therapie chronisch entzündlicher Erkrankungen der
Nasennebenhöhlen, DOI https://doi.org/10.1055/a-1012-9383 Laryngo-Rhino-
Otol 2020; 99: S5–S33
Andreas Dietz, Welche Qualität macht den Unterschied? Editorial
Referateband 2020, Laryngo-Rhino-Otol 2020; 99(S 01): S1-S4 DOI:
10.1055/a-1089-4172

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Über die DGHNO-KHC:
Die Deutsche Gesellschaft der Hals-Nasen-Ohrenärzte ging 1921 aus dem
Verein Deutscher Laryngologen und der Deutschen Otologischen Gesellschaft
hervor. Im Jahre 1968 wurde der heute gültige Name, Deutsche Gesellschaft
für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V.,
angenommen. Die Gesellschaft hat derzeit über 5000 Mitglieder.

Die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-
Chirurgie e. V. bezweckt die Förderung der wissenschaftlichen und
praktischen Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie und die
Förderung des Allgemeinwissens um ihre geschichtliche Entwicklung.

Weitere Aufgaben sind die Wahrung der Einheit des Fachgebietes der Hals-
Nasen-Ohren-Heilkunde und die Vertiefung der Verbindung mit den
medizinischen Nachbarfächern sowie mit ausländischen Fachgesellschaften,
die Weiter- und Fortbildung auf dem Fachgebiet sowie die Unterstützung und
Beratung anderer wissenschaftlicher Gesellschaften, von
Gesundheitsbehörden und anderen Einrichtungen bei Belangen der Hals-Nasen-
Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie.