Christian Redo (r.) trifft Prof. Jürgen Weitz, Direktor der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie (l.) im Uniklinikum. Er hat Pankreaskrebs-Patienten im Sommer operiert.  UK Dresden / Marc Eisele
Christian Redo (r.) trifft Prof. Jürgen Weitz, Direktor der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie (l.) im Uniklinikum. Er hat Pankreaskrebs-Patienten im Sommer operiert. UK Dresden / Marc Eisele

Nach wie vor gilt der Pankreaskrebs als eine der aggressivsten
Tumorerkrankungen mit einer unterdurchschnittlichen Überlebenszeit. Doch
moderne Therapiestrategien und strikt interdisziplinär ausgerichtete
Versorgungszenten sorgen dafür, dass sich die Prognosen für Patienten mit
einem Tumor der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) langsam aber stetig
verbessern. Am Donnerstag (19. November) machen Mediziner und Patienten
anlässlich des Weltpankreaskrebstags auf die Krankheit und mögliche
Therapien aufmerksam. Das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
setzt dafür am Lingnerschloss ein farbenfrohes Zeichen.

Um Patienten Solidarität zu zeigen und Hoffnung zu geben, erstrahlt das
Gebäude von 16 bis 22 Uhr in kräftigem lila.

Bauchspeicheldrüsenkrebs ist selten, gehört aber zu den am häufigsten zum
Tode führenden Krebserkrankungen. Um die 20.000 Menschen erkranken pro
Jahr in Deutschland an Pankreaskrebs. Tendenz steigend: Denn
Fettleibigkeit, Rauchen und häufiger Alkoholgenuss sind entscheidende
Risikofaktoren und nach wie vor in der Gesellschaft sehr präsent. Das
Karzinom an der Bauchspeicheldrüse wird oft erst spät erkannt. Denn
geeignete Screeningmethoden in der Vorsorge gibt es nicht. Und die ersten
Beschwerden wie Übelkeit oder Rückenschmerzen werden oft nicht sofort als
Anzeichen des aggressiven Krebses erkannt. Der Tumor bleibt deshalb oft
lange unerkannt, bis er sich nicht mehr oder nur schwer operieren lässt.

Für die Therapie stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Oft werden
Operation und Chemotherapie kombiniert eingesetzt, um die beste Prognose
zu erzielen. So bei Christian Redo: Im Frühsommer wurde bei dem
65-Jährigen aus Pirna Pankreaskrebs diagnostiziert. Ein Schock für den
sonst aktiven Mann. Bei ihm entschieden sich die Mediziner für eine
Entfernung eines Teils des Organs (Kopfresektion). „Die chirurgische
Resektion beim Pankreaskrebs bietet die einzige Chance auf Heilung“, sagt
Prof. Thilo Welsch, stellvertretender Direktor der Klinik für Viszeral-,
Thorax- und Gefäßchirurgie am Uniklinikum Dresden. Nach aktuellen
internationalen randomisierten Studien bietet der Eingriff, bei dem der
Bauchspeicheldrüsenkopf inklusive des Tumors sowie angrenzende Lymphknoten
entfernt werden, gefolgt von einer modernen Chemotherapie, die besten
Überlebenschancen. „Studienergebnisse belegen, dass durch die
Kombinationsbehandlung eine Fünf-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit 40
Prozent erzielt werden kann“, sagt er. Ist der Patient auch fünf Jahre
nach der Therapie tumorfrei, sprechen Onkologen von einem geheilten
Patienten. Diese Ergebnisse rechtfertigen einen Optimismus durchaus, wenn
wir über Pankreaskrebsbehandlung sprechen“, sagt Prof. Welsch. Zurzeit
sind im Körper von Christian Redo keine Tumorzellen nachweisbar.

„Gerade daher ist es wichtig, dass alle Pankreaskrebspatienten, bei denen
eine OP aus medizinischer Sicht möglich ist, auch operiert werden“, betont
Prof. Jürgen Weitz, Direktor der Klinik für Viszeral-, Thorax- und
Gefäßchirurgie. Eine Entscheidung darüber sollte in einem spezialisierten
Zentrum erfolgen, in dem auch die Therapie stattfindet. Die Entscheidung
für oder gegen eine der möglichen Therapieformen hängt maßgeblich von der
Kompetenz des behandelnden Ärzteteams ab. Das Universitätsklinikum Dresden
hat für nahezu alle Krebsarten interdisziplinäre Zentren aufgebaut, die
unter dem Dach des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen Dresden
(NCT/UCC) arbeiten. Dazu gehört auch das Viszeralonkologische Zentrum. Für
das Gelingen solcher Therapieverläufe arbeiten am Uniklinikum Chirurgen
der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie mit weiteren
Krebsexperten zusammen. Im Tumorboard diskutieren sie gemeinsam die Fälle
und entscheiden sich für die individuell am besten geeignete Therapie.
„Wir verfügen über einen großen Erfahrungsschatz in der besonders
schonenden, minimalinvasiven Chirurgie aber auch in Situationen, wenn
Blutgefäße vom Tumorgewebe befallen sind. Zusätzlich haben die Kollegen
der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie eine hervorragende
Expertise, sodass wir viele der vor allem älteren Patienten sicher
operieren können“, so der Klinikdirektor weiter.

Trotz gebündelter Expertise und Erfolgen bei der Therapie von
Pankreaskrebs bedarf es weiterer finanzieller und ideeller Unterstützung.
Nur so kann das ganze Potenzial moderner Krebsmedizin und -forschung auch
für die Pankreaskrebs-Patienten genutzt werden. Die Klinik für Viszeral-,
Thorax- und Gefäßchirurgie des Uniklinikums setzt deshalb ein farbenfrohes
Zeichen. Erneut lässt die Klinik ein prominentes Gebäude in Dresden in
lila Farbe erstrahlen: Nach der Semperoper, dem Operativen Zentrum des
Uniklinikums und dem Kulturpalast können die Dresdner am 19. November von
16 bis 22 Uhr das Lingnerschloss im lila Gewand bewundern. Anlass ist der
an diesem Tag vom TEB e.V. (Tumore und Erkrankungen der
Bauchspeicheldrüse) initiierte Welt-Pankreaskrebstag. „Den Kampf gegen
Pankreaskrebs führen nicht allein die Patienten mit ihren Angehörigen, sie
kämpfen gemeinsam mit uns Ärzten, Pflegenden und Wissenschaftlern. Daher
ist es wichtig, dass die Krankheit in der Öffentlichkeit nicht länger
tabuisiert wird, sondern wir offensiv für die Patienten und ihre Familien
einstehen und für eine Behandlung in spezialisierten Zentren ebenso werben
wie für eine intensivierte Forschung zur besseren Früherkennung“, sagt
Prof. Jürgen Weitz. Der Chirurg hat deshalb mit seinem Team die
Illumination des Lingnerschlosses zum Welt-Pankreaskrebstag am Donnerstag
organisiert. Patienten wie Christian Redo machen auch den Medizinern
Hoffnung. Nachdem Prof. Weitz ihn Ende Juli operierte, haben sich die zwei
jetzt zur Verlaufskontrolle wiedergetroffen.

„Die Behandlung von Patienten mit der Diagnose Pankreaskrebs und die
Erfolge, die wir bei der Therapie erzielen, zeigen, wie wichtig es ist,
Patienten in hochdifferenzierten, interdisziplinär organisierten Zentren
zu behandeln“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des
Uniklinikums. „Für den Erfolg von komplexen Pankreasoperationen ist die
Erfahrung und Ausstattung des gesamten involvierten Teams entscheidend.
Wenn Chirurgen, Anästhesisten, Radiologen und die Pflege optimal geschult
und auf einander abgestimmt sind, lässt sich der Anteil an schweren
Komplikationen niedrig halten.“ Insgesamt werden im Dresdner
Universitätsklinikum jährlich knapp über 150 Eingriffe an der
Bauchspeicheldrüse vorgenommen. Der daraus erwachsene Erfahrungsschatz und
die enge Zusammenarbeit zu Forschern und Fachkollegen innerhalb wie
außerhalb des Uniklinikums bilden die Grundlage für die exzellenten
Behandlungsergebnisse.

TEB e.V. (Tumore und Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse)
Der Welt-Pankreaskrebstag wird in Deutschland durch den TEB e.V. (Tumore
und Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse) initiiert: Der Verein unterstützt
Menschen mit Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse und deren Nachbarorganen,
besonders aber Menschen mit Bauchspeicheldrüsenkrebs. „Wir haben es uns
zur Aufgabe gemacht, durch intensiven persönlichen Kontakt Erfahrungen
auszutauschen, zu informieren und spezifisch zu beraten“, so die 1.
Vorsitzende Katharina Stang, die selbst betroffen ist. „Dazu gehört aber
auch, auf die Erkrankungen wie Pankreaskrebs aufmerksam zu machen. Wir
freuen uns sehr darüber, dass die Viszeralchirurgen des Dresdner
Universitätsklinikums den Welt-Pankreaskrebstag unterstützen und somit in
besonderer Weise auf das Leid der Betroffenen aufmerksam machen.“