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DSG: RACECAT-Studie verdeutlicht die Stärke des deutschen Schlaganfallnetzwerks

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Schwerer Schlaganfall: Behandlung auf regionaler oder überregionaler
Stroke Unit?! Neue Studie bescheinigt beiden Modellen gleichen Erfolg

DSG: Spanische RACECAT-Studie verdeutlicht die Stärke des deutschen
Schlaganfallnetzwerks aus regionalen und überregionalen Stroke Units

Bei Patienten mit einem schweren Schlaganfall zählt jede Minute bis zum
Behandlungsbeginn, doch wo sollen sie behandelt werden – auf einer
regionalen Schlaganfallstation oder auf einer weiter entfernt gelegenen
spezialisierteren, überregionalen Stroke Unit?

Der Transport in eine nahegelegene Stroke Unit hat den Vorteil des
minimalen Zeitverlusts bis zum Beginn einer medikamentösen Therapie
(Thrombolyse). Die Entscheidung für eine Behandlung auf einer
spezialisierten, überregionalen Stroke Unit hingegen hat - trotz längerer
Transportzeit - den Vorteil, dass gegebenenfalls umgehend eine zusätzliche
mechanische Gefäß-Wiedereröffnung (Thrombektomie) mittels Katheter
erfolgen kann, ohne den Patienten erneut verlegen zu müssen. Welche
Variante sollte bevorzugt werden? Mit dieser Frage haben sich spanische
Neurologen in der sogenannten „RACECAT-Studie“ befasst und
Behandlungsergebnisse in beiden Patientengruppen miteinander verglichen.
Die Studie hat gezeigt, dass sich die Behandlungsergebnisse nicht viel
voneinander unterscheiden, wie Experten der Deutschen Schlaganfall-
Gesellschaft (DSG) berichten.

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Experten haben die Ergebnisse der RACECAT-Studie vor kurzem in einer
Online-Videokonferenz der European Stroke Organisation (ESO) vorgestellt.
„Die Strukturen der Schlaganfallversorgung in der spanischen Region
Barcelona sind mit den Gegebenheiten in vielen Gegenden Deutschlands
durchaus vergleichbar. Vor diesem Hintergrund können wir durchaus sagen,
dass die Untersuchungsergebnisse auch für uns relevant sind und
gewissermaßen übertragen werden können“, sagt Professor Dr. med. Helmuth
Steinmetz, 1. Vorsitzender der DSG. Das Forscherteam der RACECAT-Studie
arbeitete mit einem Netzwerk aus 28 Stroke Units und sechs
Thrombektomiezentren, was vergleichbar mit der Schlaganfallversorgung in
Deutschland ist. Auch die Transportzeiten der Patienten sowie die Zeiten
bis zum Therapiebeginn sind ähnlich zu denen hierzulande.

Im Zuge der RACECAT-Studie wurden rund 1401 katalanische Patienten mit
einem schweren Schlaganfall untersucht. Etwa die Hälfte von ihnen wurde
zunächst in die nächstgelegene regionale Stroke Unit transportiert, die
anderen Hälfte direkt in eine weiter entfernte spezialisierte Einrichtung
in Barcelona. Die Neurologen Natalia Perez de la Ossa und Marc Ribo
berichteten, dass sich die Behandlungsergebnisse in beiden Gruppen nach
drei monatiger Untersuchungszeit nicht signifikant voneinander
unterschieden. „Die RACECAT-Studie hat gezeigt, dass die Behandlung von
Patienten mit schwerem Schlaganfall auf einer nahegelegenen Stroke Unit
vergleichbar ist mit der Behandlung auf einer weiter entfernt gelegenen
überregionalen Stroke Unit“, so Steinmetz.

„Das Ergebnis hat uns überrascht, da wir vermutet hätten, dass die direkte
Überweisung und Behandlung von schwererkrankten Schlaganfall-Patienten auf
eine spezialisierte Stroke Unit Vorteile hat“, so der DSG-Experte. Er und
seine Kollegen werten den Ausgang der RACECAT-Studie als Beleg der Stärke
des auch in Deutschland etablierten Systems regionaler und überregionaler
Stroke Units sowie deren kooperativer Zusammenschlüsse in Neurovaskulären
Netzwerken (NVN). Nach den Erkenntnissen der neuen Studie würde in diesen
Netzwerken jede Einheit gleichermaßen bedeutsam bleiben. Aus Sicht der DSG
sei es weiterhin gerechtfertigt, potenzielle Thrombektomiekandidaten mit
sehr schwerem Schlaganfall zunächst in der nächstgelegenen Stroke Unit zu
behandeln. So kann dadurch eine Lysetherapie unverzüglich eingeleitet
werden, was auch bei einem Transport zu einem Thrombektomiezentrum eine
lebensrettende Maßnahme sein kann.