Patient*innen mit chronischen Schmerzen das Leben erleichtern „Reality-Studie“ startet in Gera.
„Es wird geschätzt, dass weltweit etwa 20% der Bevölkerung von mäßigen bis
schweren chronischen Schmerzen betroffen sind. Chronische Schmerzen werden
zu einer Belastung für das Individuum, da sie die Fähigkeit einer Person
beeinträchtigen, viele Aktivitäten des täglichen Lebens auszuführen, wie
z.B. Sport treiben, gehen, Auto fahren, an gesellschaftlichen
Veranstaltungen teilnehmen oder Hausarbeit verrichten“, weiß Prof. Dr.
Michael Kretzschmar, Professor für Versorgungsforschung an der SRH
Hochschule für Gesundheit. In der Vergangenheit konnte festgestellt
werden, dass nur jede/r fünfte Schmerzpatient*in angemessen versorgt wird.
Konventionelles medizinisches Management, einschließlich Medikation und
Physiotherapie, ist für die Behandlung chronischer Schmerzen oft nicht
ausreichend. Eine medikamentöse Therapie auf der Basis von Opioiden kann
auch zur Abhängigkeit führen. Wenn diese Behandlungen keine
Schmerzlinderung bringen, wird häufig operiert. Eine Operation ist jedoch
nur bei Patient*innen mit mechanischer Instabilität oder Bedrängung von
Nervenwurzeln sinnvoll. Seit 40 Jahren ist die elektrische
Rückenmarksstimulation (SCS) hierfür eine bewährte Therapie, um
Patient*innen mit chronischen Schmerzen Abhilfe zu schaffen. Ein neueres
Verfahren stellt die Hintere Nervenwurzel-Stimulation dar.
Die Firma Abbott hat eine weltweite Studie zur Langzeitanwendung dieser
invasiven Therapieverfahren initiiert. Das Forschungsprojekt „Reality-
Studie“ hat das Ziel, die Versorgungslage der PatientInnen zu verbessern.
Das Forschungsprojekt wird erstmals in einer weltweiten Studie die
Langzeiteffektivität der SCS-Therapie in Hinblick auf die Indikatoren
Schmerzlinderung, Lebensqualität, Medikamentenverbrauch sowie
Zuverlässigkeit der Technik über einen langen Zeitraum untersuchen.
Geplant ist die Rekrutierung von über 2000 Patien*innen in weltweit
verteilten Studienzentren. Die Langzeitstudie soll 2029 enden. In diesem
Zeitraum werden Betroffene regelmäßig nachuntersucht.
Die Kooperation zwischen der SRH Hochschule für Gesundheit und dem SRH
Wald-Klinikum in der schmerztherapeutischen Versorgungsforschung hat
bereits zu einer gemeinsamen Publikation in einer hochrangigen
internationalen Zeitschrift geführt. Somit war dieser Verbund, gemeinsam
mit dem sehr aktiven Studienzentrum am Wald-Klinikum, als Partner für
Abbott attraktiv und erhielt den Zuschlag als eines von 16 europäischen
Studienzentren.
Prof. Dr. habil. Michael Kretzschmar ist Professor für
Versorgungsforschung an der SRH Hochschule für Gesundheit und seit 2011
arbeitet er als Chefarzt im Zentrum für Schmerz- und Palliativmedizin am
SRH Wald-Klinikum Gera.
