Wenn Narben jucken, schmerzen oder wachsen: S2k-Leitlinie der DDG – Wann hilft welche Narbentherapie?
Narben sind das Ergebnis des Wundheilungsprozesses. Sie belasten
Patientinnen und Patienten aus ästhetischen Gründen und können auch mit
Schmerzen, Juckreiz und Funktionsbeeinträchtigungen einhergehen. Die S2k-
Leitlinie „Behandlung pathologischer Narben“ der Deutschen
Dermatologischen Gesellschaft e.V. (DDG) klärt, welche therapeutischen
Optionen empfehlenswert sind. Erstmalig erwähnt werden in der Leitlinie
die Therapieoptionen Hyaluronidase, Kalziumkanalblocker und Plasmamedizin.
Allerdings reichen die Daten und Erfahrungen für eine Empfehlung bisher
nicht aus. Chirurgische Interventionen sollten weiterhin nur nach
intensiver Abwägung und mit zusätzlicher Anschlussbehandlung erfolgen.
Nach jeder Verletzung setzt ein komplexer Reparaturmechanismus ein. Als
Ergebnis der Wundheilung entsteht eine Narbe. Dermatologen sprechen von
einer Funktionswiederherstellung der Oberflächenintegrität. „Allerdings
ist das Resultat ein faserreiches Ersatzgewebe, das gesunder Haut
unterlegen ist. Zudem leiden manche Patientinnen und Patienten an
Juckreiz, Schmerzen, den ästhetischen Veränderungen und sind eventuell in
ihrer Bewegung eingeschränkt“, erklärt Professor Dr. med. Peter Elsner,
Direktor der Klinik für Hautkrankheiten am Universitätsklinikum Jena und
Beauftragter für die Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Dermatologischen
Gesellschaft (DDG). Pathologische, also krankhafte Narben müssen behandelt
werden.
Zu den pathologischen Narben gehören „hypertrophe“ Narben. Anders als die
eingesunkenen („atrophen“) Narben, sind sie rot und erhaben. Wenn es zu
einer überschießenden Narbenbildung kommt, also der ursprüngliche Bereich
der Verletzung überschritten wird, sprechen Medizinerinnen und Mediziner
von einem Keloid, einer gutartigen Geschwulst, die nur in geringem Maße
zur Rückbildung neigt. Hypertrophe Narben hingegen können sich nach
Monaten von allein zurückbilden.
„Auch wenn hypertrophe Narben und Keloide zu den gutartigen
Hautveränderungen gehören, sind viele Betroffene behandlungsbedürftig,
denn die Symptome können ihre Lebensqualität stark beeinträchtigen und zu
ihrer Stigmatisierung führen“, erklärt Professor Dr. med. Uwe Paasch,
Dermatologe an der Universität Leipzig und niedergelassener Hautarzt in
Jesewitz. „Es gibt bei Narben keine Behandlungsmethode der ersten Wahl,
jedes Therapieziel muss individuell mit dem Patienten festgelegt werden“,
so Paasch.
Unterstützung bei der Frage, welche Therapie gewählt werden sollte, gibt
die aktualisierte S2k-Leitlinie „Therapie pathologischer Narben
(hypertrophe Narben und Keloide)“ der Deutschen Dermatologischen
Gesellschaft (DDG), an der Paasch auch in seiner Funktion als Mitglied der
Deutschen Dermatologischen Lasergesellschaft (DDL) beteiligt war.
Da in den letzten Jahren neue Therapieoptionen hinzukamen und
wissenschaftlich ausgewertet werden konnten, wurde die Leitlinie aus dem
Jahr 2014 nun aktualisiert.
Professor Dr. med. Alexander Nast, Leitender Oberarzt an der Klinik für
Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Charité – Universitätsmedizin
Berlin, und Leiter der DDG-Kommission für Qualitätssicherung in der
Dermatologie: „Die wichtigsten Behandlungsoptionen bleiben: Die Injektion
von Triamcinolon in Kristallsuspension und die Kryotherapie.“ Das
synthetische Glukokortikoid („Kortison“) Triamcinolon wird direkt in die
Narbe gespritzt. Es reduziert das exzessive Narbenwachstum, indem es die
Kollagensynthese hemmt. Bei der Kryotherapie handelt es sich um eine
Vereisung der Narbe mit flüssigem Stickstoff. In der aktualisierten
Leitlinie wird empfohlen, beides in Kombination anzuwenden.
Zum Thema chirurgische Behandlung von Keloiden und hypertrophen Narben
kommt die Leitlinie zu einer klaren Einschätzung. Da eine alleinige und
nicht sachgemäße chirurgische Intervention mit einem hohen Rezidivrisiko
einhergeht, werden operative Maßnahmen nur nach intensiver Abwägung und
mit zusätzlicher Anschlussbehandlung (beispielsweise Bestrahlung,
Druckbehandlung und Triamcinoloninjektion) empfohlen.
Professor Paasch ergänzt: „Bei hypertrophen Narben nach Verbrennung oder
Verbrühung haben sich die fraktionierte ablative Lasertherapie, das
Microneedling und die Kompressionstherapie bewährt.“ Bei der
fraktionierten Lasertherapie wird eine Wundheilungssequenz angestoßen, bei
der Hitzeschockproteine eine entscheidende Rolle spielen. Microneedling
bedeutet, dass die Haut mit vielen kleinen Nadeln durchstochen wird, was
zu sogenannten Mikrotraumen führt. Diese stoßen eine Wundheilungskaskade
an, was ebenso wie die Lasertherapie zu einem „Remodeling“ in der Haut
führt.
Neu in der Leitlinie sind die Therapieoptionen Hyaluronidase,
Kalziumkanalblocker und Plasma. Die Leitlinie gibt aufgrund der geringen
Datenlage für diese Behandlungsoptionen keine Empfehlung für oder gegen
die Anwendung. Die Aufnahme lädt aber zu klinischen Studien ein und zeigt
den Forschungsbedarf an.
„Festzuhalten bleibt, dass es bei der Behandlung hypertropher Narben immer
um eine individuell auf die Patientin/den Patienten abgestimmte Therapie
handeln muss. Mit nur einem Therapieansatz wird häufig keine ausreichende
Wirksamkeit erzielt. Eine Kombination mehrerer Therapien ist
erforderlich“, bilanziert DDG-Medienbeauftragter Elsner. Hierzu gibt die
Leitlinie klare Empfehlungen.
Quelle:
Therapie pathologischer Narben (hypertrophe Narben und Keloide), AWMF-
Register-Nr.: 013-030, https://www.awmf.org/uploads/t
-030l_S2k_Therapie-pathologisc
Keloide_2020-11.pdf
