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DDG informiert über Risiken, Prävention und Auswirkungen der Coronapandemie für Menschen mit Diabetes

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Menschen mit einem Diabetes mellitus wurden bereits früh im Verlauf der
Coronapandemie als Risikopatienten erkannt, die bei einer
COVID-19-Erkrankung besonders schwer betroffen sein können. In zahlreichen
Studien hat sich dies zwar im Wesentlichen bestätigt – gleichwohl zeigt
sich aber auch, dass das Vorliegen eines Diabetes nicht allein über den
Verlauf einer COVID-19-Erkrankung entscheidet.

Welche Faktoren für die komplexe Interaktion zwischen Diabetes und einer
SARS-CoV-2-Infektion entscheidend sind, was das für die Prävention
bedeutet und welche Auswirkungen die Pandemie für Menschen mit Diabetes
hat, darüber diskutieren Experten der Deutschen Diabetes Gesellschaft
(DDG) auf der virtuellen Jahrespressekonferenz am Dienstag, den 2. März
2021 (zur Anmeldung:
<https://attendee.gotowebinar.com/register/3782309417170438416>).
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Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenerkrankungen und starkes Übergewicht
treten bei Menschen mit Typ-2-Diabetes deutlich häufiger als in der
stoffwechselgesunden Bevölkerung auf. „Vor allem durch diese weiteren
Krankheitsbilder sind Menschen mit einem Typ-2-Diabetes besonders
gefährdet, im Fall einer Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus einen
ungünstigen Krankheitsverlauf zu erleiden“, sagt Professor Dr. med.
Wolfgang Rathmann, MSPH (USA), stellvertretender Direktor des Instituts
für Biometrie und Epidemiologie am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ),
Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung an der Heinrich-Heine-Universität
Düsseldorf. Hinzu komme, dass Diabetes-Patienten häufig älter sind, was
ebenfalls ein Risikofaktor für einen schweren Verlauf ist. Wenn der
Glukosestoffwechsel ungenügend eingestellt ist, verschlechtert dies weiter
die Prognose.

Studien haben gezeigt, dass Diabetes-Patienten mit einem konstant normalen
oder lediglich leicht erhöhten Blutglukosewert während eines COVID-
bedingten Klinikaufenthalts ein sehr viel geringeres Sterberisiko hatten
als Patienten mit schlechter Blutzuckerkontrolle und in der Folge
schlechten Werten. „Weiterhin waren überhöhte Blutglukosewerte auch bei
Menschen ohne zuvor bekannten Diabetes ein Risikofaktor für schwere oder
sogar tödliche COVID-Verläufe“, so Rathmann. Eine Messung des Nüchtern-
Blutzuckers und Kontrolle des Blutzuckerverlaufs sei daher bei allen
stationären COVID-19-Patienten zu empfehlen – auch dann, wenn kein
Diabetes bekannt sei.

„Der Zusammenhang zwischen der Blutglukoseeinstellung und dem Verlauf
einer COVID-19-Erkrankung macht deutlich, wie wichtig die Prävention und
Früherkennung eines Diabetes-Typ-2 gerade während der Pandemie sind“,
betont Professor Dr. Monika Kellerer, Präsidentin der Deutschen Diabetes
Gesellschaft (DDG) und Ärztliche Direktorin der Klinik für Innere Medizin
I am Marienhospital Stuttgart. Gerade die Früherkennung des Diabetes habe
in der ersten Phase der Pandemie jedoch gelitten – eine der indirekten
Folgen des Lockdowns im vergangenen Frühjahr, auf die die Präsidentin der
DDG aufmerksam macht. Das gilt nicht nur für Menschen mit Diabetes Typ-2,
sondern auch mit Diabetes Typ-1. „In dieser Zeit hat sich offenbar die
Erstdiagnose eines Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen verzögert,
so dass ein wesentlich größerer Anteil der Betroffenen bereits bei der
Diagnose schwere Blutzuckerentgleisungen aufwies“, bestätigt auch
Rathmann. „Eltern und Personen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten,
sind aufgefordert, Warnsignale einer Diabetesmanifestation wie
gesteigerten Durst, Harndrang und Müdigkeit ernst zu nehmen“, fügt der
Diabetesforscher hinzu. Bei Auftreten dieser Symptome muss umgehend eine
ärztliche Untersuchung erfolgen.

In vielen medizinischen Bereichen sei eine starke Zurückhaltung der
Patienten zu beobachten gewesen, Arztpraxen oder Kliniken aufzusuchen.
Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung wurden abgesagt oder verschoben,
aber auch Herz-Kreislauf-Notfälle wurden zum Teil erst verzögert einem
Arzt vorgestellt. „Praxen und Kliniken haben jedoch effektive
Hygienekonzepte, und auch die Angebote im telemedizinischen Bereich wurden
ausgebaut“, so der Düsseldorfer Diabetes-Epidemiologe. Gerade angesichts
der Bedeutung, die die Blutzuckereinstellung für die COVID-19-Prognose
habe, sollten Behandlungs- und Vorsorgetermine daher unbedingt
wahrgenommen werden.