Schübe einfach abschalten: TRANQUIL IMMUNE und LSI entwickeln T-Zell- Silencer zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen
Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose oder Morbus Crohn sind dadurch
charakterisiert, dass eine fehlgesteuerte T-Zell-Aktivität zu
Entzündungsreaktionen und somit zur meist schubweisen Verschlechterung der
Erkrankung führt. Sogenannte T-Zell-Silencer könnten erstmalig diese
Reaktion biologisch, unmittelbar, innerhalb weniger Minuten und dabei
nebenwirkungsfrei für die Patienten stoppen und somit die Behandlung von
Autoimmunerkrankungen revolutionieren. Gemeinsam mit dem Life Science
Inkubator (LSI) wollen die Erfinder nun die Entwicklung dieser
Technologie-Plattform vorantreiben und haben hierfür in der vergangenen
Woche das BioTech-Startup TRANQUIL IMMUNE gegründet.
Die von Dr. Thomas Harder in Basel, an der University of Oxford und der
Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg entwickelten sogenannten T
-Zell-Silencer sind in der Lage, die früheste T-Zell-Aktivierungsreaktion,
genauer gesagt die Tyrosin-Phosphorylierung von Signalproteinen, zu
unterdrücken. Folglich wird die biochemische Signalkaskade in der T-Zelle,
die eine krankhafte Aktivierung auslöst, einfach abgeschaltet und so
könnten z.B. bei Multipler Sklerose, Morbus Crohn oder rheumatoider
Arthritis entzündliche Schübe erstmalig direkt an der Ursache unterdrückt
werden. Diese werden heute mit Hilfe von antientzündlichen Medikamenten
wie Cortison oder Immunsuppressiva behandelt, können aber das
kontinuierliche Fortschreiten der Erkrankung meist nicht verhindern.
Um diese Technologie, die auf mehr als 20 Jahren Forschung an der
Steuerung der T-Zell- Immunaktivität durch Plasmamembran-Rafts beruht,
schnellstmöglich für Patienten verfügbar zu machen, haben die Gründer
Wolfgang Hennes und Dr. Thomas Harder sich dafür entschieden, die
Entwicklung nun gemeinsam mit dem Life Science Inkubator voranzutreiben.
„Für uns war der Standort Bonn in Verbindung mit dem Leistungsangebot des
LSI maßgeblich für diesen Entschluss“, so der Geschäftsführer von TRANQUIL
IMMUNE, Wolfgang Hennes.
Neben dem LSI, der sich aufgrund des vielversprechenden Potentials der
Technologie für eine gemeinsame Entwicklung entschieden hatte, ist auch
Christian Mülder engagiert, der normalerweise nur in digitalen oder
Blockchain-Projekten aktiv ist. „Wenn das in vitro bewiesene und
patentierte Verfahren auch in biologischen Systemen funktioniert, ist
zukünftig eine kausale und nebenwirkungsfreie Behandlung von
Autoimmunerkrankungen möglich,“ begründete Mülder seine Entscheidung.
Die weiteren Schritte sind nun die Produktion der Antikörper-Mimetika als
Bausteine für die T-Zell Silencer sowie deren Translation in Multiple
Sklerose-Mausmodelle am Institut für Neurologie der Universitätsklinik
Düsseldorf. Nach Abschluss der Wirksamkeitsstudien könnte dann bereits
Ende 2022 mit klinischen Studien begonnen werden.
