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Weltglaukomtag: Lasern kann beim grünen Star eine Alternative zu Augentropfen sein

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Der grüne Star ist eine der häufigsten Ursachen für Erblindung in der
westlichen Welt, in Deutschland sind etwa eine Million Menschen betroffen.
Um das Fortschreiten des Augenleidens aufzuhalten, werden meistens
Augentropfen eingesetzt. Neue Studien belegen, dass eine Laserbehandlung
ähnlich wirkungsvoll sein kann wie eine medikamentöse Behandlung.
Anlässlich des Weltglaukomtages empfehlen Experten der Deutschen
Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) daher, Lasern als Alternative zu
Augentropfen bei einigen Formen des grünen Stares anzubieten, die noch
nicht sehr stark fortgeschritten sind. Lasern ist eine Kassenleistung.

Die häufigste Form des grünen Stares ist das primäre Offenwinkelglaukom.
Dabei sterben die Nervenfasern des Sehnerven langsam ab, im schlimmsten
Fall führt das zur Erblindung. Ein wichtiger Faktor bei diesem Prozess ist
der Augeninnendruck, der durch den Abfluss des Augeninnenwassers im
sogenannten Trabekelwerk des Auges reguliert wird: Ist der Abfluss dort
gestört, erhöht sich der Augeninnendruck und fördert so die
Nervenschädigung. „Augentropfen können den erhöhten Augeninnendruck
senken“, sagt Professor Dr. med. Verena Prokosch-Willing. „Wir wissen
aber, dass viele Patienten dem täglichen Tropfen nicht nachkommen“, fügt
die Oberärztin für Glaukomerkrankungen am Zentrum für Augenheilkunde am
Universitätsklinikum Köln hinzu.

Nicht zuletzt für diese Patienten stellen Lasertherapien eine Alternative
dar. Bei der selektiven Lasertrabekuloplastik (SLT) etwa werden Zellen des
Trabekelwerks mit Laserlichtimpulsen bestrahlt. „Zwar ist der genaue
Wirkmechanismus dieses Laserverfahrens noch nicht geklärt“, erläutert DOG-
Expertin Prokosch-Willing. „Es wird aber vermutet, dass das Auge auf die
Laserimpulse mit einer Art Selbstheilungsprozess reagiert und die Zellen
erneuert.“ Auf diese Weise, so die Annahme, reinigt das körpereigene
Immunsystem das Trabekelwerk und beseitigt auch die Abflussstörung – mit
dem Ergebnis, dass der Augeninnendruck sinkt. Die Methode wirkt zeitlich
begrenzt, kann aber wiederholt werden.

Dass die SLT wirkungsvoll ist, belegt eine Studie, die im Fachjournal
Lancet veröffentlicht wurde und erstmals das Lasern direkt mit der
Tropfentherapie verglich.* „Mit dem Lasern konnte bei fast drei Viertel
der Patienten der Augeninnendruck mindestens drei Jahre lang erfolgreich
gesenkt werden“, so Prokosch-Willing. Die SLT sei wirksam und sicher,
zudem kostengünstig und mit einer guten Lebensqualität verbunden. „Die
Ergebnisse des Laserns beim grünen Star sind überzeugend“, resümiert DOG-
Präsident Professor Dr. med. Hagen Thieme. „Wir sollten Lasern bei
bestimmten Formen des grünen Stares als praktikable Alternative oder
zusätzlich zur Tropfentherapie anbieten.“

Der Weltglaukomtag findet am 12. März 2021 statt und wird vom 7. bis 13.
März von der Weltglaukomwoche mit zahlreichen Aktionen, Kampagnen und
Veranstaltungen begleitet. Ziel ist es, das Bewusstsein für den grünen
Star in der Bevölkerung zu steigern und so Erblindungen zu vermeiden.

Quellen:

https://www.worldglaucomaweek.org/

Kostenfreie Anmeldung zu den europäischen Glaukom-Leitlinien:
<https://www.eugs.org/eng/guidelines.asp>

* Gus Gazzard et al.: Selective laser trabeculoplasty versus eye drops for
first-line treatment of ocular hypertension and glaucoma (LiGHT): a
multicentre randomised controlled trial. Lancet 2019 Apr
13;393(10180):1505-1516.
doi: 10.1016/S0140-6736(18)32213-X. Epub 2019 Mar 9.

Bei Veröffentlichung Beleg erbeten.

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DOG: Forschung – Lehre – Krankenversorgung
Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für
Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 7.750
Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, lehren und
behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der
Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und
Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche
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wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum
Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im
Jahr 1857 in Heidelberg ist die DOG die älteste augenärztliche
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